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LGBT-Flüchtlinge : „Ich lebe hier zum ersten Mal richtig“

Bunte Truppe: „Rainbow Refugees“ setzten sich für für homo-, trans- und bisexuelle Flüchtlinge ein. Bild: Imago

Der Ort, an dem sie wohnen, muss geheim bleiben. Homo-, bi- und transsexuelle Flüchtlinge erhalten Schutz in der Unterkunft „La Villa“. Viele fühlen sich dort endlich sicher.

          4 Min.

          „Ich bin ich“, steht auf einer Postkarte, die über dem Bett hängt. Lange Zeit hat er dieses „Ich“ versteckt, oft sogar verleugnet. Dieses „Ich“, das in seinem Heimatland nicht existieren durfte, das manchmal ein bisschen schrill, manchmal ein bisschen femininer ist. Der junge Mann, dessen Lebensmotto auf eine Postkarte passt, spricht mit leiser Stimme. Die Worte, die er wählt, haben eine solche Wucht, dass sie auch geflüstert ihre Wirkung nicht verfehlen. Seinen Namen will er nicht nennen. Aus Angst vor Verfolgung. 28Jahre sei er alt, stamme aus dem Norden des Iraks, erzählt er. Außerdem sei er Kurde, Schauspieler – und schwul. Manchmal, wenn ihm danach ist, schminkt er sich. Dann betont er seine dunklen Augen, dann trägt er ein bisschen Make-up und Rouge auf. Dort, wo er jetzt lebt, muss er keine Schläge, keine Beschimpfungen fürchten, wenn er sich morgens in sein feminineres Ich verwandelt. Dort, wo er herkommt, schon.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit einigen Monaten wohnt der junge Mann in der Unterkunft „La Villa“ – einem Zufluchtsort für geflüchtete Männer und Frauen, die in ihrer Heimat ihre Sexualität verheimlichen mussten. Am Donnerstag hat Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) die Unterkunft zusammen mit Ortsbeiratsmitgliedern und Stadträten besucht. Gemeinsam mit der Aids-Hilfe hat das Sozialdezernat die Einrichtung vor einem Jahr eröffnet.

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