https://www.faz.net/-gzg-9helm

Uniklinikum Frankfurt : „Unregelmäßigkeiten“ bei Leber-Transplantationen

Unregelmäßigkeiten bei der Organtransplantation in Frankfurt: Kamen Patienten zu früh auf die Warteliste? Bild: Kien Hoang Le

Am Uniklinikum Frankfurt haben Kontrolleure mehrere Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen festgestellt. Eine Sprecherin des Krankenhauses weist die Vorwürfe zurück.

          Das Universitätsklinikum soll mehrere Patienten zur Lebertransplantation angemeldet haben, deren Erkrankung nicht den Vorgaben für eine Organspende entsprach. Das hat die Prüfungskommission der Bundesärztekammer in ihrem gestern in Berlin vorgestellten Jahresbericht kritisiert. Nach Angaben der Kommission wurden darüber die Landesärztekammer, das hessische Gesundheitsministerium und die Staatsanwaltschaft Frankfurt informiert. Oberstaatsanwältin Nadja Niesen bestätigte gestern den Eingang des Berichts. Jetzt werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht bestehe und Ermittlungen aufgenommen würden, sagte sie.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nachdem es 2012 zu Manipulationen von Wartelisten zur Organspende gekommen war, wurden die Prüfkriterien verschärft und die Kontrollen verstärkt. Dabei geht es um die Frage, ob Hochdringlichkeitsanträge gegenüber Eurotransplant gerechtfertigt waren und den Richtlinien der Bundesärztekammer entsprachen oder versucht wurde, durch falsche Angaben eine Bevorzugung zu erreichen. 2017 wurden 128Transplantationsprogramme an 46Transplantationszentren überprüft, nur bei zwei Programmen stellte die Kommission „systematische Unregelmäßigkeiten“ fest. Neben dem Lebertransplantationsprogramm in Frankfurt betraf dies auch das Herztransplantationsprogramm am Universitätsklinikum Köln-Lindenthal.

          Von den in den Jahren 2012 bis 2015 in Frankfurt gemachten 100 Lebertransplantationen hat die Kommission sich fast 60 Fälle genauer angesehen und letztlich 22 davon beanstandet. Dabei ging es vor allem darum, dass die Patienten Knoten in der Leber hatten, die kleiner waren, als in der Richtlinie für eine bevorzugte Transplantation gefordert. Der Ärztliche Direktor Jürgen Graf sagte gestern, die Formulierungen zur Mindestgröße des Tumors seien seinerzeit „unscharf“ gewesen und erst 2016 präzisiert worden. Im Bericht der Prüfkommission wird jedoch hervorgehoben, dass es an den anderen zehn Lebertransplantationszentren nicht zu Abweichungen gekommen sei. Die Prüfer schließen allerdings nicht aus, dass dies auf die missverständliche Formulierung der Richtlinie zurückzuführen ist.

          Der Versichertenstatus der Patienten habe offensichtlich keine Rolle gespielt: Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass privat Versicherte bevorzugt behandelt worden seien.

          Weitere Themen

          Erotik und Liebesleid

          Staatstheater Wiesbaden : Erotik und Liebesleid

          Rossinis „La donna del lago“ ist in der opulenten Inszenierung von Max Emanuel Cenčić in Wiesbaden zu erleben. Mit der erstmalig im Jahr 1819 in Neapel aufgeführten Opera seria wurde ein ganzer Modetrend in Gang gesetzt.

          Topmeldungen

          Die Konzernzentralen von Deutscher und Commerzbank in Frankfurt am Main

          Deutsche und Commerzbank : Schlechte Aussichten

          Die Hauptversammlungen von Deutscher und Commerzbank haben einmal mehr gezeigt: Wer glaubt, die Unabhängigkeit der Geldhäuser sei ungefährdet, könnte eines Morgens aufwachen und sich verwundert die Augen reiben.

          Nach Mays Ankündigung : Brexit-Opfer

          Das Brexit-Thema wurde May wie zuvor schon Cameron zum politischen Verhängnis – und es ist eine Last, die auch die kommende Regierung nicht einfach abschütteln kann. Die EU allerdings auch nicht.
          Erst der Anfang: Dem „Spiegel“ stehen grundlegende Neuerungen bevor.

          Bericht zu „Spiegel“-Skandal : „Ein verheerendes Bild“

          Fünf Monate nach dem Bekanntwerden seines Fälschungsskandals hat der „Spiegel“ den Abschlussbericht seiner internen Untersuchung vorgelegt. Er offenbart eine Verkettung missachteter Warnungen.
          Kam 1996 auf den Markt: das Schmerzmittel Oxycontin

          Amerikanische Opioid-Tragödie : McKinsey berät Purdue nicht länger

          Die amerikanische Opioidkrise hat schon Tausende Amerikaner das Leben gekostet. Im Zentrum der Tragödie steht das Pharmaunternehmen Purdue. McKinsey hat nun die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen eingestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.