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Unpünktliche S-Bahnen : Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben

  • -Aktualisiert am

Türsteherin: Eine Helferin soll in der S-Bahn-Station Frankfurter Hauptbahnhof verhindern, dass Fahrgäste noch im letzten Augenblick in den Zug springen. Bild: Helmut Fricke

Die S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet sind die unpünktlichsten der ganzen Republik. Ein Modellversuch soll nun verraten: Können Fahrgasthelfer die Pünktlichkeit verbessern?

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          Die vielen Verspätungen der S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet fangen oft ganz klein an. Die Türen eines Zuges schließen sich gerade, da streckt ein Fahrgast, der unbedingt noch einsteigen will, seine Hand dazwischen. Dadurch wird das Gitternetz aus senkrechten und waagrechten Lichtstrahlen gestört - die Tür öffnet sich automatisch wieder. Schon ist die Bahn eine halbe Minute verspätet.

          Stellt sich dieser Fahrgast dann noch in die Tür, weil seine keuchende Familie auch noch mitfahren soll, gehen schnell zwei oder drei Minuten verloren. Solche Verspätungen summieren sich. Denn weil fast alle Bahnen durch den vollständig ausgelasteten Frankfurter S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt fahren, gibt eine Bahn die Verspätung an die nächste weiter. Das ist einer der Gründe dafür, dass die S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet die unpünktlichste in der ganzen Republik ist.

          Helfer nur zu Hauptverkehrszeichen

          Jetzt hat die Deutsche Bahn am Frankfurter Hauptbahnhof einen Versuch begonnen, mit Hilfe von zusätzlichem Personal die Pünktlichkeit bei der Abfahrt zu verbessern. Service-Mitarbeiter, die man an ihren orangefarbenen Warnwesten mit der Aufschrift „Fahrgasthelfer“ erkennen kann, stehen am Bahnsteig und weisen Passagiere, die das Schließen der Türen verhindern wollen, zurück. Außerdem versuchen sie, die Fahrgäste zu jenen Wagen zu lenken, die noch nicht überfüllt sind. Denn eine der Hauptursachen für die Überschreitung der fahrplanmäßigen Haltestellen sei die ungleichmäßige Verteilung der wartenden Fahrgäste, heißt es bei der Bahn.

          Vier Wochen soll der Versuch an den Bahnsteigen 103 und 104 der unter dem Frankfurter Hauptbahnhof gelegenen S-Bahn-Station laufen. Von Montag bis Freitag werden dort in den Hauptverkehrszeiten zwischen 6.30 und 9 Uhr sowie zwischen 15.30 und 19 Uhr sechs solcher Helfer eingesetzt. Sie sollen sich ausschließlich um die pünktliche Abfahrt der S-Bahnen kümmern, die von hier zum Flughafen, nach Friedberg oder nach Wiesbaden fahren. Nach diesen vier Wochen will die Deutsche Bahn auswerten, ob sich die Pünktlichkeit verbessert hat.

          Versuch erinnert an Tokio

          Wenn ja, will sie nach Angaben eines Sprechers geeignete Konsequenzen ziehen. Eine könnte darin bestehen, dass sie das System mit den Fahrgasthelfern an ein oder zwei wichtigen Haltestellen in Frankfurt fest etabliert. Möglich ist auch eine bessere Information der Passagiere über überfüllte und weniger besetzte Wagen per Lautsprecher oder über Hinweise auf den elektronischen Anzeigetafeln. Noch Utopie ist ein Lichtstreifen entlang des Bahnsteiges, der vor vollen Wagen rot, vor halbvollen gelb und vor fast leeren grün leuchtet. Technisch ist eine solche Lösung im Zeitalter der Digitalisierung durchaus denkbar.

          Die Service-Mitarbeiter im Frankfurter Hauptbahnhof haben viel zu tun. Denn ununterbrochen fahren in die S-Bahn-Station Züge ein, nehmen Passagiere auf und fahren weiter. 1100 S-Bahnen passieren am Tag den Frankfurter Hauptbahnhof, der mit täglich 350.000 Reisenden die wichtigste Eisenbahn-Drehscheibe Deutschlands ist. Mehr als 100.000 Fahrgäste dürften die S-Bahn-Station queren oder hier ein- und aussteigen.

          In der Hauptverkehrszeit sind die S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet voll bis an den Rand. Am Flughafen muss wegen Überfüllung der Wagen schon einmal ein Reisender zurückbleiben und auf den nächsten Zug warten. In Tokio, wo es jeden Tag einen Ansturm von 13 Millionen Passagiere auf die 13 Linien der dortigen U-Bahn gibt, werden sogenannte Oshiyas eingesetzt, die die Menschenmassen in die Wagen drücken. So weit ist es in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet noch nicht. „Zu Verhältnissen wie in Japan sind wir noch gelangt“, sagt ein Bahn-Sprecher. Die Fahrgasthelfer in Frankfurt wenden jedenfalls keine rohe Kraft auf, um die Fahrgäste in die Züge zu bringen. Sie setzen auf das höfliche Wort.

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