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Städtische Pflanzenvielfalt : Unkraut vergeht nicht

  • -Aktualisiert am

Begleiter: Gemeine Wegwarte an der Dieburger Straße in Frankfurt Bild: Frank Rumpenhorst

Das Leben bahnt sich immer einen Weg. Auch in der Stadt sprießt aus jeder Ritze zartes Grün.

          2 Min.

          In der Stadt ist die Artenvielfalt größer als auf dem Land – als Biologen vor einigen Jahren zum ersten Mal mit dieser Erkenntnis an die Öffentlichkeit traten, war die Aufregung groß. Doch auch für Frankfurt ist sie längst belegt. Biofrankfurt, ein Zusammenschluss von 16 Institutionen im Rhein-Main-Gebiet, hat bereits im Jahr 2010 zeigen können, dass in der Mainmetropole fast 1700 verschiedene Pflanzenarten wachsen – nicht auf Beeten und in Gärten, sondern in der freien Natur, an den Flussufern, im Stadtwald, auf Brachflächen und eben auch an den zahllosen Gleisen und Straßen. Damit beherbergt Frankfurt rund die Hälfte aller Pflanzenarten, die es in Deutschland gibt. Im Taunus, der elfmal größer ist als das Stadtgebiet, wachsen dagegen nur 1250 verschiedene Arten.

          Ackerwinde an der Gerbermühlstraße in Sachsenhausen Bilderstrecke
          Unkraut vergeht nicht : Pflanzen in der Stadt
          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und noch etwas haben die Wissenschaftler von Biofrankfurt seinerzeit ermittelt: Fast jede zweite Pflanzenart, die in Frankfurt heimisch ist, wurde irgendwann von Menschen in die Stadt gebracht. Ein Beispiel ist die aus Nordamerika stammende Strahlenlose Kamille. Sie zählt wie viele andere dieser gewissermaßen eingeschleppten Pflanzen zu den „Allerweltsarten“. Heute ist die Strahlenlose Kamille verbreitet wie Unkraut. Allem Anschein nach ist es auch ein Exemplar dieser Art, das an der Kaiserleibrücke im Ostend von einem Graffiti-Sprayer eingefärbt wurde und auf dieser Seite mit anderen Aufnahmen des Fotografen Frank Rumpenhorst zu sehen ist.

          Manches Unkraut ist als Heilpflanze einsetzbar

          Zu den „Allerweltsarten“ zählt sicherlich auch die Ackerwinde, die, wenn sie wie an der Gerbermühlstraße in Sachsenhausen blüht, jedem Spaziergänger Freude bereitet. Wer sie allerdings erst einmal im Garten hat, der weiß schnell, warum sie als Unkraut gilt: Sie macht sich schnell breit, weil sie im Boden ein tiefes und dichtes Netzwerk von Wurzeln bildet, die immer wieder neue Sprossen hervortreiben. Kurzum, sie ist kaum auszurotten.

          Doch was heißt Unkraut? Im allgemeinen Sprachgebrauch sind das Pflanzen, die aus Sicht des Menschen unerwünscht sind. Tausende Arten fallen in diese Kategorie, darunter sind Wegrainpflanzen und wahre Schönheiten wie zum Beispiel der Klatschmohn und das Schmalblättrige Weidenröschen mit seiner pinkfarbenen Blüte. Das Weidenröschen gilt allerdings auch als Heil- und Küchenkraut. Und die Gemeine Wegwarte, auch Zichorie genannt, die Frank Rumpenhorst an der Dieburger Straße in Fechenheim entdeckt hat, trägt in diesem Jahr sogar den Titel der „Heilpflanze des Jahres“ – 2009 war sie schon „Blume des Jahres“ gewesen.

          Dass im Frankfurter Stadtgebiet so vieles wächst, hat vor allem damit zu tun, dass die Stadt seit langem keine Unkrautvernichtungsmittel mehr einsetzt, nicht auf den Gehwegen und schon gar nicht auf den Grünstreifen.

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