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Universitätsklinik Frankfurt : Ein Wissenschaftsskandal, der keiner war

  • -Aktualisiert am

War offenbar nicht Schauplatz eines Wissenschaftsskandals: die Frankfurter Universitätsklinik Bild: Rüchel, Dieter

Im Internet wurde ein Frankfurter Medizinprofessor als Betrüger denunziert, der bei sich selbst abschreibt. Sein früherer Chef bestreitet, etwas damit zu tun zu haben.

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          Abscheuliches wollten sie aufgedeckt haben, die anonymen Ankläger, die sich im Mai mit einer E-Mail an diese Zeitung zu Wort meldeten. Zwei Medizinprofessoren aus Frankfurt und Heidelberg hätten „seit Jahren Doppelpublikationen am laufenden Band produziert“, hieß es in dem Pamphlet, das mit „UniLeaks Network“ unterschrieben war und auf die Internetseite www.forschungsmafia.de verwies.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einer der Bezichtigten ist Johannes Pantel, Professor für Gerontopsychiatrie am Frankfurter Universitätsklinikum. Ihm und seinem Heidelberger Kollegen warfen die Wächter der wissenschaftlichen Korrektheit vor, regelmäßig bei sich selbst abgeschrieben und mit den recycelten Forschungsergebnissen ihre Publikationsliste ungebührlich verlängert zu haben. Sollte eine derartige Praxis von den Hochschulen geduldet werden, „wäre dies der schwerste anzunehmende Schlag ins Gesicht aller hart und ehrlich arbeitenden Studenten, Doktoranden und Wissenschaftler in Deutschland“, schlossen die unbekannten Autoren.

          Fall nicht so dramatisch

          Die Goethe-Universität hat sich damals mit den Vorwürfen befasst und ist dem Vernehmen nach zu der Ansicht gelangt, dass der Kasus längst nicht so dramatisch sei, wie die Denunzianten im Netz suggerierten: Zwar habe Pantel sich einmal in unkorrekter Weise selbst zitiert, doch sei dies nur eine kleine „Ordnungswidrigkeit“ gewesen - von einem Wissenschaftsskandal könne keine Rede sein. Deshalb habe man die Öffentlichkeit nicht über den Fall informiert. Auch diese Zeitung verzichtete zunächst auf die Berichterstattung, weil die Angelegenheit zu dubios erschien.

          Doch bei der Recherche zu den Zuständen an der psychiatrischen Klinik des Frankfurter Uniklinikums kam die merkwürdige Internet-Kampagne gegen Pantel wieder zur Sprache. Es hieß, hinter den Schmähungen stehe kein anderer als Klinikdirektor Harald Hampel, der zu jener Zeit schon mit Pantel in Streit lag (F.A.Z. vom Freitag): Der Leiter der Psychiatrie habe die Beschuldigungen in Auftrag gegeben, um das wissenschaftliche Ansehen seines Widersachers und früheren Stellvertreters zu schädigen.

          „Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis überprüft“

          Auf die Frage, ob dies stimme, antwortete Hampel jetzt in einer schriftlichen Stellungnahme mit „Nein“. Vielmehr habe er „von interdisziplinären Fachkollegen mehrfach mündlich und schriftlich über vorliegende Dokumentationen und Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegen Herrn Prof.Pantel“ Kenntnis erhalten. Danach habe er, Hampel, „im Rahmen meiner Sorgfaltspflicht die Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis“ in der Klinik „pflichtgemäß erneut überprüft und die Information aller wissenschaftlichen Mitarbeiter über die hierzu gültigen Regeln durch verschiedene Maßnahmen sichergestellt“.

          Zum Schluss vergisst Hampel nicht, darauf hinzuweisen, dass er es gewesen sei, der „erstmals in der Klinik ein Qualitätsmanagement für die Bereiche Forschung und klinische Studien etabliert und entsprechende Verantwortliche benannt“ habe. Kollege Pantel kommt allerdings nicht mehr in den Genuss dieser fürsorglichen Beaufsichtigung: Er ist, wie berichtet, mit seinem Lehrstuhl inzwischen an das Institut für Allgemeinmedizin umgezogen.

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