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Forderung der Universität : Kommt die U-Bahn-Station unter dem Campus Westend?

Enge Treppen und überfüllte Bahnsteige: die U-Bahn-Haltestelle „Holzhausenstraße“ Bild: Helmut Fricke

Die Universitätspräsidentin Brigitta Wolff fordert eine bessere Anbindung des Campus Westend an den öffentlichen Nahverkehr. Um die Überbelastung zu verringern, schlägt die CDU eine neue U4-Variante vor.

          Die Frankfurter Universitätspräsidentin Birgitta Wolff sorgt sich um die Anbindung des Campus Westend an den öffentlichen Nahverkehr. Die U-Bahn-Station Holzhausenstraße, für die Westend-Universität der wichtigste Anschluss an das Schienennetz, sei überlastet und könne die Zunahme an universitären Fahrgästen um mindestens 10.000 in den nächsten zehn Jahren auf täglich 40.000 Studenten und Universitätsbeschäftigte nicht mehr bewältigen, warnte Wolff. Sie verlangte gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Frankfurter CDU den Anschluss des Campus Westend an die U-Bahn-Linie 4.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Verlängerung der U4 von Bockenheim nach Ginnheim liegen drei Varianten vor, wovon die 2006 von der schwarz-grünen Koalition aufgegebene D1-Lösung mittlerweile aus Kostengründen mehr oder weniger ausgeschieden ist. Bleiben die Variante „Europaturm“, deren Trasse westlich am Botanischen Garten und der Bundesbank vorbeiführt, und die „Ginnheimer Kurve“, die unter dem Grüneburgpark verläuft, eine Haltestelle am Campus Westend in der Nähe der Sebastian-Rinz-Straße hat und deren Route östlich an der Bundesbank vorbeiführt.

          Charme der Lösung

          Nun hat die Frankfurter CDU eine weitere Variante vorgeschlagen, die Frank Nagel, Vorsitzender ihres Fachausschusses Verkehr, als „Ausschleifung der Europaturm-Variante“ bezeichnet. Sie würde unter dem Campus Westend verlaufen und nach dem Miquelknoten auf die „Europaturm“-Route stoßen, die westlich der Bundesbank oberirdisch nach Ginnheim führt. Der Charme dieser Lösung liegt darin, dass mitten auf dem Campus Westend am Theodor-W.-Adorno-Platz eine Haltestelle geplant ist. Damit würde das gesamte Universitätsgelände in einem 500-Meter-Radius um diese Station liegen.

          Nagel und die CDU sind sich bewusst, dass diese Lösung teurer ausfallen würde als die „Europaturm“-Variante und die „Ginnheimer Kurve“. Denn der Anteil der Strecke, der unter der Erde verlaufen müsste, ist länger als bei den anderen beiden Routen. Und gerade die Tunnel-Abschnitte kosten besonders viel Geld. Durch grobes Überschlagen kommt Nagel auf eine zusätzliche Tunnelstrecke von einem Kilometer und auf Mehrkosten von 100 Millionen Euro. Die CDU fordert nun von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), der zur Zeit die Varianten „Europaturm“ und „Ginnheimer Kurve“ von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und externen Fachleuten prüfen lässt, auch die von Nagel vorgeschlagene Variante begutachten zu lassen.

          Expansionspläne der Hochschule

          Universitätspräsidentin Wolff hat ihrerseits Oesterling vor einiger Zeit auf die Expansionspläne ihrer Hochschule am Standort Westend und den damit zu erwartenden Anstieg der Fahrgastzahlen hingewiesen. Bis 2030 werde es dort einen Neubau für die Sprach- und Kulturwissenschaften geben, wodurch sich die Zahl der Studenten um 2800 und der Beschäftigten um 650 erhöhen werde. In diesen Neubau soll auch das Sozialzentrum für etwa 1000 Personen verlagert werden.

          Darüber hinaus dürfte in absehbarer Zeit die Universitätsbibliothek, die 215 Beschäftigte zähle und täglich von etwa 2500 Nutzern frequentiert werde, von Bockenheim auf den Campus Westend umsiedeln. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Bibliothek soll laut Wolff dort ein Lernzentrum für 400 Studenten und Mitarbeiter entstehen. Außerdem bestehe der Plan, die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung auf dem Gelände der Westend-Universität anzusiedeln. Schon ansässig ist dort das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Platz im Westend finden sollen auch das Studentenhaus mit 500 Nutzern, das Center for Humanities mit etwa 200 Personen sowie das Adorno-Gymnasium.

          Der Mobilitätsforscher Martin Lanzendorf bezeichnete die gegenwärtige Verkehrssituation als „sehr unbefriedigend“. Seiner Ansicht nach führt kein Weg an einem Ausbau der Station Holzhausenstraße vorbei. Sönke Bästlein vom Hochschulrat sagte: „Wenn der Campus Bockenheim und die Universitätsbibliothek verlagert werden, dann braucht der Campus Westend auch seine eigene ,Bockenheimer Warte‘.“ Asta-Verkehrsreferent Sebastian Heidrich wies darauf hin, dass viele Studenten in die Stadt pendelten und viel Zeit verlören, weil es keine direkte U-Bahn-Linie zum Hauptbahnhof gebe.

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