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Universität Frankfurt : Zentrum für Islamische Studien eröffnet

  • -Aktualisiert am

Der Festakt zur Gründung des Zentrums für Islamische Studien auf dem Campus Westend wurde sicherheitshalber in ein anderes Gebäude verlegt Bild: Grimm, Lena

Bereits über 300 Studenten belegen an der Goethe-Universität den Studiengang „Islamische Studien“. Mit einem Festakt ist nun das Zentrum „Islamische Studien“ offiziell eröffnet worden.

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          Mit einem Festakt hat die Frankfurter Universität am Mittwoch auf dem Campus Westend das Zentrum „Islamische Studien“ offiziell eröffnet. Universitäts-Vizepräsident Matthias Lutz-Bachmann und der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) würdigten es als Beitrag für ein neues Kapitel in der Wissenschaftsgeschichte Deutschlands und für mehr Normalität im Umgang mit dem Islam.

          Wegen einer Bombendrohung wurde die Feier aus dem Präsidiumsgebäude in das Casino verlegt. Lutz-Bachmann sagte, die Drohung habe nichts mit dem Festakt zu tun gehabt. Wie die Polizei am frühen Nachmittag mitteilte, ging die Drohung kurz vor 11 Uhr per E-Mail ein. Es seien daraufhin mehrere Gebäude und eine Tiefgarage durchsucht worden, ohne dass verdächtige Personen oder Gegenstände gefunden worden seien. Nun ermittele die Kriminalpolizei. „Über die Hintergründe und Zielrichtung der Drohung können derzeit keine Aussagen getroffen werden.“

          Ausbildung von Religionslehrern

          Das Zentrum Islamische Studien wurde im Jahr 2011 gegründet. Die Frankfurter Universität kooperiert darin mit der Gießener Uni, etwa in der Ausbildung von Lehrern für den islamischen Religionsunterricht, den es von August an zunächst an 27 Grundschulen in Hessen geben soll.

          Der Aufbau des Zentrums wird vom Bund und vom Land gefördert. Das Bundesbildungsministerium hatte im Februar 2011 entschieden, insgesamt vier Zentren für Islamische Studien zu fördern. Außer in Frankfurt gibt es sie in an den Hochschulen in Münster/Osnabrück, Erlangen/Nürnberg und Tübingen. Das Zentrum in Frankfurt wird geleitet von dem Koranexegeten Ömer Özsoy. Er kündigte an, dass in Kooperation mit den anderen Zentren für Islamische Studien 2014 in Frankfurt eine erste internationale Konferenz stattfinden werde.

          Bereits über 300 Bachelorstudenten

          An der Goethe-Universität sind vier Professuren vorgesehen. Davon sind Lutz-Bachmann zufolge zwei so gut wie besetzt, zwei befinden sich in den Berufungsverhandlungen, die aber quasi abgeschlossen seien. Eine fünfte Professur gibt es darüber hinaus an der Gießener Universität.

          In Frankfurt sind im Bachelorstudiengang schon mehr als 300 Studenten eingeschrieben, in Gießen sind es 56. An der Goethe-Universität soll es vom nächsten Semester an auch einen Masterstudiengang geben. In Frankfurt sollen vor allem Lehrer für die Sekundarschulen ausgebildet werden, in Gießen Grundschullehrer. Möglich sei mit dem Studienabschluss aber auch eine Tätigkeit in der Sozialarbeit von Moscheen oder eine wissenschaftliche Laufbahn, sagte der Stiftungsgastprofessor und Akademische Leiter des Studiengangs Islamische Religion, Mark Chalil Bodenstein.

          Intensivere Diskussion nötig

          Özsoy steht für eine historisch-kritische Lektüre des Koran. Sie biete die Möglichkeit, dessen Inhalte zu aktualisieren, sagte er gestern. Nötig sei eine intensivere Diskussion darüber in Deutschland. Die Art dieser Auslegung passe sowohl zu einem europäischen Verständnis als auch zur islamischen Tradition. Uni-Vizepräsident Lutz-Bachmann bezeichnete es als einen großen Fortschritt, dass religiöse Bekenntnisse sich mit wissenschaftlichen Methoden konfrontierten und sich so selbst kritisch reflektierten.

          Angesiedelt ist das Zentrum im Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften. Tim Sievers, studentischer Vertreter im Fachbereichsrat, sieht den Ausbau der Islamischen Studien positiv. Schon jetzt könnten die Studenten zwischen mehreren Schwerpunkten wählen. Sievers, der kurz vor dem Bachelorabschluss steht, will den Masterstudiengang belegen: Er strebt eine wissenschaftliche Laufbahn an.

          Seine Wurzeln hat das Zentrum im Jahr 2003. Die Universität arbeitet seither mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet zusammen, die Lehrstühle gestiftet hat. Wie Lutz-Bachmann sagte, endet die Kooperation mit Diyanet im nächsten Jahr. Das Ziel, islamische Lehre zu etablieren, sei nun durch Geld von Bund, Land und Universität erreicht.

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