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Universität Frankfurt : Allein die Leichen kosten 20.000 Euro mehr

Kursänderung: Das Chemiepraktikum musste in Frankfurt verlängert werden, um die größere Zahl an Studenten zu bewältigen Bild: Patrick Slesiona

Wegen einer Verwaltungspanne gibt es in der Universität Frankfurt viel mehr Medizin-Studienanfänger als geplant. Der Fachbereich meistert die Herausforderung mit viel Mühe.

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          Als die 400 Kopien vergriffen waren und immer noch nicht alle Studenten ein Skript hatten, da ahnte Frank Nürnberger: Hier ist etwas faul. Serkan Akyol wiederum konnte nicht wissen, wie voll es bei einer Einführungsveranstaltung für Medizin an der Uni Frankfurt üblicherweise wird. Aber auch ihm kam das Gedränge im Hörsaal eigenartig vor.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nürnberger, damals Studiendekan für die Vorklinik, und Akyol, Studienanfänger aus Bochum, sollten schnell erfahren, was schiefgelaufen war. Eigentlich wollte die Goethe-Uni für das Wintersemester 390 Medizin- und 92 Zahnmedizinstudenten aufnehmen. Zugelassen worden sind aber deutlich mehr. Anfang Oktober sprach Dekan Josef Pfeilschifter davon, dass der Fachbereich bis zu 127 Anfänger zusätzlich unterbringen müsse. Frankfurt hatte an die Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund, die die Bewerbungen entgegennimmt, falsche Platzzahlen gemeldet.

          Schon bei der Begrüßung der Neulinge leistete ein Dozent nach Akyols Erinnerung Erste Hilfe, wenn auch zuerst nur psychologischer Art: „Ihr braucht keine Panik haben“, sei den Studenten versichert worden; der Fachbereich werde das Problem in den Griff bekommen. Jetzt, wo das Semester zu Ende geht, sieht es so aus, als sei das Versprechen eingehalten worden - wenn auch unter größten Anstrengungen. Denn in keinem Studienfach hat eine falsch berechnete Kapazität so weitreichende Folgen wie in der besonders betreuungsintensiven Medizin.

          Kritik an Studien-Service-Center

          Alle Betroffenen wollten deshalb wissen, wie es zu einer solchen Panne kommen konnte. Das Uni-Präsidium leitete ein „Verwaltungsermittlungsverfahren“ ein, dessen Protokolle dieser Zeitung vorliegen. In der ersten Fassung des Ermittlungsberichts wurde dem Fachbereich noch die Hauptschuld gegeben: Die E-Mail eines Fakultätsmitarbeiters an das Studien-Service-Center der Uni, das die Zahlen nach Dortmund meldet, habe für Verwirrung gesorgt. Aus dem Fachbereich kam Protest gegen diese Interpretation; daraufhin wurde der Bericht in Teilen umformuliert. Nun heißt es dort, das „primäre Versagen“ liege „unstreitig“ beim Studien-Service-Center: Ein Mitarbeiter dort habe Zahlen aus der besagten E-Mail vom 1. Juli an die Stiftung weitergegeben, ohne sie „kritisch zu hinterfragen“.

          Grundlage für die Falschmeldung sei aber ein missverständlicher Satz in der Mail gewesen, weshalb den Fachbereich eine „Teilschuld“ treffe. Aufgrund der übermittelten Daten nahm man in Dortmund offenbar an, die Uni Frankfurt habe in dem Teil des Auswahlverfahrens, das sie selbst steuert, noch 415 Medizin- und 110 Zahnmedizinplätze zu vergeben. Das aber waren in Wirklichkeit die Zielzahlen für das gesamte Auswahlverfahren - also die tatsächliche Kapazität inklusive eines Überbuchungsfaktors, der berücksichtigt, dass niemals alle verteilten Plätze angenommen werden.

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