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Union-Investment-Turm : Welches Hochhaus soll es sein?

Bücherstapel oder Fingerhut: Ole Scheerens Entwurf (links) wird realisiert, Jens Jakob Happ hat andere Träume. Bild: Ole Scheeren © Buro-OS/dpa

Die Pläne eines berühmten Kollegen für den Union-Investment-Turm stoßen unter Frankfurter Architekten auf Ablehnung. Sie fordern ein transparentes Verfahren.

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          Auftraggeber: „N.N.“ heißt es auf der Internetseite des Architekten Jens Jakob Happ. Dabei wird es wohl auch bleiben. Es ist ziemlich sicher, dass er für seine Idee, den an Union Investment vermieteten Büroturm am Mainufer zu einem Wohnhochhaus umzugestalten und im Sockel das Weltkulturenmuseum unterzubringen, keinen Auftraggeber finden wird. Aber ihm geht es auch eher um einen Denkanstoß: Happ, der dem Städtebaubeirat vorsitzt, möchte zeigen, dass es für den Umgang mit dem Gebäude durchaus andere Ideen gegeben hätte als den Entwurf des Stararchitekten Ole Scheeren, den der Bauherr GEG nun verwirklichen will.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die GEG hat das Gebäude erworben, um es unter dem Namen „Riverpark-Tower“ in einen spektakulären Wohnturm umzuwandeln, und Scheeren direkt mit den Plänen beauftragt. Die Stadt und der Bauherr haben sich nach langem Ringen darauf geeinigt, dass in einem niedrigen Sockelgebäude auch einige geförderte Wohnungen entstehen. Weder die Stadt noch der Entwickler haben ein Interesse daran, dieses Ergebnis noch einmal in Frage zu stellen.

          Vitalisierung von Bestandshochhäusern

          Das missfällt nicht nur Happ. Ihm und anderen Frankfurter Architekten geht es ums Prinzip. In einer städtebaulich derart exponierten Lage könne sich der Bauherr nicht einfach den Architekten selbst aussuchen, sondern müsse ein transparentes Verfahren anstreben, lautet ihre Position. Die Stadt hätte darauf dringen müssen, dass ein Wettbewerb veranstaltet wird. Unterstützung bekommt Happ vom Bund Deutscher Architekten, der ebenfalls einen Wettbewerb fordert. Zumal die Entwickler neuer Hochhäuser laut Hochhausrahmenplan zu einem solchen Architekturwettbewerb verpflichtet sind. Der Bund Deutscher Architekten will diese Regel auch auf die Vitalisierung von Bestandshochhäusern ausweiten.

          Am Entwurf von Ole Scheeren missfällt Happ die „Brutalität“: Der Kollege gehe weder auf die städtebauliche Situation, noch auf die Geschichte des Gebäudes ein, das Ende der siebziger Jahre nach einem Entwurf von Speerplan, dem einstigen Büro Albert Speers, errichtet wurde. Der bestehende Büroturm habe eine eigene Sprache und Kraft, findet Happ. Scheeren arbeite mit seinem Entwurf, der der prominenten Lage nicht angemessen sei, diametral dagegen an. Scheerens Entwurf, der die Wohnungen wie Schubläden aufeinanderstapelt, erinnert in nichts mehr an den Vorgänger.

          Eine Kreuzung aus Jugendstil und Brutalismus

          Happ hat eine andere Idee: Er belässt es bei der Grundstruktur des Turms, der über die vier Ecken erschlossen wird, und setzt ihm eine Haube auf. Der Entwurf wirkt mit seinen elegant geschwungenen Fensteröffnungen und der Betonfassade wie eine Kreuzung aus Jugendstil und Brutalismus. Damit spielt Happ auf die Geschichte des Turms an, der mit seiner „gedrungenen und kantigen Gestalt“ ein Beispiel für die Hochhäuser der zweiten Generation in Frankfurt sei.

          Im Sockel des Gebäudes will der Architekt das Museum der Weltkulturen unterbringen, das nach einer neuen Bleibe sucht, in der die Schätze angemessen präsentiert werden könnten. Die Haupthalle öffnet sich unter einem geschwungenen Betonbogen zum Mainufer. „Die Lage wäre für ein Weltkulturenmuseum einfach fabelhaft“, sagt Happ. Es bräche aus der Perlenkette am Museumsufer aus und zöge an den Rand des multikulturellen Bahnhofsviertels. Der Architekt setzt diese Pointe mit Bedacht. Der Bauherr Ulrich Höller, mittlerweile Chef der GEG, hat der Stadt schließlich schon einmal angeboten, ein Museum der Weltkulturen zum Fixpreis zu erstellen, damals noch auf dem Maintor-Areal. Die Stadt hatte das Angebot jedoch ausgeschlagen.

          Happ geht es um Architekturkritik. Seiner Ansicht nach entsteht immer mehr Allerweltsarchitektur, die nichts mehr mit dem jeweiligen Ort zu tun hat, sondern genauso gut auch in Singapur stehen könnte. Diese Austauschbarkeit von Architektur ist allerdings kein Frankfurter Phänomen.

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