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Fachkräftemangel in Uniklinik : „Ohne Leiharbeiter geht es nicht“

  • -Aktualisiert am

Pflegenotstand? An der Uniklinik Gießen fehlt es an Fachkräften. Bild: dpa

Personalmangel: Die privatisierte Uniklinik Gießen hat zuletzt Stationen mit insgesamt 41 Betten vorübergehend schließen müssen. Die Ursache ist zwar bekannt, schnell beseitigen lässt sie sich aber nicht.

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          Die privatisierte Uniklinik Gießen musste Anfang November aus Personalmangel je eine Station in der HNO, der Kardiologie und der Allgemeinen Chirurgie mit zusammen 41 Betten schließen. Ist der Pflegenotstand ausgebrochen? Davon will die kaufmännische Geschäftsführerin Christiane Hinck-Kneip nichts wissen. „Das heißt ja nicht, dass wir in diesen Fachbereichen keine Patienten mehr behandeln und aufnehmen. Sie werden lediglich auf anderen Stationen versorgt.“ Es handele sich um eine vorübergehende Maßnahme, weil der gesetzlich festgelegte Personalschlüssel – das Verhältnis von Pflegekräften zu Patienten – nicht habe erfüllt werden können. Insgesamt verfüge die Uniklinik über 1288 Betten. „Vor diesem Hintergrund sind 41 keine markante Größe.“ Die HNO-Station mit 14 Betten sei außerdem nach wenigen Tagen wieder geöffnet worden.

          Der Betriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur hält ebenfalls nichts vom Ausrufen eines Pflegenotstands. Das lenke nur davon ab, dass es gravierende grundsätzliche Probleme in der Pflegebranche in ganz Deutschland gebe, sagt er. Andere Dinge sieht der Arbeitnehmervertreter naturgemäß nicht so wie die Geschäftsleitung der Universitätskliniken Gießen und Marburg, die im Jahr 2006 vom börsennotierten Rhön-Klinikum übernommen wurden. Hinck-Kneip und ihre Marburger Kollegin Sylvia Heinis beklagen, dass der Arbeitsmarkt an Pflegekräften leergefegt sei. Bei der Ursachenforschung weisen die beiden Geschäftsführerinnen unter anderem auf eine Änderung der Erstattungspraxis der Krankenkassen hin. Seit 2004 gelten bundesweite Fallpauschalen. Von Januar 2020 an wird der Pflegeanteil herausgerechnet, das heißt: Die tatsächlichen Kosten werden erstattet. Im Vorgriff darauf stocken viele Krankenhäuser ihr Pflegepersonal auf.

          Zeitarbeiter kosten das Dreifache von Festangestellten

          „Zeitarbeitskräfte kosten unter dem Strich etwa das Dreifache von Festangestellten, weil unter anderem auch die Kosten für die Unterkunft übernommen werden müssen“, erläutert Hink-Kneip. Bis vor vier Wochen sei man davon ausgegangen, dass von 2020 an auch diese Kosten voll übernommen würden. Jetzt sei klargestellt worden, dass lediglich die Aufwendungen für normal Beschäftigte erstattet würden. Das verschärfe die Arbeitsmarktsituation zusätzlich.

          Betriebsrat Hanschur sieht in der Entwicklung den Versuch, das Defizit beim Pflegepersonal, das die Kliniken in den vergangenen Jahren aus Kostengründen systematisch aufgebaut hätten, auszugleichen. Der Wettbewerb sei groß. Mancherorts würden Prämien in vierstelliger Höhe für einen Arbeitsplatzwechsel geboten. Solche Auswüchse lehnen Betriebsrat und Geschäftsleitung unisono ab.

          Aktuell sind im Gießener Uniklinik nach Auskunft der Geschäftsführung in der Pflege 13 Vollzeitstellen unbesetzt, das entspricht 1,25 Prozent aller Pflegestellen. „Das können am Ende auch 26 Halbtagsstellen werden“, sagt Christiane Hinck-Kneip. „Da sind wir flexibel.“ In Marburg gebe es keine Vakanzen, ergänzt Heinis.

          Hanschur und seine beiden Stellvertreter Andreas Schaub und Jürgen Schneider kritisieren, dass sich die Geschäftsführung auf Zahlen zurückziehe. „Zahlen bilden die Wirklichkeit manchmal aber nur unzureichend ab, können sogar in die Irre führen“, wenden die Betriebsräte ein. Daher liege man bei der Gestaltung der Dienstpläne auch häufig über Kreuz. Fast jeden Monat werde die paritätisch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besetzte Einigungsstelle unter Vorsitz eines Arbeitsrichters angerufen, weil der Plan zu knapp gestrickt sei. Die Zahl der Hilferufe aufgrund personeller Unterbesetzung habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

          Unruhe im Betrieb

          Als Beispiel führen Hanschur, Schaub und Schneider die Allgemeine Chirurgie an. Dort stünden in der Regel zwar rund 30 Personen auf dem Dienstplan, davon seien aber 13 Leiharbeiter. Einige von ihnen arbeiteten besser, andere schlechter. Außerdem könnten sie sich, anders als die Festangestellten, ihre Arbeitszeiten aussuchen. Allein das sorge mitunter für Unruhe. Aber ohne Leiharbeiter „laufe der Laden“ letztlich nicht. Das zeige, dass die Personaldecke einfach zu dünn sei.

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