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Uniklinik Frankfurt : „Ein Klima der Angst“

[Notausgang: Gut 30 Mitarbeiter haben die Klinik schon verlassen. Bild: Eilmes, Wolfgang

Frühere Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen den Direktor der psychiatrischen Uniklinik in Frankfurt.

          Es sind Facharztstellen zu besetzen in der psychiatrischen Klinik des Frankfurter Uniklinikums, und die Ausschreibung auf der Homepage klingt verlockend. Ein „kollegialer und fairer Führungsstil, wertschätzender Umgang“ und ein „angenehmes Arbeitsklima“ werden da versprochen. Mancher, der in dem Krankenhaus tätig ist oder war, wird diese Worte als Hohn empfinden. An der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie herrsche ein Klima der Angst und des Misstrauens, berichten ehemalige Beschäftigte. Schuld daran soll der Mann sein, der das 150-Betten-Haus seit Januar 2010 leitet: Harald Hampel.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als einer der weltweit führenden Experten der psychiatrischen Forschung, vor allem auf dem Gebiet der Alzheimerschen Krankheit, ist Hampel seinerzeit in Frankfurt eingeführt worden. Zunächst schien er an der Klinik schon länger geplante Umstrukturierungen vorzunehmen. So war bereits vor seinem Amtsantritt beabsichtigt gewesen, die Gedächtnisambulanz zu integrieren und als Sprechstunde weiterzuführen. Auch die Einschränkung der Sexualmedizin stieß beim Klinikumsvorstand nicht auf Widerspruch.

          Die Budgets wurden zusammengelegt

          Doch schon bei der Umstrukturierung der Psychosomatik soll sich Hampel den Mitarbeitern von einer unangenehmen Seite gezeigt haben. Bei seinem Amtsantritt gab es eine eigenständige Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter Leitung von Aglaja Stirn, die kommissarisch mehr als fünf Jahre lang den Lehrstuhl am Fachbereich vertrat. Die Klinik hatte eine eigene Ambulanz und Station, verwaltete ihr eigenes Budget mit Drittmitteln für Forschungsvorhaben und traf eigene Personalentscheidungen. Hampel ließ jedoch nach Auskunft von ehemaligen Mitarbeitern Stellen der dort tätigen Forscherinnen auslaufen, so dass diese zum Teil noch nicht einmal ihre Arbeiten beenden konnten. Auch den 20Doktoranden von Stirn sei die Arbeit erschwert worden. Auf diese Weise habe Hampel viele Hochschulkarrieren zerstört. Ende des Jahres 2010 verließ auch Stirn Frankfurt und wechselte an das Asklepios Westklinikum Hamburg.

          Nachdem die Klinik für Psychosomatik personell ausgedünnt war, wurde sie in die Klinik für Psychiatrie integriert. Die Budgets wurden zusammengelegt, stehen seither unter Federführung der Klinik für Psychiatrie. Heute wird die Psychosomatik nur noch als ein „Behandlungsbereich“ der Psychiatrie geführt, auch eine eigene Ambulanz gibt es nicht mehr.

          „Die Guten sind alle gegangen“,

          Von einem ähnlichen Vorgehen Hampels wird auch aus anderen Arbeitsgruppen berichtet. Immer wieder sei Mitarbeitern angedroht worden, ihre Verträge nicht zu verlängern, wenn sie sich nicht dem Chef fügten. „Im System Hampel gibt es nur Gut und Böse“, heißt es. Änderungen ihrer Aufgaben habe er nur selten mit den Betroffenen besprochen, sondern sie ihnen schriftlich mitgeteilt. Forschergruppen seien Arbeitsräume und -mittel entzogen, Unterschriften für Vertragsverlängerungen in Forschungsprojekten durch Hampel verweigert worden. Wie schon bei der Klinik für Psychosomatik habe Hampel versucht, an die Drittmittel zu kommen. Unliebsame Kollegen habe er systematisch schikaniert, ist zu hören. Einer sagt: „Symbolisch gesprochen, habe ich ein Paket bekommen mit einer großen Schleife, auf der stand: Hau ab!“

          „Die Guten sind alle gegangen“, heißt es an der Klinik. Dutzende Mitarbeiter hätten seit Hampels Amtsantritt das Haus verlassen. Zu ihnen gehört Sophinette Becker, ehemals Leitende Psychologin der Sexualmedizinischen Ambulanz, die allerdings schon vor Hampels Zeit befürchtet hatte, dass die Integration der Sexualmedizin in die Psychiatrie letztlich zu deren Abschaffung führen würde. Ebenfalls ausgeschieden ist Johannes Pantel, wie Hampel ein Alzheimer-Fachmann und anfangs dessen Stellvertreter an der Klinik. Diese Funktion war Pantel jedoch entzogen worden; stattdessen sollten ihm dem Vernehmen nach andere Aufgaben übertragen werden, darunter Stationsleitungen und Nachtdienste, was nach Ansicht von Juristen nicht mit seinen Professorenpflichten in Lehre und Forschung zu vereinbaren gewesen wäre. Der Streit kam vor das Frankfurter Verwaltungsgericht, im Mediationsverfahren wurde schließlich eine Lösung gefunden: Pantel verlässt die Klinik, nimmt aber seinen Lehrstuhl mit. Jetzt ist der Mediziner dem Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum zugeordnet.

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