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Uniklinik Frankfurt : „Ein Klima der Angst“

Hampel wies die Anschuldigungen zurück

Offensichtlich leidet unter den Zuständen in der Psychiatrie die Patientenversorgung. Die Leistungszahlen der Klinik sollen seit Hampels Amtsantritt zurückgegangen sein, bis zu 30 Betten sollen zeitweise leergestanden haben, und die Wartezeiten der Ambulanzen sollen derart gestiegen sein, dass viele Ärzte auf eine Überweisung ihrer Patienten verzichtet hätten.

Hampel wies die Anschuldigungen am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung in einer schriftlichen Stellungnahme zurück. Er hob hervor, dass ihm „nachweislich und zweifelsfrei keinerlei dienstliches Fehlverhalten“ zur Last zu legen sei. Anscheinend hätten aber einzelne Mitarbeiter „Probleme damit, die Tatsache einer ungewohnten, verantwortlichen und nicht manipulierbaren Klinikleitung zu akzeptieren, und verhielten sich teilweise regelwidrig“. Änderungen der Funktion von Beschäftigten „erfolgten immer aus sachlichen Erwägungen“. Sie seien „unter Einhaltung des Dienstweges kommuniziert“ und im Fall Pantels auch mit ausdrücklicher Genehmigung des Klinikumsvorstandes vorgenommen worden. Pantel dagegen habe die „Durchführung von Dienstaufgaben“ verweigert und den Dienstweg nicht eingehalten. Was die Drittmittelkonten betreffe, so habe er, Hampel, versucht, „Transparenz herzustellen“, was aber wegen des „abwehrenden Verhaltens“ von Pantel nur rudimentär gelungen sei.

„Wir denken über alle Möglichkeiten nach“

Dem Vorstand des Uniklinikums sind die Vorwürfe gegen Hampel bekannt, und er bewertet sie als „gravierend“, wie der Ärztliche Direktor Jürgen Schölmerich gestern auf Anfrage sagte. Er bestätigte, dass seit Hampels Amtsantritt mehr als 30Mitarbeiter die Klinik verlassen hätten. Das sei aber nach einem Chefarztwechsel nicht ganz ungewöhnlich. Die Auslastung der Klinik sei zeitweise zurückgegangen, was jedoch auch auf die nun abgeschlossenen Umbauarbeiten zurückzuführen sei. „Jetzt sind wir wieder am Aufholen.“

Zu den Mobbing-Anschuldigungen gegen Hampel wollte Schölmerich sich nicht im Detail äußern. „Der Vorstand des Klinikums bemüht sich gemeinsam mit dem Dekan und der Universität um eine Lösung des Problems.“ Spekulationen, Hampel könne vom Amt des Klinikchefs entbunden werden, wollte Schölmerich ebenso wenig kommentieren wie angebliche Überlegungen, die Psychiatrie grundlegend neu zu ordnen. Nur so viel: „Wir denken über alle Möglichkeiten nach.“

     

Gegendarstellung

In der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 07.10.2011 haben Sie auf Seite 45 unter der Überschrift „Ein Klima der Angst“ über mich geschrieben: „Bei seinem Amtsantritt gab es eine eigenständige Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie (. . .) Nachdem die Klinik für Psychosomatik personell ausgedünnt war, wurde sie in die Klinik für Psychiatrie integriert.“

Hierzu stelle ich fest: Bereits vor meinem Amtsantritt war die Psychosomatik am Universitätsklinikum Frankfurt a. M. keine eigenständige Klinik, sondern ein der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie zugeordneter Leistungsbereich, weshalb die Psychosomatik nicht integriert werden musste und hierfür auch kein Personalabbau abgewartet werden musste.

Sie schreiben weiter: „Immer wieder sei Mitarbeitern angedroht worden, ihre Verträge nicht zu verlängern, wenn sie sich nicht dem Chef fügten.“

Hierzu stelle ich fest: Derartige Androhungen sind nicht ausgesprochen worden.

Weiter heißt es „Forschergruppen seien Räume und Arbeitsmittel entzogen worden . . .“
Hierzu stelle ich fest: Den Forschergruppen sind keine Räume und Arbeitsmittel entzogen worden. Richtig ist, dass es auf Grund erheblicher Umbau- und  Renovierungsmaßnahmen teilweise zu einer Neuverteilung der Räume und damit der Arbeitsmittel kam.

Frankfurt am Main, den 31.10.2011
Prof. Dr. Harald Hampel

***

Anmerkung der Redaktion: Gemäß Paragraph 10 des Hessischen Pressegesetzes sind wir verpflichtet, Gegendarstellungen unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt zu veröffentlichen. Wir bleiben bei unserer Darstellung.

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