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Appell von Uniklinik-Direktor : „Kontakte reduzieren, allgemeine Impfpflicht einführen“

Angespannt: In vielen hessischen Krankenhäusern wie hier auf der Intensivstation der Frankfurter Universitätsklinik ist die akutmedizinische Versorgung wegen der aktuellen Corona-Lage gefährdet. Bild: Frank Röth

Der Ärztliche Direktor der Frankfurter Uniklinik schlägt Alarm: Die Regelverschärfungen reichten nicht, um das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Weihnachtsfeiern und Gedränge am Glühweinstand seien unverantwortlich.

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          Das, was er zu sagen hat, will kaum einer mehr hören. Ausgesprochen werden muss es trotzdem. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Frankfurt und Leiter des Planungsstabs Covid-19 im hessischen Sozialministerium, ist schon lange über den Punkt hinaus, an dem er vor einer theoretischen Überlastung der hessischen Kliniken warnt. „Die Lage ist äußerst kritisch“, sagt er. In einigen Kliniken in Hessen sei die akutmedizinische Versorgung schon gefährdet, die Kapazitäten ausgeschöpft. „Es sind schon jetzt Patientenschäden eingetreten, weil nicht mehr alle, die eine medizinische Versorgung brauchen, diese in gewünschter Weise und mit der notwendigen Geschwindigkeit finden.“

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu senken und somit auch perspektivisch die Zahl der Corona-Patienten zu reduzieren, reiche es nicht mehr aus, über die Frage zu diskutieren, ob nun 2-G- oder 3-G-Regeln das öffentliche Leben bestimmen sollen. Er appelliert an die Bürger, Kontakte drastisch einzuschränken und in Alltagssituationen auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu bestehen. Weihnachtsessen in geselliger Runde, der Besuch von Bars und Kneipen oder ein Glühwein im dichten Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt – all das sei, unabhängig vom Impfstatus, in der jetzigen Situation unverantwortlich. „Wir müssen noch einen erheblichen Bremsweg zurücklegen ab dem Moment, in dem wir uns entscheiden, wirksame Maßnahmen gegen die Neuinfektionen zu ergreifen“, sagt Graf.

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