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Uni-Klinikum Gießen und Marburg : Bouffier: Stellenabbau muss vom Tisch

  • -Aktualisiert am

500 Stellen am privatisierten Uni-Klinikum Gießen und Marburg abzubauen - dagegen sperrt sich das Land Bild: Müller, Verena

Der drohende Abbau von bis zu 500 Arbeitsplätzen am Uniklinikum Gießen und Marburg muss laut Ministerpräsident Bouffier vom Tisch. Die Privatisierung sei ein Erfolgsmodell, das dürfe nicht gefährdet werden.

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          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hält den angekündigten Abbau von bis zu 500 Arbeitsplätzen am privaten Universitätsklinikum Gießen und Marburg für inakzeptabel. „Die Zahl 500 muss vom Tisch“, stellte Bouffier am Rande einer Sitzung der CDU-Landtagsfraktion in Wiesbaden klar. Zwar habe auch das Land ein Interesse am wirtschaftlichen Erfolg des privatisierten Universitätsklinikums, Voraussetzung für jede Veränderung sei jedoch, dass diese aus ärztlicher Sicht vertretbar sei und dass Forschung und Lehre nicht in Frage gestellt würden. Ohne vorherige Beratung mit den Ärzten und der Universitätsleitung könne es keinen Stellenabbau bei den Medizinern geben, ergänzte Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU).

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Ministerpräsident kritisierte die Informationspolitik des Eigentümers der mittelhessischen Universitätskliniken, der Rhön-Klinkum AG, mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Die Kommunikation zwischen der Unternehmensleitung und der Landesregierung sei „erheblich gestört“, was bei ihm zu „großer Verärgerung“ geführt habe, sagte Bouffier. „Das ist ganz schlecht gelaufen.“

          „Pläne falsch und schädlich“

          Es könne nicht sein, dass Ärzte, Beschäftigte und das Land als Mitgesellschafter von den Plänen der Geschäftsführung erst aus der Zeitung erführen. „Da erwarte ich mehr Sensibilität.“ Mit ihrem Vorgehen habe die Gesellschaft „Vertrauen zerstört“, deshalb werde er in den nächsten Wochen einen Mediator oder Ombudsmann berufen, der dazu beitragen solle, wieder eine Grundlage für eine gedeihliche Zusammenarbeit zu schaffen. Das vom Land privatisierte Klinikum sei ein „Erfolgsmodell“, das nicht gefährdet werden dürfe.

          „Die Pläne zur Personalreduzierung sind falsch und schädlich für die Zukunftsfähigkeit des Universitätsklinikums“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel. Letztlich sei für diese Entwicklung die Landesregierung verantwortlich, die mit dem Verkauf des fusionierten Klinikums eine grundsätzlich falsche Entscheidung getroffen habe. „Die Krokodilstränen der Landesregierung in diesem Tagen machen mich fassungslos.“

          Frühzeitige Warnungen

          Die SPD habe frühzeitig davor gewarnt, dass nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Ausschlussfrist ein deutlicher Stellenabbau im Klinikum zu befürchten sei. Es sei klar gewesen, dass die Rhön- Klinikum AG die ihr bei der Übernahme der fusionierten Kliniken Gießen und Marburg eingeräumte starke Position zu ihrem Vorteil nutzen werde. „Die Saat, die Roland Koch, Volker Bouffier und die Hessen-CDU gesät haben, geht auf“, sagte Schäfer-Gümbel. Jetzt müssten Patienten, Beschäftigte und die Wissenschaft unter den unerfüllten Renditeerwartungen der Klinikbetreiber leiden.

          Die Landesregierung hatte das zuvor fusionierte Klinikum im Jahr 2006 privatisiert. Das Land hält allerdings noch einen Anteil von fünf Prozent an dem Unternehmen. Ministerin Kühne-Hörmann hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass das Land all seine mit der Rhön-Klinkum AG vertraglich vereinbarten Rechte ausschöpfen werde, um Schaden von der wissenschaftlichen Entwicklung der Hochschulmedizin in Marburg und Gießen abzuwenden. „Das wird die Nagelprobe für den bestehenden Kooperationsvertrag.“
           

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