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Uni-Klinikum Frankfurt : Warten auf Audimax und Medicum

So soll Medicum auf dem Klinik-Campus Niederrad einmal aussehen Bild: Simulation Wulf & Partner

Zwei wichtige Bauten für die Lehre in der Frankfurter Universitätsmedizin werden später fertiggestellt als versprochen - und sie sollen erheblich mehr kosten.

          2 Min.

          Von diesem Herbst an hätte das Medizinstudium in Frankfurt deutlich angenehmer sein sollen. Wäre alles nach Plan gelaufen, würden die angehenden Ärzte die Grundlagen von Anatomie und Physiologie demnächst im schönen neuen Audimax-Hörsaal kennenlernen. Anschließend hätten sie ins Medicum gehen können, um dort in modern ausgestatteten Übungsräumen das Gelernte zu vertiefen und praktisch anzuwenden.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch weder das Audimax mit seinen 550 Plätzen noch das Medicum, ein Lehr-, Lern- und Prüfungszentrum, werden den Studenten im Wintersemester zur Verfügung stehen. Für beide Projekte haben noch nicht einmal die Bauarbeiten begonnen. Dabei waren die ersten Spatenstiche schon für März 2011 angekündigt worden - im Oktober 2009, als der Fachbereich und das hessische Wissenschaftsministerium die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs vorstellten.

          Das Verspechen aus Wiesbaden

          Damals hatte Wissenschafts-Staatssekretär Gerd Krämer (CDU) versprochen, die beiden Vorhaben würden sogar schneller verwirklicht als zunächst vorgesehen, weil die Universität sie als besonders dringlich eingestuft habe. Bei dem Pressetermin waren auch die erwarteten Baukosten genannt wurden: zwölf Millionen Euro für das Medicum und 4,5 Millionen für das Hörsaalgebäude. Von diesen Zahlen hat man sich inzwischen ebenso verabschiedet wie vom ursprünglichen Zeitplan. Wie Dekanat und Ministerium mitteilen, wird für das Medicum jetzt mit Ausgaben von rund 16 Millionen Euro gerechnet; das Audimax soll etwa zehn Millionen kosten. Baubeginn für das Medicum könne im Februar nächsten Jahres sein, für das Audimax Ende 2013 oder Anfang 2014, sagt der stellvertretende Ministeriumssprecher Jörg Kilian.

          Die Frankfurter Mediziner sind enttäuscht über die Verzögerung. Studiendekan Frank Nürnberger sieht darin einen weiteren Beleg für seinen Verdacht, dass das Land lieber die Spitzenforschung fördere als die Lehre. Dem Hessischen Baumanagement, das die beiden Projekte betreue, sei kein Vorwurf zu machen. Überwiegend gut funktioniere auch die Zusammenarbeit mit den Architekturbüros Wulf & Partner sowie AV1, die das Medicum respektive das Audimax entworfen hätten. „Ich glaube, es sind das Wissenschafts- und das Finanzministerium, die da auf der Bremse stehen“, meint Nürnberger. Vermutlich sei einfach kein Geld für die Projekte da.

          Ministeriumssprecher Kilian weist das zurück: Die Finanzierung sei gesichert, beteuert er. Dass nun alles länger dauere und teurer werde als angekündigt, schreibt er unter anderem Änderungswünschen des Fachbereichs zu. Schon während des Architektenwettbewerbs sei deutlich geworden, dass Audimax und Medicum nicht in einem Gebäude untergebracht werden könnten. Überdies habe man vereinbart, im Audimax eine Cafeteria und zusätzliche Seminarräume einzurichten. Die 2009 genannten Kosten gingen auf eine erste Schätzung aus dem Jahr 2008 zurück. Warum die Kalkulation nicht spätestens nach Abschluss des Architektenwettbewerbs nach oben korrigiert wurde, kann Kilian nicht plausibel erklären. „Irgendetwas lief da schief.“

          Das Parkhaus-Problem

          Ein wichtiger Grund für die Verzögerung beim Bau des Audimax ist nach seinen Worten, dass dieses Vorhaben eng mit der Fertigstellung eines neuen Parkhauses auf dem Campus zusammenhängt: Der Hörsaal solle neben dem Haupteingang des Klinikums entstehen, dort, wo sich heute der große Parkplatz mit Tiefgarage befindet - für die 400 Stellplätze dort müsse zunächst Ersatz geschaffen werden.

          Studiendekan Nürnberger bestreitet nicht, dass die Pläne für die Neubauten zum Teil umgearbeitet wurden. Er hebt aber hervor, dass der Fachbereich auf manches Ausstattungsdetail verzichtet habe. Für die Cafeteria wiederum zahle die Fakultät 230 000 Euro aus dem eigenen Etat. Ganze 2,5 Millionen Euro bringe sie sogar auf, damit im Medicum jene Teile des Dekanats untergebracht werden könnten, die für studentische Angelegenheiten zuständig seien.

          Während Ministeriumsvertreter Kilian versichert, die Bauprojekte seien nun auf einem guten Weg, bleibt Nürnberger skeptisch. Noch eine ganze Weile dürften die großen Einführungsvorlesungen für die Mediziner in dem Zelt abgehalten werden, das als Ausweichquartier gemietet wurde. Wie der Studiendekan sagt, will der Fachbereich das Provisorium jetzt für 200.000 Euro kaufen.

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