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Yoga für gestresste Studenten : Sonnengruß vor der Klausur

Spüre deinen Körper: Beringer bietet in der Mittagspause Entspannungsyoga an. Bild: Wolfgang Eilmes

Zeitdruck wegen der Hausarbeit und Prüfungsangst können für Studenten zur Belastung werden: In Frankfurter Uni sollen Yogakurse nicht nur Entspannung bringen, sondern auch die Konzentration stärken.

          Das „Ommmm“, das die Stimmbänder zum Vibrieren bringen soll, reicht nicht einmal für ein kleines Kitzeln in der Kehle. Entspannungsmusik und Yogamatten, Schneidersitz und Katzenbuckel – all das ist ja noch in Ordnung. Aber das kollektive „ommen“ verweigern die Kursteilnehmerinnen. Nur wenig später lassen sie sich wieder von der Stimme des Yogalehrers Frank Beringer mitnehmen. Zwölf Schritte, bis zum Sonnengruß. Einatmen, linker Fuß nach vorne, ausatmen, rechter Fuß folgt. Die Gedanken an die bevorstehende Klausur, an die Hausarbeit, an das Seminar, das noch vorbereitet werden will, rücken in den Hintergrund. Im Hier und Jetzt geht es ausschließlich darum, das Gleichgewicht zu halten.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Psychotherapeutische Beratungsstelle der Goethe-Uni bietet Studenten während des Semesters Entspannungsyoga an. Während ihre Kommilitonen in die Mensa strömen, liegen sechs Studentinnen auf dem Boden und versuchen, jeden einzelnen ihre Nackenwirbel zu spüren. Es ist Mittagszeit. Die meisten haben schon eine Vorlesung hinter sich, vor ihnen liegt noch ein langer Tag. „Hier geht es darum, abzuschalten“, sagt Beringer.

          Die Yogaklasse ist eines von zahlreichen Angeboten, welche die Uni den Studenten macht, um sie durch den manchmal stressigen Alltag zu begleiten. Aber die Kurse sind nur ein Zusatzangebot. Hauptaufgabe der Psychotherapeutischen Beratungsstelle ist es, Studenten in akuten Notsituationen aufzufangen, sie zu stabilisieren, ihnen weiterführende Hilfe anzubieten. Vier Psychotherapeuten, drei davon in Teilzeit, arbeiten derzeit in der Beratungsstelle. „Wir machen keine Langzeittherapien“, stellt der kommissarische Leiter Marco Blasczyk klar. Vielmehr gehe es darum, eine Anlaufstelle für Studenten in seelischer Not zu sein.

          Große Nachfrage

          Die Nachfrage ist groß. 500 Hochschüler haben allein im vergangenen Jahr das Angebot der persönlichen Einzelberatung genutzt. „Das Studium an sich ist nur selten der Grund, wieso die Menschen zusammenklappen. Diejenigen, die Rat suchen, kommen meist aus einer ohnehin schon belastenden Situation“, sagt Blasczyk. Die Bandbreite der Probleme, die den Studenten manchmal die Kraft zum Lernen raubten, sei groß. Konflikte in der Partnerschaft oder der Familie, Depressionen, Versagensangst, Sucht. Blasczyk beobachtet einen Trend, der ihn nachdenklich stimmt. „Viele gehen erst einmal zur Beratungsstelle, um nicht als krank erfasst zu werden.“ Denn die Stelle meldet den Kontakt mit den Therapeuten nicht an die Krankenkassen weiter, was besonders Studenten wichtig ist, die später Beamter werden möchten. „Sie wollen einen medizinisch reinen Lebenslauf“, sagt Blasczyk – koste es, was es wolle. Manchmal eben auch die eigene Gesundheit.

          Die Einzelgespräche mit Studenten stehen im Vordergrund. Aber auch Präventionskurse, die in Zusammenarbeit mit Krankenkassen entwickelt wurden, werden über die Beratungsstelle angeboten. Die Yogaklasse, die durch Lehrer des Frankfurter Yogaklubs betreut wird, ist ebenfalls Teil dieses Präventionspaketes. Andere Kurse beschäftigen sich mit Themen wie Prüfungsangst, Stressbewältigung oder Achtsamkeitstraining. In jedem Fall müssen die Teilnehmer bereit sein, den Unialltag zu unterbrechen, sich Zeit zu nehmen, um das Angebot zu nutzen. Nicht allen Studenten gelingt das.

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