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Engelbert Strauss : Mode für Handwerker, Hipster und Hardrocker

Die Geschäftsführer von Engelbert Strauss, Henning (links) und Streffen Strauss, probieren mit ihrer Mode den Spagat zwischen Arbeitskleidung und Lifestyle-Produkt. Bild: Unternehmen

Ein Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis kooperiert mit der berühmten Rockband Metallica. Es ist nur ein Beispiel für ungewöhnliches Marketing bei Engelbert Strauss.

          Als Hauptstadt des Hardrock ist Biebergemünd bisher nicht aufgefallen. Die Gemeinde im Spessart wirbt auf ihrer Homepage mit dem Rathaus, einem Schwimmbad und mit Kanutouren auf der Kinzig. Man kann dort kneippen, angeln und kegeln, erfährt der Leser weiter. Klingt eher nach beschaulicher Ruhe als nach verzerrten Gitarren, druckvollem Bass und aggressivem Gesang, wie man es von Rockbands kennt. Umso erstaunlicher, dass sich die 8300-Einwohner-Gemeinde künftig sehr wohl mit Hardrock in Verbindung bringen lässt, und zwar mit einer der erfolgreichsten und bekanntesten Metal-Bands aller Zeiten.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn Biebergemünd, das ist nicht nur die Stadt, in der Schneewittchen auf die sieben Zwerge getroffen sein soll, wie es auf der Homepage der Stadt zu lesen ist, sondern es ist, gut sichtbar an der A66 zwischen Frankfurt und Fulda gelegen, auch Heimat von Engelbert Strauss. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren vom klassischen Hersteller von Arbeitsschutz- und Berufsbekleidung zu einem Lifestyle-Ausrüster gemausert. Dass das gelungen ist, hat auch mit Marketing-Aktionen zu tun wie mit der, die Engelbert Strauss nun wieder gelungen ist. Denn die Firma aus Biebergemünd – 1300 Mitarbeiter, Jahresumsatz im hohen dreistelligen Millionenbereich, wie es heißt – ist nun eine Kooperation mit der Band Metallica eingegangen, die weltweit 110 Millionen Alben verkauft hat und deren Tourneen durch die Stadien dieser Welt immer ausverkauft sind.

          Limitierte Fan-Edition

          Rechtzeitig bevor Metallica auf ihrer „World Wired“-Tour noch zweimal in Deutschland auftritt (am 23. August in München und am 25. August in Mannheim), ist die Band aus San Francisco Partner einer neuen Kollektion von Engelbert Strauss geworden. Gemeinsam mit den Musikern habe man eine limitierte Fan-Edition entwickelt, bestehend aus T-Shirt, Mütze und Kapuzenpulli. Unter Rockfans, sagt Geschäftsführer Henning Strauss, sei die Marke mit dem Strauß längst beliebt. Nun erhält die Kollektion prominenten Auftrieb, denn sogar Metallica-Frontmann James Hetfield, eine Legende im Musikgeschäft, lässt sich zitieren. Metallica, sagt Hetfield, habe „eine Menge toller Fans in Europa“, und sehr viele davon seien auch Anhänger des Unternehmens aus Biebergemünd. „Ein perfect match“, findet Hetfield.

          Dem Familienunternehmen gelingt ein einzigartiger Spagat zwischen Lifestyle und harter Arbeit, zwischen Handwerker und Hipster. Damit die eigentlich als Arbeitskleidung gedachte Mode auch im Alltag ankommt, denkt sich Henning Strauss öffentlichkeitswirksame Maßnahmen aus, und immer präsentieren sie die Marke in einem eher rustikalen Umfeld: am Körper von Stuntmen aus Hollywood zum Beispiel, als Ausrüstung der 200 Mann starken Crew von Metallica und als Werbepartner bei Fußballspielen der Nationalmannschaft. Erst am Freitag gab Bundesligist Eintracht Frankfurt bekannt, dass bei Spielen im DFB-Pokal, so wie morgen bei Waldhof Mannheim, ein neues Logo auf dem Ärmel der Eintracht-Trikots zu sehen sein wird: jenes von Engelbert Strauss.

          Diese klare Markenführung hat Erfolg. Das Unternehmen gilt als einer der am schnellsten wachsenden Mittelständler des Landes, vor zwei Jahren war deshalb Kanzlerin Angela Merkel zu Gast im Main-Kinzig-Kreis. Gut 800 Millionen Euro soll der Umsatz betragen, heißt es, zu genauen Zahlen wird geschwiegen.

          Funktional und gleichzeitig schick

          Zur Markenbildung gehört auch, dass das Unternehmen seine Produkte nur selbst verkauft, um Plattformen wie Amazon macht Engelbert Strauss ebenso einen Bogen wie um Baumärkte, wo die Arbeitsschuhe und die robusten Hosen mit den großen Taschen ideal plaziert werden könnten. Doch das ist nicht gewünscht, „wir wollen unsere Kleidung selbst präsentieren“, sagt ein Sprecher. Dafür gibt es neben dem Shop im Internet gerade mal vier fußballfeldgroße Läden in Deutschland, die als Erlebniswelten gestaltet sind.

          Weitere sind angedacht, doch derzeit absorbiert der Bau der CI-Factory die Aufmerksamkeit des Managements so sehr, dass der Ausbau der Läden gestoppt wurde. In der CI-Factory, die in Schlüchtern und damit ebenfalls im Main-Kinzig-Kreis entsteht, werden künftig Schuhe produziert. Auch hier gilt: Sie sollen als Arbeitsschuhe funktionieren und trotzdem so schick sein, dass sie nicht nur auf der Baustelle, sondern auch bei der Arbeit in Nachbars Garten oder beim gemeinsamen Grillen danach getragen werden können.

          Mit diesem Konzept, das den Stolz auf die eigene Arbeit in den Mittelpunkt rückt, hat Engelbert Strauss eigenen Angaben zufolge auch keine Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften – trotz der etwas abseitigen Lage im Main-Kinzig-Kreis. Auch hier hilft die Firmenleitung etwas nach: Mit Wellness-Spa, aber vor allem mit preisgekrönten Kantinen. Das neueste Restaurant-Konzept sei schon in Arbeit, sagt der Sprecher. Auch wenn James Hetfield dort vermutlich nicht zu Mittag essen wird.

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