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Alternative zur Fähre : Mit Taucherflossen zur Arbeit

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Den Kopf ja über Wasser halten: Jutta Maaßen muss zu ihrer Arbeit durch den Main schwimmen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Jeden Morgen schwimmt Jutta Maaßen durch den Main, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Schuld an der Misere ist die Fähre.

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          Auf ihrem Weg zur Arbeit geht Jutta Maaßen baden. Neun Kilometer auf dem Fahrrad liegen hinter der Ingenieurin aus Rodgau-Jügesheim, wenn sie morgens gegen 8 Uhr aus Richtung Westen das Seligenstäder Mainufer erreicht. Normalerweise würde sie nun auf die Fähre steigen, die das hessische mit dem bayrischen Ufer verbindet, um die letzten Meter zu ihrer Arbeitsstelle in Karlstein zurückzulegen. Seit vergangenem Jahr verkehrt das erste Schiff allerdings erst um 9.45 Uhr – für Maaßen viel zu spät. Die nächstliegende Lösung für sie: nicht lange fackeln und ab ins Wasser.

          Noch liegt die Stille des Morgens über dem Main, einzig das Geräusch des Wassers, das an den Fähranleger auf der gegenüberliegenden Seite des Mainufers schwappt, ist zu hören. „Einen schönen guten Morgen“, ruft die Schwimmerin, als sie nach einer knappen Minute die Hälfte des Mains durchquert hat. Nun sind auch ihr braungebranntes Gesicht und die runde Hornbrille zu erkennen; ein Gesicht, das die meisten in der Gegend schon aus dem Fernsehen kennen. Bevor Maaßen das bayerische Ufer erreicht, kreuzt ein Stand-Up-Paddler ihren Weg auf dem Wasser. „Sie kenne ich doch aus der Zeitung“, ruft er verdutzt. Solche Begegnungen hat die Ingenieurin oft: Seitdem sie vergangenes Jahr damit begann, den Main zu durchschwimmen, ist sie eine lokale Berühmtheit.

          Wenigstens ist das Wasser warm genug

          Nach weniger als drei Minuten erreicht Jutta Maaßen dann Bayern. „Durch den heißen Sommer ist der Main derzeit sehr warm, etwa 26 Grad“, sagt sie, als sie aus dem Wasser steigt. Nach ungefähr 45 Minuten auf dem Rad sei der Fluss eine angenehme Abkühlung. „Und bevor ich ins Büro komme, bin ich wieder trocken.“

          Das tägliche Schwimmen hat einen einfachen Grund. Die Stadt Seligenstadt hat die Fährzeiten verkürzt, um Personalkosten zu senken. Seitdem startet das erste Schiff anstatt um 6 Uhr erst um viertel vor zehn. Ein Umweg auf dem Rad kommt für Maaßen nicht in Frage: Die nächste Brücke über den Fluss liegt fast zehn Kilometer flussabwärts. „Keine Fähre und eine knappe Stunde Umweg, da gab es nicht viel zu überlegen: rein ins Wasser.“

          Mit dem Kopf über Wasser bleiben

          Ihre morgentliche Routine sieht so aus: Das Fahrrad schließt sie in Seligenstadt ab und verstaut ihr Gepäck in einer Tasche. Dann streift sie sich Taucherflossen über und klettert über einen Ponton in den Main. Dass der Fluss nicht gerade Trinkwasserqualität hat, ist Maaßen bewusst, deshalb taucht sie mit dem Kopf nicht unter Wasser. Da sie mit den Armen die Tasche halten muss, schwimmt sie in Rückenlage und bekommt Antrieb durch die Flossen. Auf der bayrischen Seite steht dann Rad Nummer zwei, das zuvor ihr Neffe gefahren hat. Zu ihrem Arbeitsplatz im Innovationspark Karlstein ist es von da aus nur noch ein Katzensprung. Wenn die Temperaturen unter 20 Grad fallen, steigt Maaßen morgens in eine Polyestersporthose und streift sich ein Fleece-Trikot über. Am anderen Ufer, das morgens für gewöhnlich menschenleer ist, streift sie sich im Gebüsch ein Kleid über und verstaut die nassen Sachen in der mitgeführten Tasche. Gefährlich sei das Ganze nicht. Es gebe keine Strömungen an dieser Stelle, Schiffe seien schon von weitem zu sehen. „Abgesehen davon bin ich eine gute Schwimmerin und durch die Flossen ziemlich schnell“, sagt Maaßen, die auch als Tauchlehrerin arbeitet und Unterwasserrugby spielt. In beinahe allen Weltmeeren sei sie schon getaucht und geschwommen, 150 Meter durch den Main seien im Vergleich „keine große Sache mehr“. Auf dem Rückweg bleibt ihr das Schwimmen erspart, denn nachmittags verkehrt die Fähre wieder regelmäßig.

          Große Hoffnung, dass die Fähre demnächst wieder früher ablegt, macht sich Maaßen nicht. Eine Petition, die auch sie unterschrieben hat, blieb bislang ohne Erfolg. „Irgendwann war mal ein Brückenbau angedacht, aber daraus wurde auch nichts.“ Trotz der geänderten Fährzeiten nutzen viele Ausflügler das Schiff. „Eine Brücke würde das wohl das Aus für die Fähre bedeuten“, sagt Maaßen. An ihrem außergewöhnlichen Weg zur Arbeit wird sich wohl so bald nichts ändern.

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