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Interxion-Chef im Porträt : Und noch ein Rechenzentrum

Von M-Net in München an den Main zu Interxion: Jens Prautzsch Bild: Maximilian von Lachner

Seit Jahren kennt die Rechenzentrums-Branche in Frankfurt nur eine Richtung: aufwärts. Und der neue Chef des Datacenter-Betreibers Interxion Deutschland sieht weiteres Wachstum.

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          Ein besseres Umfeld kann sich ein Neuling an der Firmenspitze im Grunde gar nicht wünschen. Das Geschäft kennt seit Jahren nur eine Richtung: aufwärts. Auch in den Zeiten der Rezession 2008/09 hat der Rechenzentrums-betreiber Interxion im Frankfurter Ostend keinen Mangel an neuer Kundschaft beklagt. Seitdem hat sich die Nachfrage nach Flächen für Hochleistungsrechner auf dem Campus noch beschleunigt. Die Nachbarschaft zum weltgrößten Internetknoten De-Cix, dessen Betreiber einen Gutteil seiner Rechner bei Interxion stehen hat, zieht weitere Firmen zum Beispiel aus dem Cloud Computing („Software aus der Steckdose“) sowie Internetdienste an. Seit neuestem entdecken immer mehr Mittelständler die Vorteile freier Datacenter als kostengünstigere Alternative zum eigenen Rechenzentrum.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          So hat Jens Prautzsch gerade den Bau des zwölften Rechenzentrums der Firma angekündigt. So mancher Branchenexperte flachst angesichts dessen, Prautzsch habe im Januar zur richtigen Zeit die Geschäftsführung von Interxion Deutschland übernommen. Das Geschäft laufe praktisch von alleine – viel falsch machen könne ein Manager da im Grunde gar nicht, heißt es. Darauf angesprochen, meint der sportliche Mann mit der dunkelblonden Kurzhaarfrisur und einem Grübchen im markanten Kinn: „Dafür bin ich hier, ich kann in Ruhe das Spiel zu Ende spielen“, und nach einer Kunstpause lacht er. Denn ganz so einfach ist es dann doch nicht.

          Nicht alles eitel Sonnenschein

          Zwar bekennen alle wesentlichen Branchenvertreter, der Kuchen sei groß genug für alle. Andernfalls würde Interxion als Tochtergesellschaft eines an der Börse notierten holländischen Konzerns nicht gleichzeitig zwei Rechenzentren für insgesamt mehr als 110 Millionen Euro bauen, während der Konkurrent Equinix ebenfalls ein Datacenter hochzieht und in Gestalt von Digital Realty und Colt weitere Spieler den Markt in der deutschen Internet-hauptstadt am Main betreten. Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Branchenkenner berichten über Preiskämpfe um neue Kunden. Und dann verändert ein solch starkes Wachstum ein Unternehmen: Es wird komplexer, und das bringt neue Herausforderungen mit sich.

          Mit den Jahren ist nicht nur die Zahl der Rechenzentren gewachsen – Interxion stockt wie die Konkurrenz auch auf. Mehr als 100 Mitarbeiter zählt die Firma mittlerweile. „Bei dieser Größe ist man nicht mehr superflexibel, man braucht schon eine gewisse Organisation, um das Wachstum abzubilden“, sagt der mit seiner Familie nahe Rosenheim wohnhafte Prautzsch, der vom Münchener Glasfasernetzbetreiber M-Net nach Frankfurt kam. Besonders beeindruckt zeigt er sich anhaltend von zwei Zahlen: Von 1999 bis 2014 hat Interxion so viele Flächen für Rechner geschaffen wie die vergangenen beiden Jahre alleine. Angesichts dessen sieht Prautzsch seine Aufgabe darin, geeignete Teams zu bilden und die Strategie weiterzuentwickeln.

          Derzeit sieht er sich aber vor allem als „Immobilien-Mann“. Damit meint er nicht so sehr das Geschäftsmodell an sich, das darin besteht, Stellflächen für Computer, unterbrechungsfreie Stromzufuhr, Kühlung und Sicherheit zu jeder Zeit anzubieten. Da in Frankfurt ein reger Wettbewerb um Bauland herrscht, muss er Ausschau nach neuen Flächen halten und wissen, was die Stadt wo plant.

          Dazu gehört auch, Kontakte zur Stadt und zur städtischen Unternehmen zu knüpfen. Beim Stromversorger Mainova war er schon, doch seine Erfahrungen mit Lokalpolitikern beschränken sich bisher auf Gespräche beim IHK-Neujahrsempfang. Einen Willkommensanruf aus dem Römer hat er nicht erhalten, wie er sagt. Mit der Stadt hat er sich gleichwohl schon angefreundet. Ihm gefällt zum Beispiel das English Theatre gut. „Beim Kulturangebot muss sich Frankfurt hinter München überhaupt nicht verstecken.“

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