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Umzugspläne gescheitert : Der Regionalverband bleibt, wo er ist

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Gescheitert: Verbandsdirektor Stüve konnte die Regionalversammlung nicht von seinen Umzugsplänen überzeugen Bild: Wonge Bergmann

Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main zieht doch nicht um: Denn er zahlt für das Domizil am Frankfurter Hauptbahnhof künftig ein Drittel weniger Miete.

          Nach wochenlangen internen Auseinandersetzungen in der rot-grünen Koalition sowie im gesamten Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main um die von der Verbandsspitze betriebenen Umzugspläne will Direktor Ludger Stüve (SPD) mit den derzeit 122 Mitarbeitern nun doch am bisherigen Sitz des Verbands am Frankfurter Hauptbahnhof, Poststraße 16, bleiben. Man habe mit dem derzeitigen Vermieter, dem Versicherungskonzern Talanx, ein gutes Verhandlungsergebnis erzielt, begründete Stüve seine Position. Der Verband verringert die von ihm benötigte Fläche um rund ein Drittel und zahlt deshalb künftig rund 600.000 Euro weniger Miete.

          Derzeit zahlt der Verband mehr als 1,5 Millionen Euro im Jahr, zum 1. Januar 2014 wäre die Miete aufgrund alter Vereinbarungen auf 1,6 Millionen Euro gestiegen. Offiziell endet der 2005 geschlossene Mietvertrag im Mai 2015, nun will der Vermieter die neuen Konditionen schon von Januar 2014 an gelten lassen, vorausgesetzt der Vertrag wird in diesem Jahr noch verlängert und gilt bis 2015. Leerstehende Büros, Besprechungsräume, die keiner mehr braucht: So beschrieb Stüve gestern die derzeitige Situation im Gebäude des Regionalverbands.

          Klage über „verschenkten Raum“

          Hintergrund ist der Stellenabbau im Verband. Im Sommer 2005 gab es noch 142 Mitarbeiter, heute sind es etwa 20 weniger. Stüve will auch die Flächen im Gebäude künftig besser nutzen: Es gebe derzeit „relativ viel verschenkten Raum“ - etwa durch Aufenthaltsräume und Teeküchen. Die Umbaukosten soll der Vermieter übernehmen, der Stüve zufolge auch auf die 2005 vereinbarten Rückbaukosten in Höhe von einer halben Million Euro verzichtet.

          Stüve will auch die Sitzungsräume im Kellergeschoss, die bisher auch die Regionalversammlung Südhessen nutzte, aufgeben. Die soll der Vermieter selbst bewirtschaften und bei Bedarf an den Regionalverband vermieten. Damit macht der Verband das Kellergeschoss und den größten Teil des Erdgeschosses frei.

          Stüve war im August in die Schlagzeilen geraten, nachdem er dem Regionalvorstand vorgeschlagen hatte, in das Allianz-Gebäude am Frankfurter Theodor-Stern-Kai umzuziehen, mit Blick auf den Main und die Skyline. Das Gebäude am Hauptbahnhof sei wenig repräsentativ, hatte Stüve damals angeführt. Gegenüber dem Haupteingang des derzeitigen Domizils an der Poststraße befindet sich die allgemeine Müll-Sammelstelle des Frankfurter Hauptbahnhofs. Wie Stüve gestern ankündigte, will sich der Vermieter auch um dieses Problem kümmern. Das Allianz-Gebäude am Theodor-Stern-Kai hätte Stüve zufolge für den Verband insgesamt eine noch höhere Mietersparnis bedeutet, allerdings wären die Umzugs- und die Rückbaukosten für die Poststraße noch hinzugekommen, so dass unterm Strich das Verbleiben im bisherigen Domizil die preiswerteste Lösung sei. Insgesamt hätten dem Verband 80 Angebote vorgelegen, teilte Stüve mit.

          „Informationspavillon“ an zentraler Stelle

          Die Verhandlungen mit der Talanx führten Stüve zufolge er selbst und der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Mathias Müller, der Immobilienfachmann und Mitglied des Regionalvorstands ist. Die Mitarbeiter sowie Vertreter von Grünen und CDU hatten wegen der guten Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln seit Anbeginn auf den Verbleib an der Poststraße gedrungen.

          Stüve begründete die von ihm vorangetriebenen Umzugspläne auch damit, dass er die Idee, ein „Haus der Region“ zu schaffen, die einst der Frankfurter Kämmerer und Regionaldezernent Uwe Becker (CDU) aufgebracht hatte, offenbar missverstanden habe. Denn statt eines Umzugs aller regionalen Gesellschaften und Verbände an eine Adresse sei nur noch von einem „Informationspavillon“ an zentraler Stelle in Frankfurt die Rede, in dem man alle Projekte der Region vorstelle. In Stuttgart gebe es vergleichbare Räume in der Fußgängerzone, in denen sich die Region Stuttgart präsentiere. Das „Haus der Region“ sei Geschichte, sagte Stüve.

          Das sei auch deshalb so gekommen, da nur das regionale Standortmarketing, das derzeit in einem modernen Bürogebäude an der Unterschweinstiege in der Nähe des Flughafens untergebracht ist, überhaupt über einen Umzug etwa in die nun freiwerdenden Räume an der Poststraße nachdenke. Dabei hätte es für Stüve nahegelegen, dass der Kulturfonds nach Frankfurt zieht, da sich an der Poststraße von Anbeginn an die Kulturregion befindet und da seit geraumer Zeit über die Fusion beider Kulturgesellschaften nachgedacht wird. Doch die Gesellschafter wünschten offenbar, dass der Kulturfonds in Bad Homburg im Hochtaunus bleibe. So wie der Regionalpark den Sitz weiterhin in Flörsheim hat und der Rhein-Main-Verkehrsverbund in Hofheim residiert.

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