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Waldsterben : „Epochale Zerstörung“

Ein Stich in die Lunge der Welt: Große Bereiche des Regenwalds im Amazonasgebiet brennen. Bild: dpa

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt setzt sich weltweit für den Naturschutz ein. Die Waldbrände in Südamerika sorgen für Entsetzen. Aber auch in Deutschland ist die Lage ernst.

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          Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt zeigt sich angesichts der ausgedehnten Waldbrände in Südamerika tief besorgt. „Die Zerstörung hat epochale Ausmaße erreicht“, sagte Geschäftsführer Christof Schenck in einem Pressegespräch. „Die Brände stammen von Rodungen, um mehr Flächen für die Landwirtschaft zu bekommen. Man hat zu sogenannten Tagen des Feuers aufgerufen. Wir sehen das als Wirken der dortigen Politik.“ Laut Schenck zählen Palmöl, Koka-Pflanzen und Soja zu den lukrativsten Produkten, die in dem Gebiet erzeugt werden. Für sie müsse immer mehr Urwald weichen.

          Alexander Davydov

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Regierungen zeigen sich zum Teil machtlos gegenüber der Bedrohung. Die jüngsten Verwüstungen durch das Feuer sollen die größten seit rund 20 Jahren sein. Dort, wo die Brände besonders stark gewütet haben, braucht die Natur laut Schenck mindestens vier Millionen Jahre, um wieder den Urzustand zu erreichen.

          Insgesamt 15 Millionen Euro hat die Zoologische Gesellschaft im vergangenen Jahr in verschiedene Umweltschutzprojekte investiert. Rund 2,56 Millionen Euro davon gingen nach Südamerika. Die Gesellschaft setzt dabei auf Hilfe an Ort und Stelle: Patrouillen wurden finanziert, um die Nationalparks besser vor illegaler Rodung zu schützen, und es wurden Bildungsprogramme gefördert, um die folgenden Generationen zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein zu erziehen.

          Es wird knapp für den Menschen

          Doch für die Wälder und die Menschen werde die Zeit knapp, warnt Schenck. Denn das Amazonasgebiet gilt als die Lunge der Erde, die große Mengen an CO2 bindet. Ihre Zerstörung würde den Klimawandel beschleunigen und zu längeren Trockenperioden führen. „Es ist letztlich ein Problem, das auch uns alle hier betrifft“, sagt Schenck. Man könne zwar nicht die ganze Welt retten, aber einige wichtige „Schatzkammern“ der Erde bewahren. Es sei eine lange und mühselige Arbeit.

          Auch in Deutschland gebe es viel zu tun. „Eigentlich hätten bis 2020 fünf Prozent der Waldflächen aus der forstwirtschaftliche Nutzung genommen werden müssen“, sagt Schenck. Aktuell sei man aber bei gerade einmal 0,6 Prozent. Vorbildlich sei dagegen Hessen, wo man beim Schutz großer Naturwälder „im Bundesvergleich Maßstäbe“ setze. Insgesamt sollen dort 6400 Hektar Staatswaldflächen nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden.

          Auch Frankfurt soll im Umweltschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. Schenck und Klaus Becker, Präsident der Zoologischen Gesellschaft, wollen gemeinsam mit weiteren Institutionen wie der KfW-Stiftung und -Bank, der Goethe-Universität und dem Senckenberg-Institut einen neue Einrichtung für den Naturschutz aufbauen – ein sogenanntes Conservation Center. Dort sollen sich Naturwissenschaftler auch mit Wirtschaftsexperten austauschen. „Umwelt und Finanzen müssen kein Widerspruch sein“, sagt Becker. Denn nachhaltig zu wirtschaften, sei eine wichtige Investition in die Zukunft, die sich früher oder später für alle auszahle.

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