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Umweltlotterie : Warten auf den ersten Millionär

Hoffen auf den großen Gewinn: Die hessische Umweltlotterie ist nur ein Nischenprodukt. Jede Woche fließen 5000 Euro in ein Umweltprojekt. Bild: obs

Es war ein Lieblingsprojekt der Grünen: die hessische Umweltlotterie. Vielleicht wäre sie etwas populärer, wenn endlich einmal der Hauptgewinn ausgeschüttet würde.

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          „Genau“ heißt die hessische Umweltlotterie. „Geduld“ wäre auch ein schöner Name. Denn Geduld muss jemand haben, der die Regeln dieses Glücksspiels verstehen will. Man tippt nicht einfach Zahlen wie beim Lottospiel „6 aus 49“, sondern schreibt eine Postleitzahl aus Hessen auf den Spielschein. Gezogen wird zunächst ein einziger solcher Schein für den höchsten Gewinn. Für die nächsten Runden, bei denen die kleineren Geldgewinne ausgelost werden, sind dann nur noch solche Spielscheine im Topf, die aus demjenigen Landkreis oder derjenigen Großstadt kommen, zu dem oder der die Postleitzahl, die auf dem ersten Spielschein stand, unter anderem zählt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Verstanden? Das komplizierte Regelwerk mag einer der Gründe sein, warum sich zunächst nicht viele Hessen auf das Glücksspiel eingelassen haben, das im Frühjahr 2016 auf den Markt kam. Die Gewinne lockten auch nicht unbedingt: auf „mindestens 10 000 Euro“ wurde der auszuzahlende Betrag in der ersten Gewinnklasse beziffert, vergangene Woche waren es 10 592 Euro. Nicht annähernd so viel, wie beim Lottospiel zu holen ist.

          Nur ein Nischenprodukt

          Dass „Genau“ nur ein Nischenprodukt sein würde, war auch Lotto Hessen von Anfang an klar, doch Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft, hoffte stets, dass wenigstens Woche für Woche Spieleinsätze von 100 000 Euro zusammenkämen. Bei fünf Euro je Tipp müssten sich dafür gerade 20 000 Spieler finden. Doch bisher lag der Schnitt bei nicht einmal 56 000 Euro. Nicht leicht für die Umweltlotterie, sich im überbesetzten Markt der Glücksspiele zu etablieren.

          Doch nun soll alles anders werden. Das Lieblingsprojekt der Grünen, die es bei der Begründung der Zusammenarbeit mit der CDU im Hessischen Landtag 2014 in den Koalitionsvertrag bugsiert hatten, steht womöglich vor besseren Zeiten. Denn Lotto Hessen hat nachjustiert. Seit Mai kann der Spieler, dessen Los für den höchsten Gewinn gezogen wurde, zusätzlich zu den gut 10 000 Euro, die ihm sowieso zustehen, noch eine Million gewinnen. Dazu müssen die drei Endziffern seiner Losnummer mit drei Zahlen übereinstimmen, die getrennt gezogen wurden.

          Mehr Sonderauslosungen

          Bei einem solchen Betrag werden Glücksspieler allmählich wach. Mit 1 zu 1000 stehen die Chancen immerhin deutlich besser als die auf sechs Richtige im Lotto. Leider hat aber dennoch bisher noch niemand die richtigen Endziffern gehabt. Aber irgendwann wird es so weit sein. Das könnte für die Umweltlotterie einen Prestigegewinn bedeuten.

          Doch bei Lotto Hessen hat man sich noch mehr einfallen lassen. Wem fünf Euro Einsatz zu viel sind, der kann neuerdings auch schon mit einem Euro mitspielen, bekommt dann aber natürlich auch nur ein Fünftel eines etwaigen Gewinns. Sundermann hofft auf Lottospieler, die beim Abgeben ihres Scheins das Wechselgeld bei „Genau“ einsetzen. Und schließlich soll es mehr Sonderauslosungen geben. Als es 2017 zweimal E-Bikes zu gewinnen gab, gingen die Einsätze gleich deutlich nach oben.

          Wöchentlich 5000 Euro für ein Umweltprojekt

          Ob die Umweltlotterie ihren Namen verdient, kann man so oder so sehen. 5000 Euro fließen Woche für Woche in ein Umweltprojekt, das in dem Landkreis oder der Großstadt steht, zu dem oder zu der die Postleitzahl gehört, die auf dem Los des Hauptgewinners steht. Kürzlich bekam zum Beispiel das Mainäppelhaus in Frankfurt solch einen Betrag. Doch alles in allem wird von fünf Euro Einsatz maximal ein Euro für die Umwelt verwendet, die anderen vier werden als Gewinne ausgeschüttet, fließen als Steuern dem Finanzamt zu oder dienen der Deckung der Kosten.

          Sundermann bleibt trotz aller Hürden optimistisch, dass sich das neue Produkt noch durchsetzt. Wenn sich die Umweltlotterie-Millionäre landauf, landab häufen, werden die Hessen sicherlich einmal ganz anders auf das ungewöhnliche Glücksspiel blicken.

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