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Umstrittenes Neubaugebiet : „Josefstadt“ gefährdet Klima nicht

„Grün statt Grau“: Eine Protestaktion wies auf Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit den Bauplänen hin. Bild: dpa

Ein neuer Stadtteil an der A 5 würde Frankfurt nicht die Frischluft nehmen. Auch andere Einwände entkräftet ein Gutachten, das das Gebiet unter klimatologischen, verkehrlichen und ökologischen Aspekten untersucht hat.

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          Die Stadt Frankfurt sieht für die Entwicklung des geplanten Stadtteils an der A 5 an der Grenze zu Steinbach „keine unüberwindbaren Hürden“. Dies sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) gestern bei der Vorstellung der ersten Fachgutachten für das Projekt. Die Gutachter haben das Gebiet unter anderem unter klimatologischen, verkehrlichen und ökologischen Aspekten untersucht und kommen zu dem Schluss, dass eine Bebauung machbar ist. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag den Bürgermeistern der Umlandkommunen und dem Regionalverband vorgestellt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anders als vielfach behauptet, hat demnach die bisher als Ackerland genutzte Fläche keine Relevanz für das Klima im gesamten Stadtgebiet. Die Winde aus dem Taunus wirken sich nur lokal auf die angrenzenden Stadtteile aus. Der abkühlende Effekt ließe sich aber beibehalten, wenn die Bachläufe – Steinbach und Urselbach – sowie eine Lachgraben genannte Mulde nicht bebaut und als Grünzüge in die Region weitergeführt würden. Fachleute hatten verschiedene Szenarien am Computer simuliert und die Luftbewegungen auch mit Rauchpatronen überprüft.

          Abstand zur Autobahn

          Außerdem kann die von den Hochspannungsleitungen ausgehende Strahlung auf weniger als ein Mikrotesla reduziert werden, sofern die Stromtrassen an der Autobahn gebündelt werden und die Wohngebiete einen Abstand von 200 Metern zu beiden Seiten der Mittelleitplanke halten. Die Strahlung entspreche dann dem im Alltag üblichen Wert, hieß es gestern.

          Auch aus Lärmschutzgründen müssen Wohnungen einen Abstand zur Autobahn haben. Das Stadtplanungsamt hat die Grenze bei 60 Dezibel gezogen. Gewerbeflächen können auch näher an die Autobahn heranrücken. Eine Querung der Autobahn durch Landschaftsbrücken ist möglich. Sie kämen auch der Tierwelt zugute: Naturschützer fanden in dem Gebiet zwar keine streng geschützten Tierarten, wohl aber 67 geschützte Vogelarten, davon 45 mit Brutzonen. Der Lebensraum der Vögel beschränkt sich aber auf die Landschaftszonen, die ohnehin von einer Bebauung freigehalten werden sollen.

          Aus diesen Restriktionen ergibt sich für die Bebauung ein differenziertes Bild. Auf beiden Seiten der Autobahn sind jeweils drei Siedlungsflächen möglich, die von den vorgesehenen Freiräumen gegliedert werden (siehe Grafik). Die Regionaltangente West und die Verlängerung der U7 sollen das Gebiet besser an den Bahnverkehr anbinden. Ein neuer S-Bahn-Halt am Südrand von Steinbach wird empfohlen. Um zusätzlichen Verkehr zu vermeiden, soll es keinen Autobahnanschluss geben. Der Verkehr kann über die Frankfurter Gemarkung geführt werden.

          Städtisch und kompakt bauen

          Für den Stadtplaner Uli Hellweg ist das Gebiet kein „monolithischer Stadtteil“, sondern ein „Stadtteil der Quartiere“, die sukzessive entwickelt werden könnten. Der Vorsitzende des sogenannten Consiliums, eines Fachbeirats, empfiehlt die Entwicklung des Gebiets auch wegen der guten Verkehrsanbindung. Die Variante – eine periphere Siedlungsentwicklung im dritten Ring – sei mit extrem hohem Flächenverbrauch und Pendlerverkehr verbunden, unter dem auch die Nachbarstädte litten, die das Projekt bisher ablehnen.

          Die potentielle Siedlungsfläche umfasst 190 des 550 Hektar großen Untersuchungsgebiets. Dort sollen 8000 bis 12.000 Wohnungen entstehen. Hellweg empfiehlt, städtisch und kompakt zu bauen und den Grünachsen eine neue Qualität zu geben. Eine dichte, vier- bis fünfgeschossige Bebauung solle das „Schreckensbild“ einer Hochhaussiedlung bannen. Josef will sich zunächst auf die Flächen östlich der Autobahn konzentrieren. „Wir fangen auf Frankfurter Gemarkung an, dann arbeiten wir uns vor. Eine Entwicklung westlich der A 5 setzt eine intensive regionale Zusammenarbeit voraus.“

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