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Umstrittener Sponsor : FSV Frankfurt will Vertrag mit „Saudia“ lösen

Passagierflugzeug Airbus A320 der saudi-arabische Fluglinie Saudia Bild: picture alliance / Wolfgang Mend

Der FSV Frankfurt arbeitet an der Auflösung des Vertrags mit dem umstrittenen Sponsor „Saudia“. Auf eine Stellungnahme des Unternehmens wartet der Fußball-Zweitligaklub aber noch.

          Der FSV Frankfurt arbeitet an der Auflösung des umstrittenen Sponsorenvertrages mit der saudi-arabischen Luftlinie „Saudia“. Wie der Fußball-Zweitligaklub am Montag auf Anfrage mitteilte, wartet man allerdings noch immer auf eine Stellungnahme des Unternehmens zu dessen diskriminierender Regelung, Fluggäste mit einem israelischen Pass nicht zu befördern. Wie berichtet, war FSV-Geschäftsführer Clemens Krüger am Montag vor einer Woche von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf die Geschäftspraxis von „Saudia“ hingewiesen worden und hatte nach eigenen Worten „Saudia“ um eine Erklärung gebeten.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nachdem am Wochenende Ligapräsident Reinhard Rauball den Verein in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aufgefordert hatte, die Werbepartnerschaft umgehend zu beenden, gab Krüger ein „Versäumnis“ bei der Prüfung des Sponsors zu und gab an, den Vertrag so schnell wie möglich beenden zu wollen. Doch bisher hat sich nichts getan. Die Fluglinie habe sich noch immer nicht schriftlich geäußert, sagte Krüger gestern. Der FSV wolle das Thema aber bis zum heutigen Dienstag vom Tisch haben. „Nach jetzigem Stand der Dinge werden wir den Vertrag einvernehmlich auflösen.“

          Auf Anfrage beim Deutschland-Büro von „Saudia“ in Frankfurt hieß es am Montag, man wisse von nichts. Deutschland-Chef Fikry Altowayan war nicht zu sprechen. Er hielt sich angeblich in Berlin in der saudi-arabischen Botschaft auf, war aber auch dort nicht zu erreichen. Der FSV hat unterdessen auf seiner Internetseite alle Hinweise auf die in der Kritik stehende Werbepartnerschaft gelöscht, darunter auch ein Foto von der Vertragsunterzeichnung, das FSV-Präsident Julius Rosenthal und „Saudia“-Manager Altowayan zeigt.

          Es gehe nicht um die Religion

          Ganz neu ist der Gegenstand der Empörung, die jetzt im Zusammenhang mit dem Sponsorenvertrag entstanden ist, nicht. Die Beförderungsbedingungen der Fluggesellschaft „Saudia“, die früher Saudi Arabian Airlines hieß, und anderer Linien aus der Region sind schon öfter gerügt worden. Sie haben ihre Begründung in der Tatsache, dass etliche Staaten des Nahen und Mittleren Ostens den Staat Israel und damit auch die Papiere israelischer Staatsbürger nicht anerkennen. Eine Kundenberaterin der „Saudia“ sagte am Montag auf die Frage, ob man als Israeli mit der Airline fliegen könne, der Flug mit einem israelischen Pass sei nicht möglich.

          Bei der „Emirates“, der staatlichen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate mit Sitz in Dubai, erhält man als gewöhnlicher Kunde von einem Servicemitarbeiter die Auskunft, dass die Gesellschaft Fluggäste mit einem israelischen Pass generell nicht befördere, Menschen anderer Nationalität jüdischen Glaubens dagegen schon. Der Kundenberater hebt hervor, dass dieser Ausschluss nichts mit der Religion zu tun habe. Es gehe vielmehr darum, dass die Emirate den Staat Israel nicht anerkennten. Die offizielle Presseanfrage bei „Emirates“ bringt ein anderes Ergebnis: Ein Sprecher gibt die Auskunft, auch Passagiere mit israelischer Staatsbürgerschaft würden befördert. Aufgrund der Einreisebestimmungen der Vereinigten Arabischen Emirate sei es für israelische Reisende allerdings nicht möglich, beim Umsteigen in Dubai den Transitbereich des Flughafens zu verlassen.

          Saudis dürfen mit Visa nach Isreal

          Bei „Etihad“, einer Fluggesellschaft des Emirats Abu Dhabi, heißt es wiederum, dass kein Fluggast mit israelischem Pass befördert werden könne, Menschen jüdischen Glaubens mit einem anderen Pass schon. „Egyptair“ macht diese Unterscheidung dagegen offenbar nicht. Dort gibt eine Serviceberaterin allerdings zu bedenken, dass man, falls das Ziel Ägypten sei, ein Visum brauche. Die israelische Fluggesellschaft „ElAl“ nimmt es zwar nach wie vor mit der Kontrolle der Fluggäste und des Gepäcks sehr genau, lässt aber jeden mitfliegen, der die entsprechenden Visa-Bestimmungen erfüllt. „Wir werden den Teufel tun und da etwas einschränken“, bekräftigte eine Sprecherin. Die Visa-Stelle der israelischen Botschaft in Berlin bestätigt, dass beispielsweise auch Saudis einreisen dürfen, sofern sie alle Voraussetzungen für die Gewährung eines Visums erfüllen. Man sei auch in dieser Hinsicht ein freiheitlicher Staat, lautet die Auskunft.

          Bei Barig, der Vereinigung der in Deutschland tätigen Fluggesellschaften, der mehr als hundert Gesellschaften aus aller Welt angehören, sind diskriminierende Beförderungbedingungen einzelner Mitglieder bisher nicht bekannt. Aufgabe und Zweck der Organisation sei es, Ziele durchzusetzen, die die Fluggesellschaften gemeinsam verfolgten. Zu den Barig-Mitgliedern gehört „ElAl“ ebenso wie „Saudia“, „Etihad“ und „Emirates“.

          Eine Sache internationaler Abkommen

          Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG hat nach eigenem Bekunden keine Möglichkeit, an dieser Stelle Einfluss zu nehmen. Man sei dazu verpflichtet, die Infrastruktur bereitzustellen, die anderen Fragen lägen vor allem in der Zuständigkeit des Bundes, heißt es.

          Der wird in Frankfurt von der Flughafenkoordination für Deutschland vertreten. Die Stelle vergibt im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die sogenannten Slots für Starts und Landungen. Dabei muss sie zwar prüfen, ob eine Airline alle Kriterien der Sicherheit, Zuverlässigkeit und auch finanziellen Leistungsfähigkeit erfüllt, um einen zuverlässigen Flugverkehr sicherzustellen. Interne Bestimmungen wie die Beförderungsbedingungen einzelner Linien kann und darf sie nach Auskunft einer Sprecherin aber nicht prüfen. Regelungen dieser Art sind bilateralen und internationalen Abkommen vorbehalten.

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