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Umstrittener Radweg : Wahlbotschaften an der Felsnase

  • -Aktualisiert am

Schließt statt eröffnet: Florian Rentsch. Bild: Eilmes, Wolfgang

Im Wahlkampf neue Straßen eröffnen und rote Bänder durchschneiden? Nicht so Verkehrsminister Rentsch: Er stoppt den umstrittenen Radweg an der B426.

          2 Min.

          Es gibt Politiker, die legen Wert darauf, in der heißen Wahlkampfphase neue Straßen zu eröffnen, Kindergärten oder Bürgerhäuser. Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) hat am Montag etwas Entgegengesetztes getan. Er legte das Projekt einer seit Jahrzehnten umstrittenen Radwegetrasse entlang der B426 bei Darmstadt, der das inzwischen fast schon berühmt gewordene Steinmassiv „Felsnase“ im Wege steht, zu den Akten. So zumindest konnte man es am Dienstag im „Darmstädter Echo“ nachlesen. Mit dieser Zeitung hatte Rentsch einen Termin an Ort und Stelle. Aus eigenem Antrieb informierte das Ministerium über die Kehrtwende auch gestern nicht, bestätigte aber immerhin auf Nachfrage, dass die verbreiteten Zeitungsinformationen korrekt seien.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Also zitieren wir notgedrungen aus dem „Darmstädter Echo“. Der Minister, in dessen Amtszeit jener Planfeststellungsbeschluss für den Bau eines Radweges direkt entlang der Bundesstraße erarbeitet wurde, habe das Projekt mit den sieben Worten „An dieser Stelle wird kein Radweg gebaut“ beerdigt. Als Gründe nannte er laut Zeitungsbericht einen Anstieg der Kosten von mehr als drei auf insgesamt 6,4 Millionen Euro. „Diese Kostenexplosion ist für mich nicht vertretbar“, wird Rentsch zitiert. Zweiter Grund: Der Bauzeitenplan sei nicht zu halten. Statt der veranschlagten 40 Wochen würde es laut Minister eineinhalb Jahre dauern, den Radweg zu bauen. Das sei Autofahrern, die schon jetzt ständig im Stau stünden, nicht zuzumuten. Finanziell und planerisch, so wird der Minister zitiert, sei „das Projekt aus dem Ruder gelaufen“.

          Ein weiterer Etappensieg

          Über die merkwürdige Verkündigungsform des Projektstopps darf man sich wundern, andererseits passt sie gut zur holprigen Verlaufsform des gesamten Verfahrens. Vor einigen Monaten hatte der Minister trotz einer Klage der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald den Sofortvollzug für die Bauarbeiten noch unbeirrt angeordnet, vor wenigen Wochen aber dann überraschend ausgesetzt. Der Grund waren viel zu hohe Asbestbelastungen der Felsnase, die bei den Voruntersuchungen durch die Straßenbauverwaltung erstaunlicherweise so nicht registriert worden waren. Bis Montag galt deshalb ein Baustopp. Nun soll die Baustelle bis 3.Oktober ganz beseitigt werden. Wie es weitergeht, ob vielleicht ein alternativer Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite durch den Wald ausgebaut wird, wie Rentsch bei seinem Felsnasentermin mitteilte, dazu gibt es bislang „keine Vorfestlegung“.

          Im Kampf um Südhessens politischstes Gesteinsmassiv, das schon mehrere Verkehrsminister beschäftigt hat, dürfen die Kritiker des Radweges also einen weiteren Etappensieg verbuchen. Es sind nicht wenige, die sich per Unterschrift für den Erhalt der Felsnase eingesetzt hatten. Zu den mehr als 3000 Namen zählt auch der von Darmstadts früherem Forstamtsleiters. Allerdings rufen Radfahrer und ihre Interessenvertreter nach dem Radweg entlang der Felsnase, denn die Strecke auf der anderen Talseite durch den Wald gilt als zu unsicher. Auch die Gemeinde Mühltal verlangte in der Vergangenheit nach einem Radweg entlang der Bundesstraße.

          Ob auch Rentsch mit seinem Auftritt sechs Tage vor der Landtagswahl Pluspunkte sammelt konnte? Nun, besagte Zeitung hat dem Minister, sollte er tatsächlich den 22.September als Anlass für den exklusiven Pressetermin im Blick gehabt haben, jedenfalls eine Nase gedreht. Wir zitieren abschließend noch einmal: „Sollte die Entscheidung gegen den Radweg wahltaktischem Kalkül entsprungen sein...kann sich dies als Bumerang erweisen.“

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