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Umstrittene Straßennamen : Das Wenden einer „braunen Weste“

  • -Aktualisiert am

Verstarb im Jahr 2020: Der neue Straßenname ehrt Lilo Günzler, eine Holocaustüberlebende aus Frankfurt. Bild: F.A.S.

Hans Pfitzner war Antisemit und Sympathisant des Nazi-Regimes. Weil er auch beeindruckende Musik komponierte, sind mancherorts Straßen nach ihm benannt. Ein Fehler, der in Frankfurt und Wiesbaden jetzt korrigiert wird.

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          Für die Musik von Hans Pfitzner mag man sich durchaus erwärmen, für seine politischen Ansichten ganz sicher nicht. Pfitzner schrieb nicht nur Musik von bleibender Größe, sondern auch antidemokratisch-nationalistische Kampfschriften, häufig mit offen antisemitischer Zielrichtung. Während der Weimarer Republik phantasierte er von „russisch-jüdischen Zersetzern“, unterstützte später die Kulturpolitik der Nationalsozialisten, wurde von Adolf Hitler persönlich als „gottbegnadeter“ Künstler im Sinne des Nazi-Regimes eingestuft und leugnete den Holocaust.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Angesichts dessen ist es kaum zu fassen, dass Pfitzner in der Bundesrepublik noch jahrzehntelang als Namensgeber für Straßen und Wege akzeptiert wurde. In Frankfurt und Wiesbaden hat man diesen Fehler nun, mehr als 70 Jahre nach dem Tod Pfitzners, korrigiert. Während die Frankfurter Hans-Pfitzner-Straße seit jüngstem nach einer Überlebenden der NS-Zeit benannt ist, harrt die Pfitznerstraße in Wiesbaden noch eines besseren Patrons. Den Beschluss zur Umbenennung immerhin haben die Stadtverordneten schon vor einem Jahr gefasst.

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