https://www.faz.net/-gzg-9b5jn

Umfrage zur Landtagswahl : Hessen zwischen Großer Koalition und Jamaika

Eine Option für Hessen: Wird das Land nach der Wahl im Oktober 2018 von einem Jamaika-Bündnis regiert? Bild: dpa

Hessens Wähler verlieren ihr Vertrauen in die aktuelle Regierung. Die beiden stärksten Parteien im Landtag büßen an Stimmen ein und die Anzahl der Mehrheitsbündnisse wird geringer.

          Hessen steht im Herbst möglicherweise eine schwierige Regierungsbildung bevor. Gut vier Monate vor der Landtagswahl am 28. Oktober entspricht die Stärke der Parteien in etwa dem Ergebnis, das nach der Bundestagswahl im vergangenen September zu langwierigen Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen in Berlin führte. Und wie im Bund scheinen CDU und SPD kräftig Stimmen zu verlieren.

          Würde schon jetzt gewählt, käme die CDU auf 31 Prozent. Sie verlöre damit sieben Prozentpunkte gegenüber der Wahl von 2013, als die Partei von Ministerpräsident Volker Bouffier 38,3 Prozent erreichte. Die SPD könnte mit 25 (nach 30,7) Prozent rechnen. Die Grünen könnten sich von 11,1 auf 13Prozent verbessern, die FDP und die Partei „Die Linke“ würden jeweils um etwa drei Punkte auf je 8 Prozent zulegen. Die AfD käme mit 11 (nach 4,1) Prozent in den Landtag. Das hat die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag dieser Zeitung und von Hitradio FFH ermittelt.

          Mehrheit gegen ein Jamaika-Bündnis

          Eine Regierungsmehrheit, die politisch möglich ist, hätten demnach nur eine Große Koalition (56 Prozent) oder ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP (52 Prozent). Beide Optionen stoßen allerdings auf mehr Ablehnung als auf Zustimmung. Eine Große Koalition fänden 37 Prozent gut, aber 42 Prozent fänden sie schlecht. Ein Jamaika-Bündnis würden 30 Prozent befürworten, aber 49 Prozent wären dagegen. Mehr Zustimmung als Ablehnung finden Konstellationen, die nach Lage der Dinge jedoch ausgeschlossen sind: 43 Prozent fänden eine Regierung aus SPD und Grünen gut, 39 Prozent fänden Rot-Grün schlecht. 40 Prozent wären für die Fortsetzung von Schwarz-Grün, 34 Prozent hielten das für schlecht.

          Matthias Jung, der Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, weist darauf hin, dass 2013 Landtags- und Bundestagswahl am selben Tag stattfanden und dass damals „die CDU/CSU bundesweit ein Wahlergebnis erzielte, das fast zehn Prozentpunkte über ihren aktuellen bundesweiten Umfragewerten liegt“.

          Popularitätswerte: Al-Wazir mit hohem Ansehen

          Mit der Leistung der Landesregierung und mit der Arbeit der SPD als größter Oppositionsfraktion sind die Befragten weder richtig zufrieden noch ausgesprochen unzufrieden. Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf liegt das Urteil über die schwarz-grüne Regierung bei plus 0,9, wobei die CDU-Anhänger (2,5) zufriedener sind als die Grünen-Wähler (1,3). Der Wert der Zufriedenheit mit der Arbeit der SPD beträgt plus 0,4. Deutlich schlechter werden die Oppositionsleistungen der FDP (minus 0,5) und der Linkspartei (minus 0,8) bewertet.

          Wenn nach dem Ansehen der bekanntesten Politiker gefragt wird, liegt Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) weiterhin vorn. Auf der Skala von plus bis minus fünf erreicht er den Wert plus 1,3 und damit die gleiche Note wie in der letzten Umfrage von Ende März. Ministerpräsident Volker Bouffier verbessert sich dem gegenüber um einen Zehntelpunkt auf plus1,2. Wiederum schneidet Al-Wazir nicht nur bei den Grünen-Anhängern überdurchschnittlich gut ab (2,5), sondern mit 1,8 auch bei den CDU-Anhängern. Der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel erreicht den Beliebtheitswert 1,0. Janine Wissler (Die Linke) und René Rock (FDP) sind so vielen Befragten unbekannt, dass ihre Popularitätswerte nicht viel aussagen.

          Bilderstrecke

          Im Vergleich zur März-Umfrage etwas geschrumpft ist Bouffiers Vorsprung, wenn gefragt wird, wen die Hessen am liebsten als Ministerpräsidenten hätten. 44 Prozent nennen Bouffier, 37 Prozent zögen Schäfer-Gümbel vor. Im März hatte das Verhältnis noch 45 zu 34 gelautet. Neun Prozent wollen keinen von beiden in der Wiesbadener Staatskanzlei sehen. Was Schäfer-Gümbel bekümmern muss: Auch 63 Prozent der SPD-Anhänger finden, Bouffier mache seine Sache „eher gut“. Allgemein sagen das 65 Prozent der Befragten, während 22 Prozent urteilen, Bouffier mache seine Arbeit „eher schlecht“, und 13 Prozent gar nicht wissen, was sie an ihm finden.

          Wenig Vertrauen in die Fußball-Nationalmannschaft

          Nicht gerade von einer Welle großer hessischer Erwartungen getragen, ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gestern vom Frankfurter Flughafen zur Weltmeisterschaft nach Russland aufgebrochen. 56 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die Elf von Bundestrainer Joachim Löw Mitte Juli mit dem Weltmeisterpokal zurückkehrt. Nur 33 Prozent trauen dem deutschen Team zu, zum fünften Mal Weltmeister zu werden.

          In diesem Sinne am patriotischsten sind die CDU-Anhänger, 42 Prozent von ihnen glauben an den Titelgewinn. Der Anteil derer, die alle Hoffnungen schon vor Beginn des Turniers fahren lassen, ist mit 67 Prozent bei den FDP-Anhängern am größten. 56 Prozent aller Befragten wollen sich die Spiele zu Hause anschauen und 14 Prozent bei Freunden. Nur sieben Prozent haben vor, zu öffentlichen Übertragungen (Public Viewing) zu gehen, 18 Prozent sagen, sie schauten sich keines der Spiele an.

          Die Forschungsgruppe Wahlen hat zwischen dem 4. und dem 11. Juni 1049 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte in Hessen telefonisch befragt. Die Umfragewerte für die Parteien können bis zu drei Prozentpunkte nach oben oder nach unten abweichen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson vergleicht sich selbst mit dem „unglaublichen Hulk“, der sich aus seinen Fesseln befreit.

          Brexit um jeden Preis : Der wütende Hulk

          Großbritannien werde sich aus seinen „Fesseln“ befreien wie die ultra-starke Comicfigur, wenn es bis 31. Oktober keinen Brexit-Deal gebe, erklärt Johnson. Auch gegen die Anordnung des Parlaments. Vor neuen Gesprächen mit der EU zeigt er sich dennoch „sehr zuversichtlich.“
          Mein Freund, der Baum: Markus Söder im Hofgarten hinter der Staatskanzlei

          Klimaretter Söder : „Wir haben den Umweltschutz erfunden“

          CSU-Chef Söder zweifelt die Kompetenz der Grünen bei Klima- und Naturschutz an. Die wahre Umweltpartei sei die CSU mit ihrem Urmotiv, die Schöpfung zu bewahren. Für das Klimapaket der Großen Koalition stellt er allerdings umstrittene Bedingungen.
          Zukunftstechnologie Flugtaxi: Am Stau am Boden ändern sie nichts

          Mythos Innovation : Bloß nichts Neues!

          Bemooste Innenstädte und fliegende Umweltsünder: Statt im Kampf gegen die Klimakatastrophe nach konkreten Lösungen zu suchen, schiebt die Politik Scheininnovationen vor. Warum nutzen wir nicht verfügbare Technologien? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.