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F.A.Z.-Umfrage : Das sind die größten Sorgen der Hessen vor der Landtagswahl

Der Zustand der Schulen beschäftigt die Wähler in Hessen. Bild: Fabian Fiechter

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Hitradio FFH haben vor den Landtagswahlen nach dem „gegenwärtig wichtigsten Problem in Hessen“ gefragt. Und wir wollten von den Wählern wissen, welcher Partei sie die Lösung dieser Probleme zutrauen.

          Hessen geht es wirtschaftlich besser als anderen westdeutschen Bundesländern. Davon sind 68 Prozent der Hessen überzeugt, wie eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von F.A.Z. und Hitradio FFH ergibt. Weil weitere 24 Prozent keinen Unterschied zu den anderen Ländern sehen, haben 92 Prozent der Befragten das wohlige Gefühl, Hessen stehe zumindest nicht schlechter da als andere.

          Erklärt das jedenfalls zum Teil, warum Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen der beliebteste hessische Politiker ist, noch vor dem Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU)? Auch das hat die Umfrage ergeben. Und warum die hessischen Grünen dreieinhalb Wochen vor der Landtagswahl mit 18 Prozent so gut abschneiden? Ja und nein. Dagegen spricht nämlich, dass den Grünen nur fünf Prozent der Befragten zutrauen, sie könnten „am besten die momentanen wirtschaftlichen Probleme in Hessen lösen“. Bei der Frage nach der größten Wirtschaftskompetenz liegt wie eh und je die CDU vorne, derzeit mit 34 Prozent vor der SPD mit 16 Prozent.

          Auch in Sachen Bekämpfung der Kriminalität traut die Mehrheit am ehesten der CDU etwas zu, mit 28 Prozent liegt sie hier weit vor der SPD mit neun Prozent. Immerhin 18 Prozent sagen, ihrer Ansicht nach werde keine der Parteien mit der Kriminalität fertig. Im Vergleich zur Juni-Umfrage geben unverändert 86 Prozent an, sie fühlten sich an ihrem Wohnort durch Kriminalität nicht bedroht, während 14 Prozent Grund zur Sorge sehen.

          Grünen bauen Vorsprung auf

          Die Domänen der SPD bleiben die Schul- und die Wohnungsbaupolitik. In Sachen Bildung schreiben 29 Prozent der SPD die größte Kompetenz zu. Die CDU liegt mit 21 Prozent dahinter. Hier haben die Grünen, verglichen mit der Juni-Umfrage, um vier Punkte auf 13 Prozent zugelegt. In punkto Wohnungsmarkt liegt die SPD mit 30 Prozent Kompetenzzuschreibung vor der CDU mit 15 Prozent und der Linkspartei mit neun Prozent. Den Grünen trauen hier nur sechs Prozent viel zu.

          Hingegen haben die Grünen ihren Vorsprung noch ausgebaut, wenn nach der Verkehrspolitik gefragt wird. 26 Prozent finden die Konzepte der Grünen am besten (Juni: 24 Prozent), gefolgt von CDU mit unverändert 21 Prozent und SPD mit 13 (nach 16) Prozent. Dass die Grünen nicht mehr nur als Öko-Partei wahrgenommen werden, sondern dass auch ihre Schul- und ihre Verkehrspolitik bei mehr Wählern Anklang findet, könnte ihren allgemeinen Aufschwung zum Teil erklären. Nach wie vor trauen die Befragten der AfD bei so gut wie keinem Thema nennenswerte Kompetenz zu, die Kriminalitätsbekämpfung ausgenommen. Dass die Partei dennoch mit 13 Prozent der Stimmen rechnen kann, ist ein Hinweis darauf, dass es sich in hohem Maße um Protestwähler handelt.

          Die Frage nach dem „gegenwärtig wichtigsten Problem in Hessen“ ergibt seit längerem einen Vierklang: Schule, Migration, Mieten, Verkehr. Mal ist das eine Thema vorne, mal das andere. Gegenwärtig sorgt sich eine relative Mehrheit von 31 Prozent am meisten um Schule und Bildung. Die Nennungen variieren zwischen 37 Prozent bei den Anhängern der Grünen und der FDP und 19 Prozent bei den AfD-Geneigten. 24 Prozent sehen in dem Thema „Flüchtlinge, Asyl, Integration“ das drängendste Problem, hier streuen die Antworten zwischen 63 Prozent bei den AfD-Anhängern und zehn Prozent bei denen der Linkspartei.

          „Wohnungsmarkt und Mieten“

          „Wohnungsmarkt und Mieten“ nennen insgesamt 21 Prozent. Hier fällt auf, dass die Nennung bei FDP-Anhängern mit 38 Prozent am höchsten ist, höher als bei Linkspartei-Wählern (32 Prozent) und bei Anhängern der SPD (22). Mag sein, dass FDP-Anhänger eher aus Vermieter- als aus Mietersicht auf das Thema schauen. Auf Platz vier rangieren Verkehrsprobleme, sie werden von insgesamt 16 Prozent erwähnt, am häufigsten von Grünen-Anhängern mit 22 Prozent. Zwölf Prozent haben keine drängenden Probleme oder können keine benennen.

          Gefragt, was sie von Fahrverboten für ältere Dieselfahrzeuge in Städten halten, sagen 58 Prozent, sie fänden einen solchen Eingriff nicht richtig, 38 Prozent sind dafür. Überwiegend Ablehnung von Fahrverboten äußern Anhänger der CDU (66 Prozent), der SPD (54), der FDP (62) und der AfD (92), überwiegend Zustimmung kommt von den Anhängern der Grünen (58 Prozent) und der Linken (67).

          Ein Handy-Verbot an Schulen ist zwar ursprünglich kein hessisches Thema, aber über einen entsprechenden Erlass in Frankreich wird auch hierzulande viel gesprochen. Seit Juli gilt an französischen Schulen ein Verbot von Mobiltelefonen und Tablet-Computern für Schüler im Alter bis zu 15Jahren. 58 Prozent der Befragten in Hessen sagen, das fänden sie gut, 33 Prozent sind dagegen. Die Zustimmung zu einem Handy-Verbot überwiegt bei den Anhängern aller Parteien außer bei denen der FDP.

          Erwartungen an die Koalition

          Im Bereich der interessanten Spekulation bewegt sich die Frage nach den Erwartungen, ob die große Koalition in Berlin eine volle Wahlperiode, also bis zum Herbst 2021, bestehen bleibe oder nicht. 49 Prozent meinen, die von Union und SPD getragene Bundesregierung bleibe so lange zusammen, 46 Prozent glauben das nicht. Die Erwartung, die große Koalition halte durch, überwiegt bei den Anhängern der CDU (63 Prozent) und der Linken (59 Prozent). Die Anhänger aller anderen Parteien halten ein Auseinanderfallen für wahrscheinlicher, auch die der SPD (50 zu 45 Prozent).

          Dreieinhalb Wochen vor der hessischen Landtagswahl am 28.Oktober liegt die CDU bei der „Sonntagsfrage“ mit 29 Prozent unverändert vorn. Sie verliert allerdings im Vergleich zur Juni-Umfrage von F.A.Z. und FFH zwei Punkte, desgleichen die SPD, die derzeit bei 23 Prozent steht. Die Grünen verbessern sich von 13 auf 18 Prozent. Viertstärkste Kraft würde laut Umfrage die AfD, die gegenüber Juni um zwei Punkte auf 13 Prozent zulegt. Die Partei „Die Linke“ erreicht unverändert acht Prozent, die FDP fällt von acht auf sechs Prozent. Gut die Hälfte der Wahlberechtigten (51 Prozent) ist noch nicht sicher, ob und, wenn ja, wen sie wählen wollen.

          Die Forschungsgruppe Wahlen hat zwischen dem 24.September und dem 1.Oktober in Hessen 1038 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte telefonisch befragt. Die Umfragewerte für die Parteien können am Wahlabend bis zu drei Prozentpunkte nach oben oder nach unten abweichen.

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