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Umbau des Senckenberg-Museums : „Ein feuchter Traum für Denkmalpfleger“

1952 wurde Ferdinand Kramer zum Leiter des Universitätsbauamts berufen. Er erweiterte den Haupteingang und ließ anstelle des alten Portals einen gläsernen Windfang einsetzen. Auch die Schichten der Kramerzeit werden beim nun anstehenden Umbau konserviert. Die von Kramer gestalteten Eingänge zum Jügelbau bleiben ebenso erhalten wie ein Teil des Mobiliars. Eine auf Kramer zurückgehende Wand aus Glasbausteinen im Foyer wird allerdings aus Brandschutzgründen entfernt.

Heftige Kritik an Kulkas Plänen

Kulkas Entwurf steht in der Tradition des „Weiterbauens“. Der Bauantrag ist nach Auskunft der Bauaufsicht zwar noch nicht genehmigt. Allerdings spricht offenbar nichts dagegen, zumal die Denkmalbehörden den Plänen zugestimmt haben. „Es ist eine anerkannte Methode, das neu Hinzukommende selbstbewusst im Zeitgeist zu zeigen“, sagt der Leiter der Bauaufsicht, Michael Kummer, der mit einer Arbeit über Denkmalschutz promoviert wurde und vor seinem Wechsel in die Stadtverwaltung im Landesamt für Denkmalpflege tätig war. Kulkas Auffassung der ergänzenden Denkmalpflege finde europaweit Zustimmung. Die vom Architekten vorgeschlagene Lösung sei auch qualitativ auf einem hohen Niveau. Das Denkmalamt habe seinen Schwerpunkt auf die Erhaltung historischer Teile gelegt, meint Kummer.

Aber nicht auf die äußere Erscheinung, wäre zu ergänzen. In der Kommunalpolitik ist es ruhig geblieben, obwohl ein gewisser Groll über Kulkas neue Dachlandschaft durchaus vernehmbar ist. Wolfgang Siefert von den Grünen wagt es kaum, laut seine Meinung zu sagen. „Persönlich halte ich die Lösung für bescheiden“, meint er, ergänzt aber sogleich: „Denkmalschutz ist keine Geschmacksfrage.“ Siefert traut sich nicht, den Argumenten der Denkmalpfleger zu widersprechen. „Wenn die Fachleute sagen, alles ist super, wie will man dann noch argumentieren?“, fragt er. Und er sagt dann doch noch deutlich: „Wie man das Gebäude so zurichten kann, ist mir unklar.“

Siefert ist mit seiner Haltung nicht allein: In dem Internetforum „Deutsches Architekturforum“ ist von „Vergewaltigung“ und „Bunkerlook“ die Rede, die Denkmalpflege habe versagt. „Gerade wird die große Chance vergeigt, die je nach Bauteil mehr oder weniger verhunzten Gebäude wieder ihrer bauzeitlichen Gestalt anzunähern“, konstatiert ein Nutzer. Ein weiterer klagt: „Ich habe zwei Jahre in diesem Gebäude gearbeitet, und mir tut es in der Seele weh, wenn ich sehe, was für ein Mist hier verpfuscht werden soll.“

Andere halten es für einen verfrühten Aprilscherz, große Teile der alten Fassade abzureißen und „durch einfallslose Kuben und Dachaufbauten“ zu ersetzen. „Ich verstehe nicht, warum aus dem Ensemble um jeden Preis eine dermaßen hohe Ausnutzung herausgepresst werden muss. Der Flächenzuwachs für die Senckenberg-Gesellschaft wäre doch auch bei einer konservativen Sanierung enorm“, heißt es weiter. Einem Dritten erscheint die Umgestaltung als „feuchter Traum für Denkmalpfleger – also ein ästhetisches Desaster für das gemeine, ungebildete Volk“. Bauherr, Architekt und Denkmalpfleger werden wohl noch Überzeugungsarbeit leisten müssen.

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