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Frankfurter Hauptbahnhof : Umbau verzögert sich

Heller Empfang: So soll die Eingangshalle des Hauptbahnhofs nach dem Umbau aussehen. Bild: Simulation Deutsche Bahn AG

Der üble Geruch wird Reisenden am Frankfurter Hauptbahnhof an manchen Stellen wohl noch länger in die Nase steigen, als zunächst angenommen. Denn die Umbauarbeiten lassen auf sich warten.

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          Der Frankfurter Hauptbahnhof wird für mindestens die nächsten fünf Jahre weiterhin in einem desolaten Zustand sein. Nach Informationen dieser Zeitung verzögert sich der Beginn des Umbaus der unterirdischen B-Ebene und der Eingangshalle um rund zwei Jahre, die Arbeiten werden voraussichtlich drei weitere Jahre in Anspruch nehmen. Damit schwindet die Hoffnung der Stadt, durch bauliche Veränderungen, vor allem in der B-Ebene, die ausufernde Drogenkriminalität eindämmen sowie auch jene Ecken sanieren zu können, die schon seit Jahren verfallen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das betrifft Teile der B-Ebene, vor allem aber auch den Durchgang vom S-Bahn- in den U-Bahn-Bereich. Dort klagen Reisende regelmäßig über beißenden Uringeruch. Der Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) hatte noch vor wenigen Wochen gesagt, er lege große Hoffnung in den Umbau. Dieser werde die Situation für die Reisenden wesentlich verbessern, da dunkle Ecken verschwänden und die Dealer weniger Schlupfwinkel zur Verfügung hätten.

          Versperrte Flächen zugänglich machen

          Wie die Deutsche Bahn auf Anfrage mitteilte, rechnet sie nun mit einem Baubeginn erst für Ende 2018. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten schon im vierten Quartal dieses Jahres starten und drei Jahre dauern. Auch die Gestaltung der Bahnhofsvorplätze verschiebt sich. Die Arbeiten an der Oberfläche könnten erst beginnen, wenn die B-Ebene fertig sei, heißt es im Stadtplanungsamt. Die Bahn spricht von einem aufwendigen Plangenehmigungsverfahren, das mit dem Eisenbahnbundesamt und weiteren Ämtern abzustimmen sei. Offenbar sind noch Brandschutzfragen zu klären. Derzeit werde die Brandschutzanlage überprüft. Der Antrag auf Plangenehmigung soll zu Beginn des nächsten Jahres eingereicht werden.

          Die Bahn will die unterirdische Verteilerebene unter dem Hauptbahnhof, durch die die Reisenden zu den U-Bahn- und S-Bahn-Gleisen und zum darüber liegenden Bahnhofsvorplatz gelangen, sanieren und verschönern. Die Einkaufspassage soll heller und übersichtlicher werden. Nach den vor einem Jahr vorgestellten Plänen soll der breite Treppeneingang vor dem Bahnhof geschlossen werden. An dieser Stelle ist eine Glaskuppel geplant, durch die Tageslicht in die unterirdischen Gänge fallen soll. Auch die Eingangshalle des Bahnhofs soll nach dem Umbau anders aussehen. In der Empfangshalle plant die Bahn einen „geschossübergreifenden Lichthof“. Die Einbauten vor den Läden sollen zurückgebaut werden, um den historischen Raumeindruck wiederherzustellen. Bisher versperrte Flächen im Kellergeschoss unter dem Bahnhofsgebäude werden zugänglich gemacht.

          Manche Umgestaltung noch zurückgestellt

          Die Vorplanung für die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes stammt von dem Architekturbüro Schneider + Schumacher. Die Frankfurter Planer hatten 2009 einen der beiden ersten Preise im Ideen- und Realisierungswettbewerb zur Umgestaltung der Bahnhofsplätze gewonnen, den die Stadt Frankfurt und die Deutsche Bahn AG gemeinsam ausgelobt hatten. Der Platz soll übersichtlicher, einladend und barrierefrei gestaltet werden. Der Entwurf von Schneider + Schumacher zeichnete sich durch eine große, von Lichtöffnungen zur B-Ebene punktierte Platzfläche aus.

          Mehr Licht auch unter Tage: Die B-Ebene soll ebenfalls verschönert werden.

          Die Architekten wollten die Taxistände auf die Nord- und Südseite verlegen und planten ein Fahrradparkhaus mit Zugang von der Poststraße. Die Umgestaltung des südlichen Vorplatzes wurde jedoch zurückgestellt, bis über eine mögliche Ansiedlung eines Fernbusbahnhofs entschieden ist. Das ist zwar längst der Fall - der Fernbusbahnhof ist südlich des Hauptbahnhofs schon im Bau. Schneider + Schumacher wurden aber nur mit der Vorplanung für den zentralen Platz vor dem Hauptportal und für das nördlich anschließende Gelände einschließlich der Poststraße beauftragt.

          LED-Lichtfliesen geplant

          Nach Angaben von Michael Hootz, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, ist das Projekt eng mit der Gestaltung der B-Ebene verzahnt. „Wir versuchen, den Bahnhofsvorplatz aufzuräumen“, sagt er. Dafür sei es aber nötig, die fertigen Pläne der Bahn abzuwarten. Eine Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes liege noch nicht vor. Viele technische Details wie die Lage der Aufzugsblöcke und der Andienungszonen seien noch zu klären. „Das ist ein schwieriges Projekt und nicht so leicht wie der Umbau eines Einfamilienhauses“, sagt Hootz.

          Die Stadtplanung wolle mit der aktuellen Vorplanung im ersten Halbjahr 2017 an die Öffentlichkeit gehen. Schon jetzt ist aber offenbar entschieden, dass die kürzlich ausgetauschten Straßenbahngleise vor dem Hauptbahnhof nicht auf den Vorplatz verlegt werden, wie es die Architekten im Wettbewerb vorgeschlagen hatten. Auch die Lichtöffnungen zur B-Ebene sind vom Tisch. Anstelle der Durchbrüche zur B-Ebene planen die Architekten nun LED-Lichtfliesen, die in den Belag eingestreut werden. Die Anzahl der Fahrspuren vor dem Hauptbahnhof soll aber weiterhin um zwei auf vier Fahrstreifen verringert werden.

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