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Umbau der Kreuzung : Bedauern statt Beschimpfung nach dem Nein

Der morgendliche Stau verschafft Autofahrern kein gutes Durchkommen: die Bundesstraße 456, vor der PPR-Kreuzung in Bad Homburg.
          3 Min.

          Die Mehrheit der Bad Homburger Stadtverordneten hat am Donnerstagabend das Ende von etwas beschlossen, das es formal noch gar nicht gibt: „Das Planfeststellungsverfahren PPR-Varianten ,Tunnel lang‘ und ,Tunnel kurz‘ wird eingestellt“, lautete der Antrag der FDP. Ein solches Verfahren ist bisher aber nicht eröffnet worden. Dennoch wird es keine rechtliche Auseinandersetzung um den Wortlaut des Beschlusses geben. Zu deutlich war die dahinter stehende Absicht: Bad Homburg will einen Ausbau der PPR-Kreuzung nicht, auch nicht in Form eines Tunnels. Und die auf Anregung der Bürgerliste Bad Homburg (BLB) ebenfalls verabschiedete Ergänzung, wonach der Magistrat seine Zusage einer Kostenbeteiligung zurückziehen soll, machte letzte Zweifel hinfällig.

          Bernhard Biener
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung

          Die Reaktionen auf das von Bad Homburg beschlossene Ende des Kreuzungsumbaus fielen gestern beim Kreis vergleichsweise moderat aus. Landrat Ulrich Krebs (CDU) bedauerte die Entscheidung, denn eine bessere Verbindung sei sowohl für das Usinger Land als auch für Bad Homburg wichtig. Der Tunnel habe sich in allen Untersuchungen als die beste Variante erwiesen. „Aber der Beschluss der Stadtverordneten ist zu respektieren“, sagte Krebs, dem nur die Hoffnung auf andere politische Mehrheiten blieb. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, der Wehrheimer Bürgermeister Gregor Sommer, hätte zumindest gerne die Wirkung der von der Stadt geplanten kleineren Veränderungen abgewartet. Denn Bad Homburg will für den Verkehr aus Dornholzhausen eine eigene Rechtsabbiegerspur nach Oberursel anlegen lassen. Auch von Oberursel her sollen Autos auf eigener Spur nach rechts Richtung Bad Homburger Innenstadt abbiegen können. Für den von der Saalburg kommenden Verkehr werden zwei Geradeausspuren markiert. Bisher gibt es nur eine.

          „Die Uhren stehen wieder auf null“

          Sommer ist zwar überzeugt, dass die Pendler aus dem Usinger Land ohne einen Tunnel nach wie vor im Stau stehen werden. Dennoch mochte er nicht „Porzellan zerschlagen“ und rief alle Beteiligten von Behörden, Stadt und Kreis dazu auf, jetzt gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Dabei müssten die Verengung vor der Saalburgkuppe, die morgens den Verkehr aus Richtung Usingen stoppe, und der abends bis zur Autobahn 661 reichende Stau in der Gegenrichtung einbezogen werden. Stephan Wetzel, im Kreistag Fraktionsvorsitzender des Koalitionspartners SPD, sieht die Chance auf eine große Lösung nur in einer parteiunabhängigen Infrastrukturgesellschaft, wie sie CDU und SPD vorgeschlagen hätten. Nachdem der Regierungspräsident ihre Gründung nicht zugelassen habe, ändere auch der Beschluss aus Bad Homburg nichts am Status quo.

          Gerade mit der Idee der Infrastrukturgesellschaft hat die Kreiskoalition nach Ansicht des FDP-Fraktionsvorsitzenden Stefan Naas die Fronten unnötig verhärtet. „Die Uhren stehen wieder auf null“, sagte der Steinbacher Bürgermeister. Während die FDP im Kreis zu den Tunnelbefürwortern zählt, haben die Bad Homburger Liberalen den Antrag für dessen Ende gestellt. Für den Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Norman Dießner, ist nun der Weg frei für realistische Lösungen, wie sie Bad Homburg plane. Das nicht finanzierbare „Schaufensterprojekt“ Tunnel sei dagegen vom Tisch.

          Sechs bis sieben Jahre Tunnelbau seien ein „Horrorszenario“

          Die Diskussion in der Bad Homburger Stadtverordnetenversammlung stand unter dem Eindruck der langen Vorgeschichte der Ausbauplanungen. Die für die PPR-Kreuzung namengebende Reifenfabrik Peters Pneu Renova gibt es an dieser Stelle seit Jahrzehnten nicht mehr. Hof erinnerte an Brücken und Kreisel, die wieder verworfen worden seien, und an die Kostensteigerung des Tunnels von acht Millionen Euro für die kurze bis auf zuletzt 105 Millionen Euro für die lange Variante. Seiner Einschätzung, das Nadelöhr aus Richtung Wehrheim sei schon die weit vor der Kreuzung gelegene Saalburgkuppe, stimmte Armin Johnert (BLB) zu. Dieser nannte die Aussicht auf sechs bis sieben Jahre Tunnelbau ein „Horrorszenario“. Als reines Wahlkampfthema und „Veräppelung der Leute“ sah Bardo Röhrig (Die Grünen) die Tunnelpläne. Die CDU habe 40 Jahre für eine Lösung Zeit gehabt und nichts erreicht. Das Viererbündnis hingegen „mache was“, sagte er mit Blick auf die vorgesehenen zusätzlichen Spuren.

          Darin sah CDU-Verkehrsexperte Kister allerdings noch kein Verkehrskonzept. Er wies darauf hin, dass man mit der langen Tunnelvariante so weit gewesen sei wie noch nie. Die nun geplanten Änderungen an der Kreuzung würden nichts an der Belastung der Anwohner durch Lärm und Abgase ändern. Skeptisch zeigte sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Stamm. Er hätte gerne die Wirkung der neuen Spuren überprüft, bevor man das Ende der Tunnelplanungen beschließe. Der FDP-Antrag lasse dazu keine Möglichkeit. Ablehnen mochte ihn die SPD aber auch nicht, um sich nicht gegen die drei Koalitionspartner des Homburger Bündnisses zu stellen - sämtlich Tunnelgegner. Deshalb enthielten sich die Sozialdemokraten schließlich, während allein die CDU den FDP-Antrag ablehnte.

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