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Bauarbeiten an B 42 : Der Rheingau fürchtet den Verkehrsinfarkt

  • -Aktualisiert am

Rheingauer Verkehrsachse: Spätestens im August ist es mit der freien Fahrt auf der B 42 - hier bei Kiedrich - vorbei. Bild: Cornelia Sick

Die B 42 wird an mehreren Stellen und über Monate hinweg zur Baustelle. Besuchern und Bewohnern steht eine monatelange Nervenprobe bevor. Doch der Protest gegen die Planung wächst.

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          Die Rheinuferstraße ist die Lebensader der Weinregion, doch gleich an mehreren Stellen plant Hessen Mobil in diesem Sommer Bauarbeiten, die zum Teil mit Vollsperrungen und Umleitungen verbunden sind. Im Rheingau wächst deshalb die Furcht vor langen Staus, wirtschaftlichen Einbußen für Weinbau und Tourismus und empfindlichen Folgen für die Unternehmen der Region.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Einen Vorgeschmack gab es im vergangenen Jahr, als die B 42 zwischen Rüdesheim und Geisenheim monatelang gesperrt war und der Verkehr über Geisenheimer Ortsstraßen umgeleitet wurde. Es war nicht das Abfräsen der alten und das Aufbringen einer neuen Fahrbahndecke, das weitaus länger dauerte als gedacht und angekündigt, sondern die langwierige Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg.

          Rheingauer Bürgermeister völlig überrascht

          Nun ist es wieder so weit. Hessen Mobil plant, Ende Juli oder Anfang August die beiden Fahrspuren in Richtung Rheingau zwischen der Abfahrt Walluf und der Abfahrt Kiedrich zu sanieren und die Straße voll zu sperren. Als Folge steht in beiden Richtungen nur noch jeweils eine Fahrspur zur Verfügung - und zwar bis zum Jahresende.

          Hessen Mobil hat diese Pläne kürzlich einer Runde völlig überraschter Rheingauer Bürgermeister kundgetan. Für Ärger sorgt vor allem die langwierige Suche nach Bomben entlang einer Straße, die erst 1989 fertiggestellt wurde. Doch weil es sich laut Hessen Mobil um eine Abwurfzone für Bomben und ein Gebiet ehemaliger Flakstellungen handelt, muss der Untergrund zunächst bis in eine Tiefe von 1,50 Meter nach Sprengkörpern untersucht werden. Danach erst wird der Asphalt entfernt, um anschließend bis in fünf Meter Tiefe weiterzuforschen.

          Stoßen die Experten auf „Verdachtspunkte“, also Hinweise auf Metall im Boden, wird die Stelle aufgegraben und untersucht. Bei Geisenheim waren im vergangenen Jahr mehr als 100 verdächtige Stellen untersucht worden, gefunden wurde allerdings nahezu nichts. Doch erst wenn die Kampfmittelräumer bescheinigen, dass risikolos gebaut werden kann, sollen die Arbeiter anrücken, um wieder eine Fahrbahn herzustellen.

          „Auch Pendler in Rhein-Main-Region betroffen“

          Rund zwei der fünf Monate Bauzeit sind vorerst für die Suche nach Resten militärischer Auseinandersetzungen eingeplant. Laut dem Sprecher von Hessen Mobil handelt es sich um eine „routinemäßige Prozedur, wenn die Voranfrage beim Kampfmittelräumdienst des Landes entsprechende Verdachtsmomente ergibt“. Der Kampfmittelräumdienst habe seit 1960 entsprechende Kartierungen vorliegen.

          Bild: F.A.Z.

          Die Bürgermeister entsetzen diese Aussichten, und sie erwarten eine erhebliche Belastung für den gesamten Rheingau. Hessen Mobil treffe nicht nur die Besucher, sondern auch die Pendler in die Rhein-Main-Region. Unzufrieden sind die Bürgermeister vor allem, weil sie über den massiven Eingriff in den Verkehrsablauf nicht frühzeitig ins Bild gesetzt, sondern kurzfristig bei Anhörungen zu möglichen Umleitungsstrecken informiert worden seien.

          Einen Bau in mehreren Arbeitsschichten, um die Bauzeit zu verkürzen, habe Hessen Mobil wegen der Beleuchtungskosten abgelehnt, hieß es nach einem Gespräch. Allerdings sollten die langen Tage im Hochsommer für eine intensive Bautätigkeit ausgenutzt werden. Zusagen für eine verkürzte Bauzeit gab Hessen Mobil aber nicht.

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