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Übertragung der Fußball-WM : Torjubel in der Nachtruhe

  • -Aktualisiert am

Vereinbarung von Jubel und Nachtruhe: Kneipen, die WM-Spiele im Freien übertragen wollen, brauchen eine besondere Genehmigung. (Archivbild) Bild: Marcus Kaufhold

Für die Übertragung der späten Spiele gelten bei der Fußball-WM besondere Regeln. Bars ohne Genehmigung müssen mit Bußgeldern rechnen. Zudem befürchten einige Verbände, dass der ein oder andere Nachbarschaftsstreit nicht ausbleibt.

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          Kneipen- und Restaurantbetreiber, die während der Weltmeisterschaft auch nach 22 Uhr noch Fußballspiele im Freien übertragen wollen, benötigen dazu eine Genehmigung. Darauf weist das Frankfurter Ordnungsdezernat hin. Wer Bußgelder vermeiden möchte, kann die Genehmigung gegen eine Gebühr beim Ordnungsamt beantragen. Die Stadt will auf diese Weise einerseits das Feiern im Freien zur WM in Brasilien ermöglichen, andererseits aber Anwohner vor Lärm schützen. Vier Wochen Ausnahmezustand seien nicht zumutbar.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          18 der 64 Begegnungen zwischen dem 12. Juni und dem 13. Juli werden um 17Uhr brasilianischer Zeit und damit um 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen. Elf Spiele beginnen erst um Mitternacht oder später. Zwischen 22 und 7 Uhr herrscht eigentlich Nachtruhe. Für die Dauer der Weltmeisterschaft hat die Bundesregierung allerdings eine Ausnahmeregelung geschaffen und den Lärmschutz gelockert. Die Kommunen sollen im Einzelfall das öffentliche Interesse an der Übertragung der Spiele mit dem Schutzbedürfnis der Nachbarschaft abwägen. Der „Antrag auf Genehmigung öffentlicher Fernsehdarbietungen von Fußballspielen im Freien“ kann auf der Internetseite der Stadt heruntergeladen werden.

          Bürokratischer Aufwand sehr hoch

          Die Stadtpolizei kontrolliere während der Fußball-WM die Genehmigungen von Sommergärten, laufe aber nicht extra Streife, sagt ein Sprecher des Ordnungsamts. Man gehe davon aus, dass Anwohner auf Ruhestörungen nach 22 Uhr aufmerksam machen würden. Nach Auskunft des Ordnungsamts werden die Anträge so schnell wie möglich bearbeitet. Die Gastronomen sollten damit aber nicht bis zur letzten Minute warten. Der bürokratische Aufwand sei zwar sehr hoch, zahle sich jedoch aus, hofft das Ordnungsdezernat. Durch die Prüfung könnten viele Einsätze während der WM vermieden werden.

          Für die meisten Gaststätten werden vorab Regelungen vereinbart – wenn diese auch nicht immer dem Umfang entsprechen, den der Inhaber sich vorher gewünscht hat. Für die Überprüfung der Anträge sind auf Lärmschutz spezialisierte Mitarbeiter der Behörde zuständig, die dies entweder durch Vorkenntnisse der jeweiligen Lage des Lokals vom Schreibtisch aus entscheiden können oder aber an Ort und Stelle prüfen, ob Fußball-Kino möglich ist. Schwierig wird es immer dann, wenn viele Kneipen nebeneinander liegen und deshalb Lärmbelästigung wahrscheinlich ist. Für die Prüfung fällt für Gaststättenbetreiber eine Aufwandsentschädigung an. Sie beträgt etwa 60 Euro. Wie viele Anträge bisher eingegangen sind, teilt die Behörde nicht mit.

          Nachbarschaftsstreits befürchtet

          Die Stadt Frankfurt bietet aus Kostengründen in diesem Jahr kein Fußball-Kino an. In der Arena im Stadtwald können Fußballfans die Spiele der deutschen Mannschaft aber auf der größten Leinwand Hessens verfolgen. Zudem sind weitere Leinwände im Freien von privaten Veranstaltern geplant, etwa an der Pferderennbahn.

          Die Verbände der Hauseigentümer fürchten Streit zwischen Nachbarn, weil viele Fußballfans besonders die späten Spiele wohl zu Hause am Fernseher verfolgen werden. Die großen Fußball-Kino-Veranstaltungen fielen für die späten Spiele weg. „Deshalb gehen wir davon aus, dass es zu dieser Weltmeisterschaft mehr Partys in privaten Räumen geben wird als sonst üblich. Und die bergen natürlich Potential für Streitigkeiten unter Nachbarn“, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD. Viele Kneipen und Bars erhielten von den Behörden keine Genehmigung für Freiluftübertragungen von Spielen, die erst um 22 Uhr oder später begännen. „Fußball-Fans sollten bei Privatpartys auch während der Weltmeisterschaft Rücksicht auf die Nachbarn nehmen“, empfiehlt Schick. Lauter Torjubel auf dem Balkon und bei geöffnetem Fenster seien zu vermeiden.

          Bei der Dekoration der Wohnung könnten Mieter ihrer Fanliebe allerdings freien Lauf lassen: Fahnen und Plakate können durch die Hausordnung nur verboten werden, wenn sie politischen Inhalt oder eine verhetzende Meinungsäußerung enthalten. Auch am Balkon sind Fahnen und Plakate erlaubt. „Wer bei der Montage eine Halterung anbringt oder anderweitig die Bausubstanz des Hauses nachhaltig verändert, sollte vorher seinen Vermieter fragen“, sagt Schick.

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