https://www.faz.net/-gzg-9zb0l

Sternekoch Nils Henkel : Kündigung mit zwei Sternen

Von Kritikern gelobt: Sternekoch Nils Henkel Bild: Wonge Bergmann

Nils Henkel gilt als einer der besten Köche Deutschlands. Im Schatten der Corona-Krise kommt jetzt für ihn und sein Team das Aus im Gourmetrestaurant in der Burg Schwarzenstein im Rheingau – trotz seines großen Erfolgs.

          2 Min.

          Der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Koch Nils Henkel verlässt das Hotel Burg Schwarzenstein und dessen nach ihm benanntes Gourmetrestaurant in Johannisberg im Rheingau. Nach Informationen der F.A.Z. haben der 51 Jahre alte Chefkoch, der als einer der besten Deutschlands gilt, und ein großer Teil seiner Mannschaft schon Ende März – kurz nach der Schließung des Restaurants wegen der Corona-Pandemie – vollkommen überraschend die Kündigung erhalten. Henkel bestätigte sein Ausscheiden am Sonntag, wollte sich aber nicht zu den Gründen und Einzelheiten äußern. Die Inhaber der Burg Schwarzenstein, Michael und Stephanie Teigelkamp, waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein offizielle Erklärung zur Trennung gibt es von ihrer Seite bisher nicht. Auf der Internetseite der Luxusherberge, in der es neben dem Gourmetrestaurant noch das sogenannte Burgrestaurant und eine Grill- und Wein-Bar gibt, wird Henkel noch immer als Gastgeber für „höchste Genussmomente“ mit den Bewertungen in verschiedenen Restaurantführern präsentiert, darunter zwei Sterne im Guide Michelin und 18 Punkte im Gault Millau. In einem Hinweis zur aktuellen Situation heißt es lediglich, dass das Hotel und das Burgrestaurant am 16. Mai wieder geöffnet würden, das Restaurant Nils Henkel und die Grill-Bar aber bis auf Weiteres geschlossen blieben.

          Kündigung eine große Überraschung

          Die Trennung von Henkel, der für eine aromenstarke, naturverbundene Küche mit einem besonderen Augenmerk für alte Gemüsesorten und wilde Kräuter steht und auf der Burg Schwarzenstein Kritiker wie Gäste mit seinen beiden Menü-Varianten „Flora“ und „Fauna“ zu überzeugen wusste, ist eine große Überraschung. Der Koch, der als Stellvertreter und Nachfolger von Drei-Sterne-Koch Dieter Müller im Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach bekannt wurde, hatte das Gourmetrestaurant auf Burg Schwarzenstein im Februar 2017 übernommen und war innerhalb weniger Monate vom Restaurantführer Guide Michelin mit zwei von drei möglichen Sternen ausgezeichnet worden. Erst vor wenigen Wochen war diese Beurteilung in der jüngsten Michelin-Ausgabe bestätigt worden. Außer Henkel gibt es derzeit in Hessen nur zwei weitere Zwei-Sterne-Köche: Jochim Busch und Andreas Krolik von den Frankfurter Restaurants „Gustav“ und „Lafleur“.

          Bemerkenswert ist das Aus für Henkel auch deshalb, weil die Auslastung des Gourmetrestaurants auf Burg Schwarzenstein dem Vernehmen nach trotz des außerordentlich aufwendigen Betriebs, den ein solches Spitzenlokal zwangsläufig verlangt, vor der Corona-Krise sehr gut gewesen war. Auch von Differenzen innerhalb des Hauses ist nichts bekannt, einige Beobachter sprachen zuletzt allerdings von einem offensichtlich nachlassenden Interesse des Betreiberehepaars an dieser Art der besonders kostspieligen Sterne-Gastronomie.

          Weitere Themen

          Die Vergessenen

          FAZ Plus Artikel: Frankfurter in Afghanistan : Die Vergessenen

          Mohammad und seine sieben Kinder stecken in Pakistan fest. Amir sucht einen Weg durch die Berge hinter Kabul für seine Geschwister. Wie Hunderte deutsche Staatsbürger warten die Frankfurter darauf, vor den Taliban gerettet zu werden.

          Ein Blick in die Zukunft

          Heute in Rhein-Main : Ein Blick in die Zukunft

          Inzidenz und Hospitalisierungsrate sinken, doch die Corona-Lage bleibt schwer einzuschätzen. Sperren Gastronomen und Frisöre bald die Ungeimpften aus? Und am Freitag kommt die Zukunftsausgabe der F.A.Z. heraus. Die Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgiewa

          Kristalina Georgiewa : Manipulationsverdacht gegen IWF-Chefin

          Chinas Position im vielbeachteten „Doing Business“-Ranking wurde offenbar auf Anweisung der Weltbank-Führung nach oben gehievt. Ein Prüfbericht führt die Unregelmäßigkeiten auf die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.