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Übernahme in Chemiebranche : „Hochzeit im Himmel“

Stratege: Achim Riemann, Chef der International Chemical Investors Group Bild: Röth, Frank

Der Erwerb des Frankfurter Traditionsunternehmens Allessa durch die International Chemical Investors Group ist eine „Hochzeit im Himmel“. Doch wird sie besser sein als einst die Ehe von Daimler und Chrysler, wie ICIG-Chef Riemann vorhersagt.

          Auf den ersten Blick scheint es so, als vertrete Achim Riemann einen Finanzinvestor, also eine sogenannte Heuschrecke. Zu diesem Schluss kann einen Beobachter schon der Name seines Unternehmens verleiten: International Chemical Investors Group haben Riemann und sein Geschäftspartner Patrick Schnitzer ihre Firma genannt. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die kurz ICIG genannte Gruppe nicht als Vertreter der Private-Equity-Welt. ICIG führt keinen Gemischtwarenladen mit Tochtergesellschaften aus allen möglichen Branchen. Vielmehr ist das Unternehmen ein strategischer Investor, der sich ganz auf Chemie und Pharma als Geschäftsfelder konzentriert. Künftig wird das Chemieunternehmen Allessa GmbH aus Frankfurt dazugehören.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er sage stets, ICIG sei zwar ,private‘ und habe ,equity‘, also Eigenkapital - „aber wir sind nicht Private Equity“, hebt Riemann in seinem Frankfurter Büro mit Blick auf Hauptwache und Zeil hervor. Nun setzen Riemann und Schnitzer eben Eigenkapital ein, um die Gruppe mit dem Fechenheimer Neuzugang zu verstärken. Wie viel sie sich das Unternehmen kosten lassen, behalten sie für sich. Riemann macht aber kein Hehl aus seiner Zuversicht, eine gute Geschichte zu schreiben: „Das ist eine Hochzeit im Himmel - aber wir sind davon überzeugt, dass sie besser ausgeht“, sagt er in Anspielung auf die missglückte Fusion der Autobauer Daimler und Chrysler. Deren Zusammengehen war 1998 als „Marriage made in heaven“ angekündigt worden, doch sank der Wert von Chrysler in den Folgejahren dramatisch. 2007 wurde die Autobauer-Ehe geschieden.

          Verbund wiederbelebt

          Von der Übernahme der Allessa durch die International Chemical Investors Group werden dagegen beide Seiten profitieren, wie Riemann und Karl-Gerhard Seifert als Chef der bisherigen Allessa-Mutter Cassella GmbH meinen. Seifert führt an, fortan werde ein Verbund der ehemaligen Hoechst-Standorte Griesheim und Höchst wiederbelebt, der vor rund 15 Jahren durch die Aufspaltung des Chemiekonzerns zerstört worden sei.

          Denn die ICIG betreibt in Griesheim und Höchst fünf Betriebe mit insgesamt 300 Beschäftigten, in denen die Tochtergesellschaft Weylchem Produkte für Agrarchemikalien und für Farbpigmente herstellt. Die Allessa ist außer im Werk Fechenheim, das ehedem auch zu Hoechst gehörte, ebenfalls in Höchst und Griesheim vertreten. Und sie verdient Geld unter anderem mit Pigmenten und Vorprodukten für Pflanzenschutzmittel und für Arzneimittel, die nach Worten von Seifert gut laufen. Außerdem ist sie ein großer Hersteller eines Stoffs, der für die Produktion des in Windeln verarbeiteten Superabsorbers gebraucht wird.

          Standortvorteil infolge von Fracking

          Der Verbund aus Weylchem und der 890 Beschäftigte zählenden Allessa, die ihre Geschäftsführung behält, wird laut Riemann unter den fünf größten Auftragsproduzenten für Agrarchemikalien weltweit sein. Die langfristigen Aussichten für dieses Geschäftsfeld erachtet der ICIG-Chef als sehr gut, weil die Nachfrage schon aufgrund des Bevölkerungswachstums steige. Zweitens habe die Welle der Betriebsverlagerungen nach China ihren Scheitelpunkt überschritten.

          Daraus ergeben sich neue Chancen für Unternehmen in Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Riemann sieht sogar eine mögliche Renaissance kommen. Denn in Amerika sind dank Fracking die Preise für Erdgas stark gefallen - ein klarer Standortvorteil. Diesen Vorteil genießt auch die ICIG, da sie dort Tochterfirmen hat.

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