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Fall-Rekord in Hessen : Frankfurt der neue Hotspot unter den deutschen Metropolen

Aufgabe: Abstand halten bleibt neben Hände waschen und Alltagsmaske tragen das Gebot der Stunde, alle drei bilden die sogenannten AHA-Regel Bild: dpa

Gut 50 Prozent mehr Corona-Neuinfektionen als am Vortag meldet das Robert-Koch-Institut für Hessen. Das bedeutet einen neuen Rekord. Frankfurt löst Offenbach als Hotspot ab.

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          Eine derart hohe Zahl von neuen bestätigten Covid-19-Fällen ist in Hessen von einem Tag auf den anderen noch nicht gemeldet worden. Das Robert-Koch-Institut spricht von 1133 Neuinfektionen. Das ist ein Plus von 51 Prozent zum Mittwoch. Der bisherige Rekord von 882 weiteren Infizierten datierte vom 17. Oktober. Seit Beginn der Pandemie im März summieren sich die bestätigten Infektionen auf 28.440. Mehr sind es nur in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Zum Vergleich: Am 1. September waren es noch knapp 15.600. Vor diesem Hintergrund und dem allgemein sehr regen Infektionsgeschehen in Deutschland gibt sich der Chef des RKI sehr besorgt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Frankfurt hat sich vor Offenbach und den Kreis Groß-Gerau an die Spitze der Liste der Hotspots in Hessen gesetzt. Das RKI weist für die Stadt nun eine Sieben-Tage-Inzidenz von 143,8 aus, das sind die neuen Fälle binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern. Einen höheren Wert weist keine andere Metropole in Deutschland aus; unter den größeren Städten liegen Solingen und Herne leicht darüber (siehe Karte). Frankfurt kam zuvor auf 124,4.

          Auch in Offenbach bleibt das Infektionsgeschehen außerordentlich rege. Für die Nachbarstadt von Frankfurt steht ein Wert von gut 126 zu Buche nach 129 zuvor. Im Kreis Groß-Gerau ist die Inzidenz von knapp 100 auf gut 110 gesprungen. In Kassel entspannt sich die Lage nach einem Ausbruch des Virus in einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes zusehends. Die Inzidenz ist von mehr als 100 auf 70 gesunken.

          Warum das RKI etwas hinterher hinkt

          Die Mainmetropole hatte für sich am Mittwoch schon 5431 seit März bestätigte Fälle ausgewiesen, 117 mehr als am Vortag. Das RKI sprach dagegen von 5352. Die Lücke rührt daher, dass das Bundesinstitut die von den Gesundheitsämtern registrierten Zahlen nicht einfach übernimmt, sondern doppelt prüft. Deshalb hinkt es zeitlich etwas hinterher. Frankfurt schreibt sich selbst gut 1300 aktive Fälle zu, also Personen mit nicht ausgestandenen Infektionen.

          Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden verschärft sich das Infektionsgeschehen weiter deutlich. Es stehen nun 93 neue Fälle binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern zu Buche nach 82 zuvor. Das benachbarte Mainz kommt auf 75.

          Unter der ersten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes Hessen (siehe Grafik) war zuletzt nur der ländliche Werra-Meißner-Kreis. Nun liegt aber auch er auf der ersten Warnstufe mit einem Wert von knapp 22.

          Die Zahl der Menschen, die an den Folgen ihrer Corona-Infektion gestorben sind, hat sich seitdem von 532 auf 593 erhöht. Über Nacht sind drei weitere Corona-Opfer hinzu gekommen. Mithin verlangsamt sich der Anstieg der Todesfälle wieder, denn an den Vortagen waren acht und sechs weitere Tote gemeldet worden.

          Rund 20.800 Genesene

          Die Gruppe der Genesenen war an den Vortagen jeweils um 200 bis 300 Personen gewachsen. Dabei bleibt es. Laut RKI sind es nunmehr etwa 20.800 Männer, Frauen und Kinder ihre Infektion hinter sich haben. Statistisch kommen gut 35 Genesene auf einen Corona-Toten; das ist ein neuer Bestwert.

          Das RKI schätzt die Zahl der Genesenen im übrigen nur. Eine Infektion gilt nach gut zwei Wochen als ausgestanden. Wer dann nicht ärztlich behandelt, wird als genesen betrachtet, wie es heißt.

          Sprunghaft mehr beatmete Patienten

          Angesichts stark steigender Corona-Infektionszahlen gilt im Klinikum Fulda von diesem Freitag an wieder ein komplettes Besuchsverbot. Ausnahmen könnten im Einzelfall nach Rücksprache mit der Station für werdende Väter, Besuche in der Kinderklinik sowie auf den Intensivstationen und der Palliativstation gemacht werden, teilte das Klinikum am Donnerstag laut dpa mit. Ähnliche Vorgaben gelten auch etwa in Wiesbaden und im Frankfurter Uni-Klinikum.

          Die Kliniken in Hessen behandeln deutlich mehr Covid-19-Patienten als noch vor einer Woche. Sprunghaft gestiegen ist die Zahl jener, die sich auf Intensivstationen befinden und beatmet werden müssen. Wie das Sozialministerium der F.A.Z. am Mittwoch mitteilte, liegen 567 Corona-Kranke in einer Klinik, vor Wochenfrist waren es noch 399 gewesen. Nach zuvor 67 Patienten sind nun 110 Personen an Beatmungsgeräte angeschlossen. Das ist eine Zunahme um fast zwei Drittel.

          Umgekehrt stehen weniger Betten an hessischen Krankenhäusern zur Verfügung. 6033 sind laut Ministerium frei, das ist ein Minus von 155. Darunter sind 599 sogenannte Beatmungsbetten, 62 weniger als vor Wochenfrist. Diese Zahlern werden wöchentlich aktualisiert. Ob es auch überall ausreichend geschultes Personal für jedes freie Bett gibt, teilte das Ministerium nicht mit.

          Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

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