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20 weitere Todesfälle : Hessen bereitet sich auf Impfungen gegen Corona vor

Mahnung: Maske aufsetzen bleibt das Gebot der Stunde als Schutz gegen das Corona-Virus, ob an der Uni Frankfurt, wo diese Aufnahme entstand, oder anderswo Bild: Lando Hass

Beinahe 100 neue Corona-Fälle weniger als zu Wochenbeginn stehen für Hessen zu Buche. Dafür gibt es deutlich mehr Todesfälle in Verbindung mit der Pandemie. Hessen bereitet sich auf Impfungen vor. Eine Frage bleibt aber.

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          Das Land Hessen bereitet sich nach Angaben des Sozialministeriums auf den Start der Corona-Impfungen vor. Das sogenannte Corona-Kabinett der Landesregierung habe beschlossen, im Corona-Krisenstab eine Gruppe einzurichten, die künftige Impfungen steuern soll. „Noch gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Virus. Aber die Bundesregierung hat einen Impfstoff in den nächsten Wochen in Aussicht gestellt. Wir bereiten uns schon jetzt so gut wie möglich darauf vor, damit die nötigen Prozesse dann möglichst reibungslos und zügig erfolgen können. Grundlage der Impfungen ist die nationale Impfstrategie, die derzeit von der Bundesregierung konzipiert wird“, werden Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) und Innenminister Peter Beuth (CDU) zitiert, die seit Beginn der Pandemie den Corona-Krisenstab der Hessischen Landesregierung leiten.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Abermals stehen für Hessen vierstellige bestätigte Corona-Neuinfektionen zu Buche. Das Infektionsgeschehen bleibt also auf hohem Niveau. Allerdings meldet das Robert-Koch-Institut mit 1219 Fällen weniger als am Vortag, als 1307 verzeichnet wurden. Am 31. Oktober waren es noch mehr als 1900 und damit Rekord gewesen. Kräftig gestiegen ist dagegen die Zahl der Corona-Toten. Das für die Seuchenbekämpfung federführende Bundesinstitut spricht von 20 weiteren Todesfällen in Zusammenhang mit der Pandemie. Ähnlich viele hatte es zuletzt im Frühjahr gegeben. Seinerzeit hatten sich auch und gerade ältere Personen mit Vorerkrankungen angesteckt. Diese Personengruppe gilt als weniger widerstandsfähig als jüngere Menschen, die sich in den vergangenen Wochen vermehrt infiziert hatten, wie etwa die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek im F.A.Z.-Interview festgestellt hatte.

          Seit Beginn der Pandemie im März sind alles in allem 683 Corona-Opfer bei insgesamt 44.598 bestätigten Fällen bekannt geworden. Zum Vergleich: Am 1. Oktober standen noch gut 19.000 Infektionen und 551 Todesfälle seit März in den Akten. Der steile Anstieg zeigt die Triebkraft der Pandemie.

          Hotspot nur wegen Rechenfehlers?

          Weiter deutlich größer wird die Gruppe der Menschen, die als genesen gelten. Nach Angaben des RKI haben etwa 26.800 Frauen, Männer und Minderjährige ihre Corona-Infektion hinter sich. Das sind rund 700 mehr als zu Wochenbeginn. Die hohe Zahl der frisch Genesenen dürfte eine Folge der zuvor festgestellten starken Zunahme der Fälle sein: Eine Corona-Infektion gilt gemeinhin nach zwei Wochen als ausgestanden. Wer dann nicht ärztlich betreut wird oder verstorben, gilt als geheilt. Das RKI schätzt die Zahl der Genesenen aber nur, sie wird mangels verlässlicher Daten und angesichts der Dunkelziffer von Infektionen ohne Krankheitszeichen nicht amtlich erhoben.

          Umstritten bleibt derweil, ob der Landkreis Marburg-Biedenkopf der deutsche Hotspot schlechthin derzeit ist oder sich zumindest mit an der Spitze befindet. Der jüngste Lagebericht des RKI sieht die Mittelhessen an der Spitze, der Landkreis selbst spricht von einer deutlich niedrigeren, wenn auch hohen Zahl neuer Fälle binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern. Beide Seiten wollen ihre Daten abgleichen und die Frage beantworten. Am Montag wies das RKI für den Landkreis eine Inzidenz von fast 295 aus, am Dienstag steht ein Wert von gut 277 zu Buche.

          Intensivbetten zunehmend belegt

          Frankfurt kommt auf 233, was eine Stagnation bedeutet. Für die Nachbarstadt Offenbach nennt das Bundesinstitut einen Wert von 245 nach 258 am Vortag. Die Landeshauptstadt Wiesbaden kommt auf 186 nach 191, das benachbarte Mainz auf 140 und Darmstadt auf 170. Außer dem Werra-Meißner-Kreis, der unter die Marke 50 gerutscht ist, liegen alle Landkreise und Großstädte in Hessen unter dieser kritischen Inzidenzschwelle nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik).

          In ganz Hessen liegen laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin 219 Corona-Patienten auf Intensivstationen, 116 von ihnen müssen demnach invasiv beatmet werden, das sind 52 Prozent. Am Sonntag war noch von 183 Patienten und 98 Beatmeten die Rede. 468 Intensivbetten gelten als frei. Ob auch für alle ausreichend geschultes Personal zur Verfügung steht, ist eine andere Frage. Zuletzt hatte sich der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Frankfurt in dieser Hinsicht besorgt gezeigt.

          In Hessen wehren sich derweil die ersten Betriebe gegen ihre abermaligen Schließungen durch den Teil-Lockdown in der Corona-Pandemie. Es sind einige infektionsschutzrechtliche Normenkontroll-Eilverfahren beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eingegangen. Geklagt haben die Betreiber eines Tattoo-Studios, eines Yoga-Studios und einer Musikschule. Wann Hessens oberstes Verwaltungsgericht darüber entscheidet, blieb unklar, meldet die Deutsche Presse-Agentur.

          Wieso die Inzidenz eine zentrale Kennziffer zur Bewertung des Verlaufs der Pandemie bleibt, aber ihre Einschränkungen hat, erläutert die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek im F.A.Z-Interview. Wie sich Büro-Arbeiter angesichts der potentiellen Ausbreitung von Viren in Räumen am besten schützen können, sagt der Arbeitsmediziner David Groneberg.

          Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Maskerade: Junge Frauen und Männer üben sich an der Uni-Frankfurt im Corona-Modus
          Maskerade: Junge Frauen und Männer üben sich an der Uni-Frankfurt im Corona-Modus : Bild: Lando Hass

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

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