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Baustellen in der Krisenzeit : „Wir versuchen, die ruhige Zeit zu nutzen“

  • -Aktualisiert am

Baustelle in Frankfurt: Die Arbeit geht weiter. Bild: Helmut Fricke

Nicht alles kommt wegen Corona zum erliegen. Im Straßenbau wird auch während der Pandemie weitergearbeitet. Weniger Fußgänger und Autos in Frankfurt machen manches für die Arbeiter einfacher.

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          Uta Renaud mag es kaum laut sagen – aber sie profitiert davon, dass weniger Menschen auf den Straßen sind. „Es gibt einfach weniger Fußgänger und weniger Fahrzeuge“, sagt die Bauingenieurin, die für eine der wichtigsten Baustellen im Frankfurter Westen zuständig ist: den Umbau der Kreuzung von Kurmainzer Straße, Dunantring und Sossenheimer Weg zu einem Kreisel. Das Vorhaben, mit dem das Amt für Straßenbau und Erschließung Anfang März begonnen hat, soll Ende April 2022 fertig sein, 2,2 Millionen Euro sind für Planung und Bau veranschlagt.

          „Wir versuchen diese ruhige Zeit zu nutzen“, sagt Renaud. Gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Oliver Böttger hat sie beschlossen, das Baufeld zu vergrößern und einen größeren Teil der Straße in Anspruch zu nehmen. „So können wir effektiver arbeiten und Dinge gleichzeitig erledigen, die wir ansonsten nacheinander abarbeiten müssten.“ So steht derzeit am Beginn des Dunantrings nur auf einer Seite ein Bürgersteig zur Verfügung. Aber das reicht in Zeiten der Kontaktsperre. Der andere Gehweg wird aufgerissen und vorbereitet, um neue Leerrohre für Stromleitungen zu verlegen. Vielleicht ist der Gehweg – so hoffen Renaud und Böttger zumindest – an dieser Stelle schon fertig, „wenn der Normalbetrieb wieder läuft“. Normalbetrieb bedeutet an dieser Stelle in der Stadt, dass jeden Tag zahlreiche Passanten auf den Gehwegen unterwegs sind, darunter auch viele Grundschüler von der nahen Henri-Dunant-Schule.

          Weniger Gefahrenpotential

          „Ich genieße es, dass derzeit keine Schulkinder im Kreuzungsbereich unterwegs sind“, sagt Andreas Quint von der Straßenbaufirma Wilhelm Schütz, die im Auftrag der Stadt tätig ist. Kinder seien unberechenbarer, hielten sich weniger an Absperrungen und Umleitungen als Erwachsene. Quint ist als Polier unter anderem auch dafür zuständig, dass auf der Baustelle, auf der ständig große Lastwagen fahren und zum Teil rückwärts rangieren müssen, nichts passiert. Die Auswirkungen der Corona-Krise „machen die Baustelle für uns einfacher“, sagt er und beobachtet nur einen Augenblick später zusammen mit Renaud, wie ein Autofahrer auf dem Sossenheimer Weg gegen die Fahrtrichtung fährt, obwohl die Straße seit Baubeginn eigentlich eine Einbahnstraße ist.

          Solche Situationen sind die beiden gewohnt. „Wir müssen in aller Regel unter Verkehr bauen“, sagt Renaud und meint damit, dass ihre Arbeitsplätze fast immer verkehrsumtost sind. Mitunter werden sie sogar aus vorbeifahrenden Autos heraus angepöbelt, weil Autofahrer mit

          der baustellenbedingten Verkehrsführung nicht zufrieden sind oder ihnen unterstellen, nicht schnell genug zu arbeiten. Auch in diesem Punkt sind Zeiten, in denen weniger Menschen auf den Straßen unterwegs sind, gute Zeiten für alle, die im Straßenbau tätig sind.

          Ärgern sie sich, dass sie arbeiten müssen, während andere zu Hause bleiben können? „Wir dürfen arbeiten“, sagt Quint, und es klingt nicht so, als wären er oder seine Kollegen unzufrieden mit diesem Zustand. Mit den Schwierigkeiten, die offenbar auf zahlreichen Häuser-Baustellen herrschen, weil dort tätige Arbeiter aus Osteuropa in ihre Heimat gereist sind, muss sich Quint nicht herumschlagen. Die Straßenbaufirma Schütz aus dem Kreis Limburg-Weilburg hat 300 Mitarbeiter – und noch seien alle da. „Wir haben aber auch keine Saisonarbeiter“, Straßenbau gebe es immer.

          „Vier Mann auf 20 Quadratmeter“

          Das Virus hat lediglich den Aufenthalt während der Pause verändert: Im Container sitzt nun jeder an einem eigenen Tisch. „Vier Mann auf 20 Quadratmeter“, sagt Quint, „besser geht es nicht.“

          Und im Amt für Straßenbau? „Das Tagesgeschäft geht weiter“, bestätigt Amtsleiterin Michaela Kraft. „Zunächst jedenfalls.“ Ein großer Teil der 270 Amtsmitarbeiter sei mittlerweile im Homeoffice tätig. Besprechungen fänden nur noch in Kleinstrunden statt, und auch auf den Baustellen stünden nicht mehr wie sonst zehn bis 20 Personen zusammen, um sich auszutauschen. Am neuen Kreisel in Sossenheim treffen sich die Verantwortlichen nur noch zu dritt: Renaud als Projektleiterin, der Polier Quint und ein Vertreter des beauftragten Planungsbüros.

          Die Hoffnung, dass das effektivere Arbeiten auf der Baustelle dazu führen könnte, dass alles schneller fertig wird, trügt allerdings. „Vielleicht können wir vier Wochen reinholen“, sagt Böttger, „das wäre schon gut.“ Es seien an dieser Baustelle zu viele Gewerke beteiligt, es müsse vom Strom bis zum Abwasser alles neu verlegt werden, sagt auch Renaud: „Schneller geht nicht.“

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