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Eintracht gegen Arsenal : You tricky bastards

Sie hätten gar nicht dort sein dürfen: Eintracht-Fans im Emirates Stadium in London Bild: dpa

Beim Europapokal der Frankfurter Eintracht bei Arsenal London sollten die deutschen Fans eigentlich draußen bleiben. Ein paar Tausend schafften es aber doch ins Emirates-Stadium – und sangen lauter als die Anhänger der Heimmannschaft.

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          Auf dem Weg zur U-Bahn war es dann ja auch egal. Da haben sich Vater und Sohn aus Eschborn ohne Scheu als Eintracht-Fans zu erkennen gegeben und auf der Straße mit ein paar enttäuschten Einheimischen geplaudert. „Wie zum Teufel seid Ihr überhaupt reingekommen“, hätten die gefragt, erzählt der Fünfzigjährige am Morgen nach dem 2:1-Erfolg der Eintracht bei Arsenal London. Na, ganz einfach: mit zwei rotweißen Arsenal-Schals. Breites Grinsen auf Seiten der deutschen Gäste – ein anerkennendes „you tricky bastards“ von den englischen Heimfans.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei war die Finte des Eschborners und seines neunzehnjährigen Sohnes gar nicht so besonders originell: Dutzende Frankfurter Fans haben sich am Donnerstagabend auf die gleiche Weise Zutritt zum Londoner Emirates-Stadium verschafft, um trotz des Uefa-Verbots bei der Europapokal-Partie dabei zu sein. „Wir haben einfach den Mund gehalten und sind getrennt durch die Ticketkontrolle gegangen“, berichtet der Vater. Beim Eintreffen des Eintracht-Busses, da habe es vor dem Stadion tatsächlich „ein bisschen Bewegung“ mit ein paar Hundert Frankfurtern, „Europapokal“-Sprechchören, Pyro und berittener Polizei gegeben – „aber da haben wir uns rausgehalten, wir wollten ja das Spiel sehen.“

          Die Tickets haben die beiden nicht auf irgendwelchen illegalen Wegen, sondern von einem Londoner Freund bekommen. Aber weil das Stadion am Ende zu kaum einem Drittel gefüllt war, konnten sie sich schon zur Halbzeit vom Oberrang auf die Plätze hinter einem der Tore schleichen – und dort dann die beiden Treffer von Kamada aus nächster Nähe verfolgen. Nach dem zweiten hätten die vielen versprengten Frankfurter auf allen Tribünen trotz der großen Zahl an Ordnern schließlich auch „etwas weniger verhalten“ jubeln können – zumal von den Rängen dann auch die sogar in der Fernsehübertragung deutlich zu hörenden „Hurra, Hurra, die Frankfurter sind da“-Rufe durch das ganze Stadion schallten.

          „Sensationell“ war der Abend auch für Eintracht-Fan Florian Schmidbauer, der das Spiel aus dem Business-Bereich der Arena verfolgte. Die 150 Pfund teuren Tickets hatten er und rund 1000 weitere Frankfurter schon vor der offiziellen Vorverkaufsphase gekauft, ganz offiziell. Trotzdem seien sie zunächst neutral ins Stadion gegangen, durch die Kontrollen der Londoner Ordner, die vor der Partie angedroht hatten, Frankfurter Fans erst gar nicht rein zu lassen oder aus dem Stadion zu werfen. „Wir hatten unsere Eintracht-Klamotten drunter“, berichtet Schmidbauer.

          Im Stadion habe man sich auch mit Blick auf die angedrohten Konsequenzen ruhig verhalten – zunächst. „Bis zum 1:1-Ausgleich“, erzählt der Vorstand des Eintracht-Fanclubs „Around the world“. Dann waren die meisten Anhänger nicht zu halten. Weil die Ordner sie singen und tanzen ließen, wurde die Unterstützung lauter. „Das war das erste Spiel der Geschichte, in dem die Fans der Heim-Mannschaft leiser waren als die Fans, die überhaupt nicht da waren“, sagt Schmidbauer. Selbst die Arsenal-Anhänger hätten sich den Frankfurter Sympathisanten gegenüber anerkennend gezeigt. Zumal noch viel mehr in der Hauptstadt waren als im Stadion, schätzungsweise 3000 bis 4000. Schmidbauer kann dafür keinen Beweis, aber Indizien liefern: „Die Pubs in London waren alle voll mit Eintracht-Fans.“

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