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Erfinder des Getränks : Doktor de le Boë und der Gin

Dauerbrenner unter den Barkeepern: der Gin und seine Erfolgsgeschichte Bild: Reuters

Ein Arzt aus Hanau gilt als der Erfinder von Genever und Gin. In der Stadt ist man bis heute stolz auf diesen Beitrag zur Barkultur. So kam es zur Entdeckung des beliebten alkoholischen Getränks.

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          Eine Stadt kann sich auch dann noch über einen ihrer Söhne freuen, wenn der seine Heimat verlassen hat – sofern der Weggezogene anderswo Großes leistet. Dann fällt ein wenig Ruhm auf den Geburtsort zurück. So freuen sich die Hanauer von heute, dass es einer von ihnen war, der vor mehr als drei Jahrhunderten maßgeblich zur Entwicklung des Gins beigetragen hat: François de le Boë. Seine Erfindung aus Alkohol und Wacholder machte er weit weg von Hanau, nämlich in der Universitätsstadt Leiden in Holland, wo er als Arzt und Dozent wirkte. Geboren worden war er 1614 im Haus mit dem Namen „Zur Stadt Amsterdam“ an der Ecke von Römer- und Glockenstraße in Hanau, das seine Eltern, calvinistische Glaubensflüchtlinge und Kaufleute aus Flandern, hatten errichten lassen.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als jungen Mann zog es François de le Boë in die Ferne, an die Universitäten in Leiden und Basel, wo er bis 1637 Medizin studierte. Danach kam er für eine kurze Zeit zurück nach Hanau und praktizierte als Arzt, bevor er erneut zu Studienreisen nach Paris und Amsterdam aufbrach. Schließlich berief ihn die Universität Leiden 1658 zum Professor für Medizin. Dort richtete er ein chemisches Labor ein, das erste überhaupt an einer europäischen Universität. François de le Boë wurde zu einem führenden Mediziner seiner Zeit. Für seine wissenschaftlichen Bücher latinisierte er seinen Namen, so dass seine Forschungsergebnisse unter Franciscus Sylvius bekannt sind. Noch heute gilt er als Begründer der naturwissenschaftlich ausgerichteten Heilkunde, weil er sich der Methoden der Chemie bediente.

          Lieblingsspirituose der Barkeeper

          So kam es auch zu seinem Beitrag zur Erfindung des Gins, der heute eine Lieblingsspirituose der Barkeeper ist, weil sie sich so vielseitig mixen lässt. Doch als der Arzt Alkohol mit Pflanzenauszügen unter anderem aus Wacholderbeeren versetzte, wollte er gar kein Genussmittel herstellen, sondern ein Medikament, nämlich ein Mittel gegen Magenbeschwerden. In vielen Quellen aus dem 17. Jahrhundert wird der Hanauer als Erfinder des Genevers genannt, des Wacholderschnapses, der heute noch in den Niederlanden gern getrunken wird und der zum Vorläufer des englischen Gins wurde.

          Im Krieg zerstört: Geburtshaus des Erfinders de le Boë

          Sein Beitrag zur Entwicklung dieser Spirituose ist allerdings historisch umstritten, weil schon im 16. Jahrhundert in Holland Genever getrunken wurde. Zumindest dürfte Franciscus Sylvius der Erste gewesen sein, der die würzige Spirituose wissenschaftlich beschrieb und als Heilmittel einsetzte. François de le Boë starb 1672 in Leiden und wurde dort beigesetzt. In Hanau erinnert an ihn eine Gedenktafel an dem Gebäude, das heute anstelle seines Geburtshauses steht, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

          Doch nicht nur die Tafel mit dem Lebenslauf hält die Erinnerung an den Arzt und Erfinder wach. Sein Vermächtnis, die feine Spirituose mit Wacholder und anderen würzigen Aromen, lebt in seiner Geburtsstadt wieder auf. Vor zwei Jahren gingen ein Gastronom und ein Marketing-Mann daran, einen Hanauer Gin zu kreieren. Rocky Musleh und Lutz Hanus gaben ihm in Anspielung auf François de le Boë den Namen „François – Hanau Dry Gin“ und gestalteten auch das Etikett ganz lokalpatriotisch, mit einem Schwan, dem Wappentier der Stadt. Neben Wacholderbeeren, der unverzichtbaren Hauptzutat jedes Gins, werden für das Hanauer Aroma unter anderem Koriander, Eisenkraut, Hibiskus- und Lorbeerblüten, Muskatellersalbei, Basilikum, Grapefruit und Blutorange zugegeben, wie Hanus und Musleh verraten. Das Ergebnis duftet nach Zitrusfrüchten und schmeckt mild-herb. Als Medizin, also so, wie von François de le Boë ursprünglich vorgesehen, wird der Hanau-Gin aber nicht eingesetzt: Niemand wartet erst auf ein Magenleiden, bevor er sich ein Gläschen genehmigt.

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