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Ökologisch reinigen : Wer steckt hinter Dr. Beckmann Fleckenteufel?

  • -Aktualisiert am

In der vierten Generation angekommen: Nils Beckmann mit Vater und Inhaber von Delta Pronatura Heiner Beckmann Bild: Helmut Fricke

Das Unternehmen Delta Pronatura in Egelsbach wächst mit Fleckenreinigern und Lippenbalsam. Und gibt sich zunehmend ökologisch.

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          Das Zauberkürzel lautet „CSR“. Es steht für „Corporate Social Responsibility“. Unternehmerische soziale Verantwortung. So bezeichnet man nachhaltiges Wirtschaften, das über gesetzliche Forderungen hinausgeht und sich nicht in Äußerlichkeiten wie Produktsiegeln erschöpft. Der Konzern Delta Pronatura hat diese Maxime zur Firmenphilosophie erklärt. Das Geschäft soll umweltverträglich, sozial und ethisch betrieben werden. Die Cousins Heiner Beckmann und Gerhard Krauss führen das in Egelsbach ansässige Unternehmen in der dritten Generation und betrachten sich in puncto „CSR“ als Vorreiter.

          Kai Spanke

          Redakteur im Feuilleton.

          Delta Pronatura vertreibt unter anderem die Artikel der 1982 erworbenen Marke Bullrich sowie Lippen- und Hautpflegeprodukte von Blistex und Bi-Oil. Am erfolgreichsten jedoch verkauft sich der Fleckenteufel von Dr. Beckmann. Da Fleck nicht gleich Fleck ist, gibt es ihn in acht verschiedenen Varianten, zum Beispiel mit Farbpartikel-Löser zur Entfernung von Filzstiftspuren und Tinte und mit Aktiv-Sauerstoff-Booster gegen Rotwein-, Kaffee- und Obstkleckse. Dafür braucht es aggressive Chemie. Wie geht das mit dem postulierten Umweltbewusstsein zusammen? Heiner Beckmann, 71 Jahre alt und von Haus aus Apotheker, gibt zu bedenken: „Ein Produkt, das nicht wirkt, das ist für mich umweltschädlich – verschwendete Chemie. Wir sagen: Der Fleck muss rausgehen. Alles drumherum sollte umweltfreundlich sein: Flaschen etwa oder Kartonagen.“

          Damit ist es allerdings noch nicht erledigt. Das Unternehmen verfügt über eine der größten Photovoltaik-Anlagen Südhessens. Die mehr als 2500 Module könnten den jährlich anfallenden Strombedarf von rund 130 Haushalten decken. Außerdem sind alle Produkte von Dr. Beckmann frei von Mikroplastik; die Effizienz des Kochfeldreinigers verdankt sich beispielsweise Polierperlen aus Aprikosenkernen. Und dann wurde Ende März noch auf dem Firmengelände eine E-Zapfsäule installiert, die nun der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Umwelt und Soziales sind für den Betriebswirt Krauss nicht zu trennen. Ein Sammeltaxi-Dienst, der die Mitarbeiter vom Bahnhof zur Firma bringt, würde etwa dazu motivieren, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Konkret geplant ist das noch nicht, angedacht hingegen schon.

          160 Millionen Euro Umsatz

          Das Unternehmen wurde 1934 in Berlin gegründet. 1951 erfolgte ein Umzug nach Frankfurt-Sachsenhausen, 1963 ging es nach Neu-Isenburg. Seit 2001 befindet sich der Sitz in Egelsbach. „Als ich angefangen habe“, sagt Beckmann, „haben wir mit 28 Mitarbeitern drei Millionen Euro Umsatz gemacht.“ Das war 1974. Heute sind gut 400 Angestellte bei Delta Pronatura beschäftigt, rund 210 davon in Deutschland. Der Umsatz beläuft sich auf mehr als 160 Millionen Euro, die Produkte werden in 80 Länder exportiert. 2018 hat das Unternehmen insgesamt 54 neue Beschäftigte fest angestellt. Krauss fasst den Stand der Dinge mit diesen Worten zusammen: „Wir haben in den letzten sieben Jahren den Umsatz verdoppelt, und das wollen wir in den nächsten sieben Jahren auch wieder tun.“

          Eine so gut laufende Firma weckt Begehrlichkeiten. Allerdings werden Übernahmeangebote kategorisch abgelehnt. „Wir hätten das Unternehmen schon vor 20 Jahren verkaufen können“, hebt Beckmann hervor, „aber wir sind nicht käuflich.“ Stattdessen konzentrieren sich die Cousins darauf, das organische Wachstum voranzutreiben. Krauss sagt: „In Frankreich haben wir vor zwei Jahren eine eigene Tochtergesellschaft gegründet. So werden in den nächsten Jahren auch noch in weiteren Ländern, die für uns wichtig genug sind, eigene Gesellschaften hinzukommen.“

          Produkte an die Regionen angepasst

          Überhaupt das Ausland. Delta Pronatura passt die Produkte jenen Regionen an, in denen sie vertrieben werden: andere Verpackung, Gebrauchsanweisung in der jeweiligen Landessprache. So gibt es den Fleckenteufel auch in Asien, dort jedoch zusätzlich in einer Ausführung gegen Curry- und Saucenrückstände. „Das war immer schon so“, sagt Beckmann, „weil wir das persönlicher finden.“

          Auch im Büro setzen die Chefs auf Nähe. Wer etwas von ihnen wolle, könne jederzeit an die Tür klopfen, umständliche Terminabsprachen seien meistens nicht nötig. Diese Struktur begünstigt auch kurze Entscheidungswege, was Krauss besonders zu schätzen weiß: „Es gibt einfach manchmal diese Situation, in der wir zusammensitzen und sagen: ,Das machen wir jetzt.‘ Und das ist spezifisch für kleine mittelständische Firmen und vor allem für Familienunternehmen.“

          Seit drei Jahren gehört auch Beckmanns Sohn Nils zur Geschäftsführung. Nun ist es an ihm, das ethische Leitbild weiter auszubauen, ressourcenschonend zu wirtschaften, Rezepturen zu verbessern und neue Artikel zu entwickeln. Sein Vater ist in dieser Hinsicht zuversichtlich: „Wir sind innovationsfreudig und haben eine ganze Reihe von Produkten auf den Markt gebracht, die echte Renner geworden sind. Normalerweise liegt die Floprate bei neunzig Prozent. Da liegen wir weit drunter.“ Um die Zukunft von Delta Pronatura muss man sich offensichtlich keine Sorgen machen. Flecken wird es immer geben, und je weißer die Weste, desto besser.

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