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Fahrdienst Uber im Visier : Beulen und ein fast platter Reifen

Viele Mängel: Mithilfe von „Lockvögeln“ kontrollierte die Stadtpolizei Uber-Fahrer. Bild: Frank Röth

Seit langem führen Taxiunternehmen einen Kleinkrieg gegen Uber. Nun gibt es neuen Unmut. Die Stadt Frankfurt reagiert darauf mit scharfen Kontrollen.

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          Zumindest ist das Auto pünktlich. Um Viertel vor vier hält es an diesem Donnerstagnachmittag an der Hamburger Allee vor dem Marriott Hotel. Eine junge Frau steigt ein. Was die Fahrerin, die ebenfalls erst Anfang zwanzig ist, in diesem Moment noch nicht weiß, ist, dass ihr Fahrgast eine Stadtpolizistin ist – nur in Zivil – und dass wenige Sekunden später zwei weitere Polizisten um die Ecke biegen, sich kurz vorstellen und dann erklären, dass heute Kontrollen angesagt seien. Nicht von irgendwelchen Fahrzeugen, sondern von jenen, die im Namen des Fahrdienstleisters Uber unterwegs sind. Weit mehr als hundert sollen es laut Stadtpolizei in Frankfurt sein.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Fahrerin des grauen Skoda Fabia nimmt die Kontrolle gelassen. Dabei finden die Ordnungshüter bei ihr einen Mangel nach dem anderen. Das Auto ist zerbeult, eines der Räder hat verdächtig wenig Luft. Zudem handelt es sich bei der jungen Frau nicht um die Fahrerin, die laut App eigentlich angegeben war. Sie verfügt auch nicht über einen Personenbeförderungsschein für Mietwagen. Vor allem aber, sagt der Leiter der Stadtpolizei, Matthias Heinrich, halte sie sich offenbar nicht an die gesetzliche Regelung, dass das Fahrzeug immer von seinem Betriebssitz aus eingesetzt werden müsse. Das wäre in diesem Fall in Schwanheim gewesen. „Von Schwanheim aus in vier Minuten zum Marriott Hotel an der Messe. Das ist selbst auf freien Straßen nicht zu leisten.“ Dass die Stadt künftig verstärkt das Unternehmen Uber in den Blick nimmt, ist schon seit längerem geplant. Zuletzt häuften sich die Beschwerden des Taxigewerbes. Seit mehr als einem Jahr führen die Taxifahrer einen Kleinkrieg mit dem privaten Fahrdienst. Schließlich begannen einzelne Fahrer, Uber-Autos zu „observieren“. Sie verfolgten deren Fahrten, kontrollierten, ob die Fahrer sich an die Vorgaben hielten. Nur selten war das ihren Beobachtungen zufolge der Fall.

          Das gesammelte Material wurde schließlich dem Ordnungsamt übergeben. Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU), der die Kontrollen vorantreiben will, sagt, es gelte nun, dieses Beweismaterial zu bewerten und sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. „Die Vorwürfe, die die Taxifahrer zusammengetragen haben, sind so massiv, dass wir das nicht ignorieren können.“ Dabei gehe es nicht darum, gegen das Unternehmen Uber an sich vorzugehen. „Über die Betriebserlaubnis entscheiden die Gerichte, nicht wir.“ Der Stadt gehe es jedoch um die Gleichbehandlung. „Wenn wir einem Taxifahrer abverlangen, dass er ein sauberes Fahrzeug hat, einen Personenbeförderungsschein besitzt, dass er Buch führt über seine Fahrten, und dass er Geräte, wie beispielsweise ein Taxameter nutzt, dann müssen wir das auch von einem Uber-Fahrer verlangen. Sonst gibt es eine Wettbewerbsverzerrung, die keiner will.“

          Doch nicht nur am Marriott kontrolliert die Stadtpolizei. Während dort ein Uber-Fahrer nach dem anderen überprüft wird, inspizieren weitere Ordnungsamtsmitarbeiter die Betriebssitze. Fünf Zentralen stehen an diesem Nachmittag auf dem Programm. An den ersten drei Adressen ist niemand anzutreffen. Nur an der vierten hat alles seine Richtigkeit: Die Fahrzeuge stehen vor der Tür, die Touren sind detailliert verzeichnet. Die junge Fahrerin des Skoda darf schließlich weiterfahren, sie muss mit einem Bußgeld in Höhe von rund hundert Euro rechnen. „Wir befürchten“, sagt Sicherheitsdezernent Frank, „dass solche Verstöße kein Einzelfall sind.“

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