https://www.faz.net/-gzg-9wfbq

U-Bahn-Trasse der Linie 4 : Hohe Kosten und großer Aufwand

Anschlussfähig: Für die neue U-Bahn-Strecke könnte eine Station unter dem Theodor-W.-Adorno-Platz gebaut werden. Bild: Maximilian von Lachner

Die U-Bahn-Linie 4 in Frankfurt soll ausgebaut werden. Keine der möglichen Varianten ist ohne Nachteil, Schäden an Bäumen und Gebäuden sind nur zwei der aufkommenden Probleme.

          2 Min.

          Um die Zahl der Varianten für den Ausbau der U-Bahn-Linie 4 von Bockenheim nach Ginnheim weiter einzugrenzen, sind frühzeitige geologische Untersuchungen nötig. Dies wurde in der Sondersitzung des Ortsbeirats 2 deutlich, in der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) die derzeit elf zur Wahl stehenden Streckenverläufe vorstellte. Mehr wissen müsse man vor allem über den Untergrund des Grüneburgparks, der bei sieben Varianten untertunnelt würde. Oesterling kündigte eine Voruntersuchung an, die vom Gründezernat in Auftrag gegeben und von der Verkehrsgesellschaft bezahlt werde.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nur durch geologische Untersuchungen lasse sich klären, ob und in welcher Tiefe unter dem Park U-Bahn-Röhren gebohrt werden könnten, ohne dass die Bäume gefährdet würden, sagte Ralf Klingebiel vom Büro Schüßler-Plan, das die Trassen plant. Ziel ist, die derzeit an der Bockenheimer Warte endende U4 bis zur Platensiedlung in Ginnheim zu verlängern und dort an die Linien 1 und 9 anzuschließen, die weiter in die nördlichen Stadtteile fahren.

          Die möglichen Strecken verteilen sich derzeit auf drei Korridore: Drei Verläufe würden von der Bockenheimer Warte zum Europaturm und weiter nach Ginnheim führen. Zwei Strecken sind weiter östlich möglich und würden entlang des Botanischen Gartens, zur Bundesbank und nach Ginnheim führen. Weitere Trassenvorschläge gibt es für einen Anschluss des Campus Westend. Dabei würde der Grüneburgpark unterfahren. „Hier sind wir klar dagegen“, sagte Gisela Becker von der Bürgerinitiative Grüneburgpark, die Schäden an den Bäumen des Parks befürchtet.

          Anschluss an Campus sinnvoll

          Wolfgang Siefert, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Römer, verwies auf die „historische Chance“, den Campus anzubinden. Es dürfe aber keine baulichen Eingriffe in den Grüneburgpark und keine Risiken für Bäume und Grundwasser geben. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, verlangte noch einmal den direkten Anschluss der Hochschule an die U-Bahn. Die Zahl der Studenten und Mitarbeiter auf dem Campus werde bis 2030 auf gut 30.000 steigen.

          „Der Anschluss würde Sinn machen“, bestätigte Oesterling. Auch sprach er von einer „unzureichenden Kapazität des derzeit nächstgelegenen U-Bahn-Halts Holzhausenstraße. Wenn die U4 zum Campus geführt würde, könnte nach Angaben von Planer Klingebiel entweder am nordöstlichen Rand des Campus oder in dessen Mitte, unter dem Theodor-W.-Adorno-Platz, eine Station entstehen. Letztere Variante wäre jedoch die mit 320 Millionen Euro Baukosten teuerste Strecke. Der Planer machte darauf aufmerksam, dass in jedem Fall die Topographie schwierig sei: Vom Campus in Richtung Palmengarten und Bockenheim falle das Gelände ab. Um den Grüneburgpark zu schützen, müsse er aber möglichst tief unterfahren werden, was für Bau und Verlauf der U-Bahn-Röhre Probleme mit sich bringe.

          Hans-Jürgen Hammelmann von der Aktionsgemeinschaft Westend warb für einen Verzicht auf den teuren U-Bahn-Bau. Stattdessen lasse sich der Campus mit Straßenbahnen anbinden. Die Buslinien 32 zum Ostbahnhof und 64 zum Hauptbahnhof könnten umgewandelt werden.

          Keine Anbindung vor 2030

          Stadtrat Oesterling ließ durchblicken, dass die mit 190 Millionen Euro Baukosten günstigste Planvariante kaum noch favorisiert werde. Der Tunnel zum Europaturm müsste in offener Bauweise entlang der Zeppelinallee verlegt werden, und die Bäume dort müssten weichen. „Auch der Palmengarten und Botanische Garten würden geschrammt“, sagte Oesterling. Und noch andere Einrichtungen könnten vom U-Bahn-Bau betroffen sein: Vertreter des Kinder- und Jugendzirkus Zarakali, der an der Platenstraße ansässig ist, wandten ein, dass zwei mögliche Trassen über ihr Vereinsgelände verlaufen würden. Weiter nördlich, an der Wilhelm-Epstein-Straße, könnte die Sportanlage in Mitleidenschaft gezogen werden, die sich der TuS Makkabi als neuen Standort ausgewählt hat.

          Oesterling sprach von „Minuspunkten“, die bei der weiteren Bewertung der Trassen zu Buche schlagen würden. Dies müssten die Stadtverordneten berücksichtigen, die sich in einem nächsten Schritt auf möglichst drei bis vier favorisierte Streckenverläufe festlegen sollten. Laut Oesterling könnte die neue U-Bahn-Verbindung nicht vor 2030 fertig werden.

          Weitere Themen

          Noch viele Intensivbetten frei

          Kliniken in Hessen : Noch viele Intensivbetten frei

          Viele Kliniken in Hessen haben noch freie Intensivbetten. Beim Anbieter Helios etwa heißt es: „Wir haben Kliniken, in denen ist noch kein einziger Covid-Patient aufgetaucht, obwohl wir fast die komplette Intensivkapazität vorhalten.“

          Haftstrafen nach Schießerei an Döner-Laden

          Prozess in Frankfurt : Haftstrafen nach Schießerei an Döner-Laden

          Zwei gescheiterte Schuldeneintreiber müssen ins Gefängnis: Das Landgericht Frankfurt hat zwei Männer wegen räuberischer Erpressung verurteilt. Sie hatten im Mai 2019 in der Frankfurter Innenstadt einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst.

          Topmeldungen

          Sei es die Größe von Smartphones, der Sitz von Anschnallgurten oder das Verhalten im eigenen Haushalt: Bei der Berechnung von Alltagsdingen werden Frauen systematisch benachteiligt.

          Der Mann als Maßstab : Warum die Daten die Frauen diskriminieren

          Eine britische Aktivistin liefert neuen Diskussionsstoff. Für sie steht fest: Daten, die zu den großen und kleinen Entscheidungen über unser Zusammenleben beitragen, benachteiligen Frauen systematisch. Was steckt dahinter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.