https://www.faz.net/-gzg-7gy2f

U-Bahn-Linie stört : Streit um altes Polizeipräsidium in Frankfurt

Leerstand seit mehr als einem Jahrzehnt: das alte Frankfurter Polizeipräsidium zwischen Messe und Hauptbahnhof. Bild: Fricke, Helmut

Das Land fordert wegen einer geplanten U-Bahn-Trasse eine höhere Ausnutzung des alten Polizeipräsidiums und eine Befreiung vom Bebauungsplan.

          2 Min.

          Zwischen zerschlagenen Scheiben und vermauerten Fenstern haben Sprayer auf der neobarocken Fassade ihre „Tags“ hinterlassen: Das alte Frankfurter Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage verwahrlost mehr und mehr. Die Zeiten, in denen in dem 1914 errichteten Bau zwischen Hauptbahnhof und Festhalle Polizisten ihren Dienst taten, sind lange vorbei. Schon 2002 ist die Behörde in ihren Neubau im Nordend umgezogen. Seither bemüht sich das Land Hessen vergeblich, das alte Präsidium zu verkaufen - und das wird wohl noch eine Weile so bleiben.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hinter der denkmalgeschützten Fassade darf laut Bebauungsplan und Hochhausrahmenplan ein 145 Meter hoher Büroturm gebaut werden. Doch unter dem Gelände verläuft auch die geplante Trasse der U-Bahn-Linie 5, die vom Hauptbahnhof ins Neubaugebiet Europaviertel verlängert werden soll. Darüber, wie sich beide Bauvorhaben koordinieren lassen, sind sich die Stadt und das Land bisher nicht einig.

          „Ein Phantom“

          Eigentlich hatte das Land 2011 über ein Bieterverfahren einen Investor gefunden, der auf dem Gelände einen Büroturm errichten wollte. Der Finanzminister hatte sogar schon einen Kaufpreis verkündet: 80 Millionen Euro. Doch der Kaufvertrag mit dem Unternehmen Benchmark Development ist noch immer nicht unterzeichnet. In der Frankfurter Stadtverwaltung wird inzwischen bezweifelt, dass Benchmark überhaupt noch ernsthaft interessiert ist. Die Preisvorstellungen des Landes seien „völlig unrealistisch“, der Investor sei „ein Phantom“.

          Die Stimme von Benchmark-Geschäftsführer Götz Hufenbach klingt allerdings ganz real. „Wir haben nach wie vor hohes Interesse und stünden für eine Projektentwicklung bereit“, sagt er. Hufenbach will einen Büroturm errichten, in dem denkmalgeschützten Trakt soll ein Hotel einziehen, im Blockrand sollen Wohnungen entstehen.

          Die Stadt will nicht warten

          Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen geändert, unter anderem wegen des U-Bahn-Baus. Weil im Rahmen des Planfeststellungsverfahren noch die Öffentlichkeit beteiligt werden muss, gilt von der Offenlage der Planunterlagen an eine Veränderungssperre für das Baugelände. Das Grundstück darf solange nicht bebaut werden. Erst, wenn das mit einem Bebauungsplan vergleichbare Planfeststellungsverfahren für die U-Bahn rechtskräftig ist, wird die Sperre wieder aufgehoben. Wie lange das dauern wird, ist schwer abschätzbar. Im Fall des Flughafenausbaus sind mehrere Jahre vergangen. Beim weniger komplexen U-Bahn-Bau dürfte es schneller gehen, dennoch gilt: Ein Grundstück, das jahrelang nicht bebaut werden kann, ist schwer zu verkaufen. Das Regierungspräsidium, die zuständige Planfeststellungsbehörde, hält eine Offenlage Anfang 2014 für realistisch.

          Das Land hatte sich eigentlich eine umgekehrte Reihenfolge erhofft: Erst sollte das Hochhaus gegründet werden, dann der Tunnel für die U-Bahn, den das Land mitfinanziert. Beide Bauvorhaben parallel zu realisieren, ist aufwendig, aber nicht unmöglich. Die Stadt will allerdings mit dem Bau des U-Bahn-Tunnels nicht warten, bis das Land das Grundstück veräußert hat. „Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr mit dem Bau der U-Bahn beginnen können“, sagt Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). Anfang 2018 soll sie fertig sein. Das Interesse des Landes an einer Vermarktung des Grundstücks sei mit dem der Stadt am Bau des Tunnels abzustimmen. „Wir haben Lösungen gefunden“, sagt Majer.

          Schwierige Vermarktungschancen

          Beim Land klingt das anders. Die Lage der U-Bahn-Trasse schränke die baulichen Gründungen sowie die Anordnung der Baukörper auf dem Grundstück ein, meint das Hessische Immobilienmanagement, das die Liegenschaften des Landes verwaltet. Weil die U-Bahn den Grundstückswert mindere und die Bebaubarkeit einschränke, verlangt das Land einen Ausgleich „durch entsprechende Befreiungen an anderer Stelle“.

          In der Immobilienbranche wird allerdings bezweifelt, dass durch eine höhere Ausnutzung des Grundstücks, etwa mit einem höheren Turm, die Vermarktungschancen auf dem schwierigen Büromarkt steigen. Außerdem wird das im Bebauungsplan für das Hochhaus vorgesehene Baufeld nur am Rand von der U-Bahn-Trasse tangiert. Es sei auch weiterhin groß genug für einen Turm, sagen Fachleute. Der exakte Standort des Hochhauses wäre ohnehin noch in einem Architekturwettbewerb zu klären. Weil auch der dauern wird, steht die Reihenfolge offenbar fest: erst die U-Bahn, dann das Hochhaus.

          Weitere Themen

          Neue Fenster nach 75 Jahren

          Kirche in Darmstadt : Neue Fenster nach 75 Jahren

          Ende 1944 wurden die Scheiben der Kirche Sankt Elisabeth in Darmstadt bei einem Luftangriff zerstört. Jetzt haben Studenten neue Buntglasscheiben entworfen.

          Das war der kalifornische Traum

          Urbanisierung : Das war der kalifornische Traum

          Die geplante Trasse für einen Hochgeschwindigkeitszug durch das Silicon Valley und immer mehr und immer höhere Häuser markieren das Ende der ewigen Suburbanisierung. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.