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TU Darmstadt : Wertschöpfung wie bei der Heag AG

  • -Aktualisiert am

Einige dieser Studenten im Audimax der TU Darmstadt werden vermutlich auch nach ihrem Abschluss in der Region bleiben. Bild: Kretzer, Michael

Eine Studie zeigt: Die Technische Universität Darmstadt ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.

          3 Min.

          Im Jahrzehnt der Euro-Krise stellt sich immer drängender die Frage, wo Geld noch sicher anzulegen ist. Eine gute Antwort kann darauf der Präsident der Technischen Universität Darmstadt, Hans Jürgen Prömel, geben. Er stellte gestern eine Studie unter dem Titel „Wirtschaftsfaktor TU-Darmstadt“ vor. Anlass zum Auftrag an die DIW econ, ein Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin, mit einer Untersuchung des „Wachstumsmotors“ Universität war Prömel zufolge die Erfahrung, dass die kulturelle und wissenschaftliche Relevanz der TU nicht mehr in Frage stehe, ihre ökonomische Bedeutung hingegen oft unklar sei. Diese für einen Wissenschaftler unhaltbare Situation ist nunmehr beseitigt. Prömel kann künftig in Gesprächen etwa mit Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) exakt belegen, dass der Bruttowertschöpfungs-Effekt der TU um 160 Prozent größer ist als die Haushaltsmittel, die das Land Hessen 2011 für seine Universität bereitstellte.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Aber das sind nicht die einzigen harten Zahlen der Studie. Analysiert wurde das ökonomische Potential der Technischen Universität auf zwei Ebenen, der Wertschöpfung und dem „Wissenskapital“. Die Bruttowertschöpfung beläuft sich demnach auf knapp 700 Millionen Euro, von denen 436 auf die Region Südhessen entfallen. Eingerechnet wurden dabei die Nachfrageeffekte, die durch Ausgaben für Personal und Sachmittel, Investitionen in Gebäude und Geräte und vor allem durch den Konsum der rund 20000 Studenten ausgelöst wurden sowie die von der TU eingeworbenen Drittmittel, die wieder in Investitionen geflossen sind.

          Prömel verwies darauf, dass die Summe von 700 Millionen Euro an die Bruttowertschöpfung durch Darmstadts Stadtkonzern Heag AG heranreicht, die 2010 bei 730 Millionen Euro lag. Noch nicht einberechnet sind dabei jene 64 Millionen Euro an Wertschöpfung, die Forschungsinstituten zugerechnet werden, mit denen die TU zusammenarbeitet. Hinzu kommt, dass nach der Studie in der Region Südhessen 9200 Arbeitsplätze von der Universität abhängen und bundesweit sogar 13.000. Das Steueraufkommen der TU beträgt bundesweit 106,6 Millionen Euro, von dem gut ein Drittel dem Land Hessen zufließt.

          Viele Absolventen bleiben in der Region

          Noch höher als diese Wirtschaftsleistung schätzt der Präsident die Lehr- und Forschungstätigkeit der Universität ein. Sie sei der eigentlich dominierende Faktor. Laut DIW econ schafft die TU Darmstadt jährlich immer wieder aufs Neue ein Wissenskapital in Höhe von bundesweit 402 Millionen Euro, von denen 212 Millionen Euro der Region zugerechnet werden. Um zu diesem Resultat zu kommen, bewerteten die Wirtschaftsforscher universitäre Leistungen wie die Ausbildung hoch qualifizierter Absolventen, die Schaffung und Verwertung neuen Wissen durch Forschung, Publikationen, Erfindungen, Patente und Lizenzen, Ausgründungen von Unternehmen und Kooperationsbeziehungen in Netzwerken.

          Wie nachhaltig die TU die Volkswirtschaft in Südhessen beflügelt, das sich gerne als „Software-Cluster“, „IT-Valley“ oder Engineering-Region“ definiert, macht eine Zahl deutlich: Auch nach zehn Jahren sind noch 52 Prozent der TU-Absolventen in Firmen der Region beschäftigt. Diese und ähnliche Wirkungen der langfristigen Effekte, die die Universität auf die Wirtschaft hat, seien auch für ihn überraschend, sagte Prömel.

          Interaktion optimieren

          Offensichtlich trägt die Technische Universität ebenfalls erheblich zur wirtschaftlichen Stabilität des Rhein-Main-Gebietes bei, das die zurückliegende Wirtschaftskrise relativ glimpflich überstanden hat. Holger Zinke, Mitglied des Hochschulrates und Vorsitzender des Industrieausschusses der IHK Darmstadt, machte dafür die „Wissensbasiertheit“ Südhessens aus. Für die IHK ist das Thema so interessant, dass sie sich mit dem Gedanken trägt, eine weitere Studie in Auftrag zu geben, die genauer die Wege des „Wissenskapitals“ untersuchen soll. Also etwa die Wirkung von Firmenneugründungen. Zinke selbst ist als Gründer und Vorstandsvorsitzender der Brain AG in Zwingenberg selbst ein Beispiel dafür, dass innovative Unternehmen auch mit eher kleiner Belegschaft enorme Forschungsgelder einwerben können, die der gesamten Region zugute kommen. Eine Quantifizierung dieses „Systems der Wissensgenerierung“ stehe bisher noch aus.

          Direkte Folgen werden die Ergebnisse der TU-Studie erst einmal nicht haben. Wie Zinke sagte, kann aber die von der IHK avisierte Untersuchung zu Empfehlungen führen, etwa wie die „Interaktion zwischen Universität und Unternehmen“ zu optimieren sei.

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