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TU Darmstadt : Prömel einziger Kandidat

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Hans Jürgen Prömel steht seit 2007 an der Spitze der Universität in Darmstadt. Bild: Wohlfahrt, Rainer

An der TU Darmstadt wird am 13.Februar ein neuer Präsident gewählt. Die Findungskommission hat den Amtsinhaber vorgeschlagen.

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          Die Universitätsversammlung der Technischen Universität Darmstadt hat am 13. Februar über den künftigen Präsidenten zu bestimmen. Die 61 Mitglieder des Gremiums haben zu entscheiden, ob der amtierende Präsident Hans Jürgen Prömel seine Tätigkeit bis zum Jahr 2019 fortsetzen kann. Der 59 Jahre alte Mathematiker ist der einzige Kandidat, den die Findungskommission nach einer öffentlichen Ausschreibung vorgeschlagen hat. Dieser Empfehlung ist der Hochschulrat schon vor Wochen einstimmig gefolgt. Am Mittwochabend stellte sich Prömel der Anhörung der Universitätsversammlung. Für eine erfolgreiche Wahl am 13.Februar gilt die Regelung, dass eine Mehrheit der Stimmen benötigt wird, also mindestens 31.

          Die zurückliegende Wahl des TU-Präsidenten hatte für erhebliche Schlagzeilen gesorgt. Sie zog sich über Monate hin und bedurfte mehrerer Anläufe, um den Platz des früheren Amtsinhabers Johann-Dietrich Wörner zu besetzen. Im April 2007 verlangte die Universitätsversammlung, der Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, administrativ-technische Beschäftigte und Studentenvertreter angehören, nach der Absage von einem der drei Kandidaten zunächst eine Nachnominierung. Im Mai stand mit dem TU-Professor Thomas Weiland dennoch nur ein Bewerber zu Wahl, den die Versammlung in vier Wahlgängen spektakulär durchfallen ließ. Im Juli traten schließlich der TU-Vizepräsident Johannes Buchmann und Prömel als Vizepräsident der Humboldt-Universität Berlin gegeneinander an. Es bedurfte mehrerer Wahlgänge, bis der Name des neuen Präsidenten feststand. Prömel erzielte im dritten Durchgang 37 Stimmen, Buchmann 18.

          „Die Universität macht mehr Spaß“

          Dass es auf der Universitätsversammlung am 13.Februar abermals Diskussionen über die Zahl der Kandidaten geben könnte, wollte Prömel gestern in einem Pressegespräch nicht ausschließen, in dem er eine Bilanz seiner Amtszeit zog und seine Vorstellungen zur Entwicklung der Universität erläuterte. Er verwies allerdings darauf, dass die Findungskommission, obwohl mehrere Bewerbungen vorgelegen hätten, nur einen Personalvorschlag unterbreitet habe.

          Er habe sich reichlich überlegt, ob er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehe. „Aber die Universität macht mir Spaß“, sagte Prömel. Seit 2007 habe es Veränderungen gegeben, wie er sie noch an keiner Universität gesehen habe. Nach wie sei einiges zu tun. So wolle er das Forschungsprofil der Universität weiter schärfen, die wissenschaftliche Nachwuchsförderung ausbauen und sich für eine „Kultur der Kooperation und Interdisziplinarität“ einsetzen. Außerdem wolle er die Internationalisierung voranbringen und die TU in Studium und Lehre so attraktiv machen, dass trotz des prognostizierten Rückgangs der Studentenzahlen perspektivisch weiterhin mehr als 20000 Studienplätze besetzt blieben.

          „Die Autonomie ist für uns ein sehr hoher Wert“

          In den sechs Jahren von Prömels Amtszeit hat sich die TU dynamisch entwickelt. Die Zahl der eingeschriebenen Studenten stieg von 17500 auf 25000 und die der Beschäftigten von 3500 auf 4200. Während die Landesmittel von 235 auf 250 Millionen Euro eher geringfügig zunahmen, gelang es der TU, die Drittmittel auf 151Millionen Euro mehr als zu verdoppeln. Auf das Wachstum der Studentenzahl reagierte das Präsidium mit einer Anpassung der Infrastruktur und umfangreichen Bauvorhaben. Während Prömels Amtszeit wurden 2600 Hörsaalplätze und 2000 Seminarplätze neu errichtet sowie 185Kitaplätze. Die Investitionen für Neubauten, Bauunterhaltung und Sanierung summieren sich auf 328 Millionen Euro.

          Mit Blick auf diese Investitionen sagte Prömel, ohne den Status der TU als autonomer Universität hätte weniger als die Hälfte dieses Programms verwirklicht werden können. „Die Autonomie ist für uns ein sehr hoher Wert.“ Angesichts von Diskussionen in Bund und Land habe er jedoch die Befürchtung, dass dieser Status trotz aller Erfolge verteidigt werden müsse. „Wir sind am Rande eines Rollbacks“, sagte Prömel. Zwar verstehe er es, wenn die Landespolitik über Hochschulentwicklungspläne „gewisse Leitplanken“ definiere. Was die Hochschulen aber nicht brauchten, seien „operative Eingriffe“.

          Drei Vizepräsidenten müssen auch gewählt werden

          Sollte der alte auch der neue Präsident werden, stünde ihm nach seiner Einschätzung eine Amtszeit bevor, die durch Verstetigung und Nachjustierungen geprägt sein wird. Das Grundraster der Universität mit dem Schwerpunkt Ingenieurwissenschaften, gefolgt von Naturwissenschaften und den Sozial- und Geisteswissenschaften solle so bleiben. Auch die fünf Cluster - zum Internet der Zukunft, Produktionstechnik, Smart Interfaces, Kernphysik und Materialwissenschaften - hält Prömel für zukunftsfähig. Allerdings dürfe man diese Forschungsschwerpunkte nicht statisch sehen. Veränderungen und Erweiterungen seien möglich, etwa um das Thema Energie.

          Außer der Präsidentenwahl steht an der TU in diesem Jahr auch die Wahl von drei Vizepräsidenten an. 2014 läuft die Amtszeit von TU-Kanzler Manfred Efinger aus. Prömel sagte, sollte er im Amt bleiben, werde er Efinger zur Wiederwahl vorschlagen.

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