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TU Darmstadt : Für die Ministerin ein Vorzeigeprojekt

  • -Aktualisiert am

Verfügt über mehr als 5,5 Millionen Medien: die Bibliothek der Technischen Universität Darmstadt. Bild: Wonge Bergmann

Die Technische Universität Darmstadt stellt ihre neue Zentralbibliothek vor. Knapp 74 Millionen Euro sind für das Vorhaben ausgegeben worden.

          3 Min.

          Die Technische Universität (TU) Darmstadt hat am Mittwoch mit zahlreichen Gästen das „Pre-Opening“ der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) gefeiert. Der auf dem Uni-Campus in der Stadtmitte liegende Bibliotheksneubau hat 73,8 Millionen Euro gekostet und stellt damit das bislang teuerste Bauwerk dar, das die Universität in eigener Planungs- und Finanzhoheit errichtet hat. Öffentlich zugänglich wird das fünfstöckige Gebäude voraussichtlich in zwei Wochen. Der entscheidende Unterschied zur Voreröffnung wird dann darin bestehen, dass die 2,4 Millionen Medien, die zum Teil noch am alten Standort im Stadtschloss lagern, in die neuen, insgesamt 78 Kilometer langen Regalböden einsortiert sind.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Hessens Wissenschafts- und Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) hat beim Festakt die Universität nicht nur gelobt, sondern ihr eine Referenzfunktion für Hessen bescheinigt. Die TU sei nicht nur die erste Universität in Hessen, die ein derartiges Bibliotheksprojekt umgesetzt habe. Ihr sei es auch dank des 2005 gewährten Autonomiestatus gelungen, den Zeit- und Kostenrahmen einzuhalten. Dies sei bei öffentlichen Bauvorhaben nicht selbstverständlich.

          Eine Freiheit, die gilt, wenn „etwas Vernünftiges herauskommt“ 

          Die politischen Schlussfolgerungen, die die Ministerin daraus bezog, dürften auch für die anderen Hochschulen in Hessen von Interesse sein. Kühne-Hörmann sprach sich dafür aus, die Darmstädter Bau- und Budgetautonomie, „die viele damals für verrückt halten haben“, auch anderen hessischen Universitäten zu gewähren. Die TU haben gezeigt, welche Vorteile damit verbunden seien: „Wir sollten deshalb den Universitäten solche Freiheit gewähren, nachdem wir sehen können, dass etwas Vernünftiges herauskommt.“ Vernünftig und beispielhaft ist nach Ansicht der Ministerin auch die Absicht, die ULB vom nächsten Jahr an rund um die Uhr für Nutzer zu öffnen, sowie die Verbindung zwischen einer Wissenschafts- und einer Regionalbibliothek, die allen Bürgern offensteht.

          Lob gab es von der Staatssekretärin im Finanzministerium, Luise Hölscher (CDU), für die Architektur des Gebäudes, das nach Plänen des Nürnberger Büros Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten BDA in dreieinhalb Jahren errichtet wurde. Sie überzeuge nicht nur durch ihre Funktionalität, sondern sei auch städtebaulich ein Gewinn. Das Areal zwischen Alexander- und Magdalenenstraße habe eine „neue, markante Prägung“ erhalten. TU-Präsident Hans Jürgen Prömel nannte den Neubau „ein sichtbares Zeichen der enormen Entwicklung unserer Universität“. Die Zahl der Studenten habe seit 2007 von 17.000 auf 25.000 zugenommen, die Eröffnung der neuen Bibliothek kurz nach dem Start des Wintersemesters komme zur rechten Zeit.

          „Anlese- und Sofortarbeitsplätze“ laden zum Verweilen ein 

          Die Eröffnungsfeier am Mittwoch fand im überdachten Atrium statt, das den kommunikativen Mittelpunkt des Gebäudekomplexes bildet, der, von oben betrachtet, einem kleingeschrieben „b“ ähnelt. Von hier aus sind über eine zentrale Treppe alle vier Obergeschosse zu erreichen, auf denen man über umlaufende Galerien zu den sogenannten Freihandbereichen kommt, die den direkten Zugriff auf rund 700.000 Bände erlauben. Wer das gesuchte Exemplar gefunden hat, kann sich auf „Anlese- und Sofortarbeitsplätze“ setzen und zur weiteren Vertiefung auf Wunsch später einen der 700 regulären Arbeitsplätze aufsuchen, die nach außen zur Fassade hin plaziert wurden und daher ruhiger liegen und heller sind. Die Buchmagazine und eine Tiefgarage sind in zwei unterirdischen Geschossen sowie einem Hanggeschoss untergebracht. Insgesamt umfasst die ULB 20.000 Quadratmeter Nutzfläche. Finanziert wurden die Kosten aus dem Baubudget der Universität und einem Zuschuss von 30 Millionen Euro aus dem Heureka-Programm der Landesregierung.

          Noch nicht abgeschlossen sind die Arbeiten am Außengelände, dessen Gestaltung unter dem Motto „Campus der kurzen Wege“ steht. Dass zwischen Mensa, altem Hauptgebäude und Magdalenenstraße ein neuer universitärer Raum entstanden ist, der zum Verweilen einladen soll, wird aber schon jetzt durch den „Lesehof“ erkennbar. Der Haupteingang der ULB ist zu diesem „Campusplatz“ hin orientiert. Von ihm aus führt der Wege sowohl zur zentralen Halle der Bibliothek mit einer vorgelagerten Zugangskontrolle wie zu einem Café und einem Vortragssaal. Bis zur Eröffnung in zwei Wochen dürften die Mitarbeiter von ULB-Direktor Hans-Georg Nolte-Fischer noch ausreichend zu tun haben. Sie müssen nicht nur die Bestände aus dem nahen Schloss überführen, sondern auch die von mehreren Fachbereichsbibliotheken, die ebenfalls an den neuen Standort verlagert werden. Insgesamt verfügt die ULB an verschiedenen Plätzen über mehr als 5,5 Millionen Medien, darunter 2,5 Millionen Bücher und Zeitschriften sowie 500.000 elektronischen Medien.

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