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Nach dem „Osmanen“-Verbot : Trügerische Ruhe in der Rockerszene

Ausfahrt: Gelegentlich knattert noch eine Harley durch Frankfurt, auf der ein muskelbepackter Mann in einer mit einem Spruch bestickten Lederjacke sitzt. Bild: Kien Hoang Le

Zumindest nach außen hin ist es erstaunlich ruhig geworden in der Rockerszene. Aber: Getrieben von der Aussicht, schnell viel Geld verdienen zu können, wenn man nur brutal genug auftritt, bilden sich neue Gruppierungen. Ein Kommentar.

          Gelegentlich knattert noch eine Harley durch Frankfurt, auf der ein muskelbepackter Mann in einer mit einem Spruch bestickten Lederjacke sitzt. Aber sonst ist es zumindest nach außen hin erstaunlich ruhig geworden in der Rockerszene der Stadt, in der vor zwei Jahren den Passanten an einem Feiertag noch Kugeln um die Ohren pfiffen.

          Ist der Krieg im Milieu beendet? Das wissen selbst die Fachleute im Landeskriminalamt nicht, die sich seit Jahren mit den selbsternannten Outlaws befassen. Vielleicht kann man es Konsolidierung nennen, was derzeit geschieht. Rocker alter und neuer Schule scheinen sich zumindest darin einig, dass es ihren Geschäften sehr geschadet hat, die Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen. Der Angriff auf den vollbesetzten Katana-Club im Sommer 2014, besagte Schießerei am Friedrich-Stoltze-Platz an Himmelfahrt 2016 und die Hinrichtung des Gießener Hells-Angels-Bosses wenige Monate später hatten zur Folge, dass Polizei und Behörden den Druck erhöhten.

          Aussicht auf schnelles Geld

          Wenn überhaupt jemals daran gedacht wurde, speziell im Rotlichtquartier an den Verhältnissen nicht zu rühren, weil so Machtkämpfe unterdrückt würden: Diese Erwartung hat sich als falsch und gefährlich erwiesen. Die Szene ist in Aufruhr, sie fragmentiert sich immer stärker.

          Getrieben von der Aussicht, schnell viel Geld verdienen zu können, wenn man nur brutal genug auftritt, bilden sich neue Gruppierungen, die von den Altvorderen wie Hells Angels und Bandidos allenfalls Machtstrukturen und ein furchteinflößendes Erscheinungsbild übernehmen.

          Wer nicht boxen kann

          Besonders attraktiv sind derzeit solche „Vereine“ für desorientierte junge Männer mit Migrationshintergrund. Der Name der gestern verbotenen Gruppierung, „Osmanen Germania Box-Club“, lässt etwas von dem Selbstverständnis der Mitglieder und dem Zwiespalt ihrer Gefühle ahnen. Sie werden sich ebenso wenig wie ihre etablierten Rocker-Konkurrenten von dem deutschen Vereinsrecht und seinen begrenzten Möglichkeiten mit Durchsuchungen und Beschlagnahme von Geldern und Kuttenverbot schrecken lassen.

          Zwar sind Nachfolgeorganisationen stets gleich mit untersagt, aber die Phantasie, welchen neuen Anstrich man sich gibt, ist groß. Viele Hells Angels haben noch nicht einmal mehr einen Motorradführerschein, und die meisten Osmanen können gar nicht boxen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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