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Fastnacht : Trockenübungen für die tollen Tage in Mainz

Einige der Kinder hatten sich zur Informations-Veranstaltung auch verkleidet, doch die als Spaßmacher eingeplanten Vertreter der Narrenzünfte fielen aus. Bild: dpa

Die Mainzer Polizei klärt Flüchtlinge über die Bräuche zu den tollen Tagen auf. Aber auch das Medieninteresse an der Veranstaltung in der Erstaufnahmeeinrichtung ist groß.

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          Bei dem Versuch, fast 170 Flüchtlinge – unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Armenien – in die Geheimnisse der Fastnacht einzuweihen, hat sich die Mainzer Polizei sehr zum Leidwesen der zum Teil maskierten und kostümierten Kinder doch ziemlich humorlos gezeigt. Weil dann auch noch die eigentlich als Spaßmacher eingeplanten Vertreter der einheimischen Narrenzünfte ausfielen, geriet die in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes anberaumte Informationsveranstaltung zu einer ziemlich ernsten und helaufreien Angelegenheit.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Warum das bedeutende Volksfest überhaupt gefeiert wird und was das Ganze mit der zum Christentum gehörenden Fastenzeit zu tun hat, dürfte den meisten Asylbewerbern dabei unklar geblieben sein. Und welches Gedränge an Rosenmontag tatsächlich auf der Ludwigsstraße herrscht, wenn bis zu 500.000 Besucher ausgelassen auf Straßen und Plätzen unterwegs sind, werden sich die Neulinge nach dieser trockenen Unterweisung wohl auch nicht richtig vorstellen können.

          Ebenfalls großes Medieninteresse

          Dafür haben sie seit schriftlich, dass „in Deutschland niemand gegen seinen Willen angefasst werden darf“. So steht es klipp und klar in dem in vier Sprachen, nämlich auf Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch, abgefassten Flugblatt, das von der Mainzer Polizei als zusätzliche Präventionsmaßnahme eingesetzt wird. Darüber hinaus erklärte der für das Aufklärungsprojekt zuständige Beamte Stefan Landvogt seinen Zuhörern in der früheren Kommissbrotbäckerei, dass Polizisten, ob in Uniform oder in Zivil, Respektspersonen seien und dass Straftaten jedweder Art negative Folgen für den Aufenthaltsstatus des betreffenden Flüchtlings haben könnten.

          Eine Frau studiert die Broschüre der Polizei.

          Obwohl die Ereignisse aus der Silvesternacht in Köln gar nicht explizit erwähnt wurden, gab er sich mit Hilfe eines Übersetzers redlich Mühe, auf die Rolle und Rechte der Frau in Deutschland hinzuweisen. „Freizügige Kleidung und fröhliches Feiern gehören zur Fastnacht dazu und sind keine Aufforderung zu Intimitäten“, heißt es dazu auch in dem Flugblatt. „Eine Frau kann jederzeit nein sagen“, ergänzte Landvogt, dem beim ersten Auftritt dieser Art vor Fastnacht gar Polizeipräsident Reiner Hamm zur Seite stand. Entsprechend groß war das Medieninteresse. Noch bis Mittwoch sollen weitere Flüchtlingsunterkünfte, wie jene auf dem Layenhof bei Mainz, besucht werden.

          So etwas wie die „Fassenacht“ sei im arabischen Raum nicht bekannt, erklärte der als Dolmetscher hinzugezogene Houcine Skalli, der in Mainz studiert hat. Volksfeste mit Tanz, Musik und reichlich Essen gebe es aber schon. Verkleidungen und Masken kämen in Syrien zum Beispiel bei privaten Geburtstagsfeiern, aber auch bei Partys für heiratswillige Singles durchaus zum Einsatz, sagte Sozialpädagogin Houda Karn, die überlegt, mit den momentan in der Kommissbrotbäckerei lebenden zwei Dutzend Kindern am Samstag zum Jugendmaskenumzug zu gehen. Außerdem soll es in der Unterkunft in der Neustadt eine kleine Fastnachtsfeier geben. Spätestens dann darf dort wohl auch helau gerufen, getanzt und geschunkelt werden.

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