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Folgen der Dürre : Trockenheit lässt Grundwasserstände sinken

Der Boden des Edersees nahe der Aseler Brücke in Hessen war im August 2018 völlig ausgetrocknet. Bild: dpa

Nach dem sehr trockenen Sommer 2018 sind die Wasserspeicher im Boden noch nicht wieder so gefüllt, wie sie es sein sollten. Forscher blicken den kommenden heißen Tagen mit Sorge entgegen.

          Vor „gravierenderen Folgen“ als im vergangenen Jahr warnt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie für den Fall, dass auch der Sommer 2019 so heiß und trocken wird wie der des Jahres 2018. Die Wasserspeicher im Boden seien durch die vergangene Hitzeperiode sehr beansprucht worden und derzeit nicht so gefüllt, wie sie es sein sollten. In den vergangenen Monaten habe es nicht ausreichend geregnet, um die Grundwasserstände in Hessen wieder so aufzufüllen, wie sie zu Beginn eines Sommers eigentlich sein sollten. Nach Angaben von Mario Hergesell, Grundwasserexperte beim Landesamt, ist im hydrologischen Winterhalbjahr zwischen Anfang November und Ende April zehn Prozent weniger Niederschlag gefallen als im langjährigen Mittel, dessen Bemessungsgrundlage die Niederschläge in den Jahren 1981 bis 2010 sind.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein solches Defizit wäre grundsätzlich nicht weiter bemerkenswert – gewinnt im Zusammenspiel mit dem vergangenen heißen und trockenen Sommer aber an Bedeutung. Laut Hergesell wären die Folgen großer Trockenheit in diesem Sommer schwerwiegender als im Vorjahr. Denn damals, so Hans Helmut Schmitt vom Deutschen Wetterdienst, „waren wir sehr nass ins Jahr gestartet“.

          Kein Grund für Hysterie

          Warnungen oder gar Horrorszenarien wollen allerdings weder der Hydrogeologe Hergesell noch der Agrarmeteorologe Schmitt aus der aktuellen Situation ableiten. Die Untersuchungen in den vergangenen Jahrzehnten zeigten, dass sich extreme Großwetterlagen wie im Sommer 2018 „so gut wie nie eins zu eins wiederholt haben“, sagt Hergesell und rät dazu, die weitere Entwicklung abzuwarten. Derzeit lasse sich noch nichts vorhersagen. Für die Grundwasserstände sei der Verlauf dieses Sommers zwar wichtig, viel entscheidender jedoch werde der nächste Winter sein: Üblicherweise füllen sich seinen Worten zufolge von November bis Ende April die Grundwasserspeicher. Danach sinken die Grundwasserstände, weil die dann auftretenden Niederschläge von den Pflanzen aufgenommen werden und bei den höheren Temperaturen verdunsten.

          Hergesell und Schmitt bestreiten nicht, dass die Folgen des Klimawandels inzwischen deutlich zu spüren sind. „Die Extreme nehmen zu“, sagt Schmitt – und fügt hinzu, dass beim Wetter alles möglich sei. So habe es etwa 2017 und 2014 „total verregnete Sommer“ gegeben. Damals sei in den Sommermonaten alles an Niederschlägen aufgeholt worden, was bis dahin gefehlt habe. 2017 habe es den sogenannten „Wüsten-April“ gegeben. Aber schon im Mai begann es dann zu regnen – und erst im Herbst hörte es auf. „Und 2014 hat es im Juli und August nur noch geregnet“, so dass am Ende des Jahres in Hessen insgesamt 200 Liter mehr je Quadratmeter gefallen seien als üblich. Zum Vergleich: Das Hessische Landesamt hat jetzt ermittelt, dass sich von Januar 2018 bis Ende April 2019 das Niederschlagsdefizit auf 263 Liter auf den Quadratmeter summiert. Damit fehlt derzeit rund ein Drittel der üblichen Jahresmenge.

          Folgen noch unklar

          Die Folgen der aktuellen Grundwasserknappheit sind den Experten zufolge noch nicht abzusehen, alles hänge von den nächsten Monaten ab. Der Versorger Hessenwasser, der große Teile des Rhein-Main-Gebiets mit Trinkwasser versorgt, gibt jedenfalls Entwarnung: „Wir sind auch für einen weiteren, trockenen Sommer gerüstet“, sagt ein Sprecher. Hessenwasser habe die Lektion von 2018 gelernt und sei längst in Gesprächen mit den Kommunen. Das Unternehmen könne durch die Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser ausreichend Grund- und entsprechend Trinkwasser produzieren. Um auch den fehlenden Niederschlag auszugleichen, wurde in den ersten drei Monaten dieses Jahres „so viel Rheinwasser infiltriert wie noch nie zuvor“.

          Im Sommer 2018 gab es dem Sprecher zufolge technische Kapazitätsprobleme: Wenn in einem Ballungsraum alle gleichzeitig duschten oder ihre Gärten sprengten, komme das Leistungssystem nun einmal an seine Grenzen. Deshalb arbeite man nun gemeinsam mit den Kommunen daran, den Bedarf besser zu managen. Dazu könnten auch Investitionen in Speicher gehören. Zu Versorgungsengpässen würde es dem Landesamt zufolge in einem heißen und trockenen Sommer nämlich in Mittelgebirgsregionen kommen, wo sich die Gemeinden auf eigene Quellen stützen und nicht an Verbundsystemen angeschlossen sind.

          Hergesell warnt unterdessen vor einer Hysterie: Die niedrigsten Grundwasserstände habe es in Hessen 1971 bis 1976 gegeben. „Das ist unsere Referenz“, sagt der Mann vom Landesamt, „und von den damaligen Niedrigständen sind wir heute noch weit entfernt“.

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